Die Gensemer Lerchen

Zusammenhalt in allen Lebenslagen in Schwarzrheindorf

Ein funktionierendes Mehrgenerationen-Projekt: Die Alt- und Junglerchen aus der Gensemer Straße feiern gemeinsam den Advent und das zehnjährige Bestehen der Nachwuchsgruppe.

Ein funktionierendes Mehrgenerationen-Projekt: Die Alt- und Junglerchen aus der Gensemer Straße feiern gemeinsam den Advent und das zehnjährige Bestehen der Nachwuchsgruppe.

Schwarzrheindorf. Das Mehrgenerationen-Projekt funktioniert hervorragend: Die Gensemer Lerchen feierten jetzt das Jubiläum ihrer Neugründung, denn vor zehn Jahren stießen zahlreiche "Junglerchen" zu den "Altlerchen" und sorgten so für frischen Schwung und großen Zusammenhalt.

Die Gensemer waren schon immer eine verschworene Gemeinschaft. Das hat wahrscheinlich auch Julius Cäsar bei seinem Germanien-Feldzug zu spüren bekommen, als er der Sage nach versucht haben soll, von Bonn nach Gensem eine Brücke zu bauen. Dass der Stolz und der Gemeinsinn bis zum heutigen Tage ungebrochen sind, beweisen die Gensemer Lerchen. Das außergewöhnliche Mehrgenerationenprojekt feiert in diesem Jahr zehnjähriges Bestehen – obwohl es den Zusammenschluss eigentlich schon 43 Jahre gibt.

Im kleinen Vereinsheim bei Chef-Lerche Magdalena Schmidt trafen sich jetzt die Frauen, um einen kleinen Rückblick zu halten und um sich in Adventsstimmung zu versetzen. Das Programm, das die Damen aus dem Schwarzrheindorfer Ortsteil Gensem zum kleinen Jubiläum der „Junglerchen“ zusammengestellt hatten, ließ keine Verschnaufpausen zu. Und für Männerbesuch war auch gesorgt: Das Beueler Häärekomitee schaute beim Fest vorbei und überraschte die Frauen mit einem rheinischen Medley – natürlich aus Liedern der Höhner und der Bläck Fööss.

Ansonsten machten die Lerchen das, was ihnen vor 43 Jahren den Namen eingebracht hatte: sie sangen. Damals hatten sich Frauen aus der Nachbarschaft zusammengetan, um für die Silberhochzeit der Familie Berchem einige Ständchen einzustudieren. Dabei half ein Nachbar, der irgendwann offenbarte: „Ihr singt ja so schön wie die Lerchen.“ Und weil ihr Auftritt ein solcher Erfolg war, blieben sie zusammen, trafen sich monatlich und präsentieren seitdem immer wieder bei Veranstaltungen aller Art ihr Gesangstalent.

Altlerchen und Junglerchen

Von den rund 30 Frauen, die 1975 gestartet sind, waren 2008 nur noch 18 verblieben. Die steckten nicht den Kopf in den Sand. „2008 hatten wir Briefe im Briefkasten“, erinnerte sich Sonja Seibel, die zwei Jahre davor in die Gensemer Straße gezogen war. Die Botschaft darauf lautete in Kurzform: „Hilfe, wir sterben aus“. Die alten Lerchen luden junge Frauen zur Maibowle ein und präsentierten sich anscheinend überzeugend, denn von 14 Interessierten blieben zwölf. Später kamen noch einige Frauen dazu. Und wie fällt die Bilanz nach zehn Jahren aus? Dazu Seibel: „Niemand kann mehr übersehen, wie wir zusammenstehen. Füreinander da zu sein, zuzuhören, Freud und Leid miteinander teilen, das gehört dazu. Und generationsübergreifendes Feiern, was man in diesem Maß nicht sehr oft antrifft.“

Immerhin haben die Altlerchen heute einen Altersdurchschnitt von rund 80 Jahren, die meisten Junglerchen sind vielleicht halb so alt. Etwa die Hälfte von ihnen ist in der Gensemer Straße geboren. Seibel ist eine der Zugezogenen: „Es ist wichtig, dass wir das Brauchtum übernehmen und die Alten uns anlernen.“

Weil das Vereinsheim so klein ist, werden derzeit keine neuen Lerchen aufgenommen. Übrigens müssen neue Mitglieder in der Gensemer Straße wohnen. Wenn sie aber nach ihrer Taufe wegzieht, macht das laut Seibel nichts: „Einmal Lerche, immer Lerche.“