Mehrgenerationen-Projekt Amaryllis

Zusammen wohnen und teilen

Beuel. Die Amaryllis-Wohngenossenschaft ist eine Wohn- und Nachbarschaftsgemeinschaft in Vilich-Müldorf, die sich ökologisch-nachhaltigen Lebensformen verpflichtet fühlt. In dem Mehrgenerationen-Projekt leben derzeit rund 60 Menschen.

Die sieben Frauen und drei Männer, die jetzt in der Amaryllis-Wohngenossenschaft in Vilich-Müldorf die Vortragsveranstaltung „Nachhaltig Wohnen“ besuchten, entsprachen in ihrer Geschlechterverteilung in etwa dem Bild, das auch dem Projekt mit rund 60 Bewohnern in 33 Wohnungen der drei Häuser am Dorothea-Erxleben-Weg entspricht. Im Rahmen ihrer Vortragsreihe mit dem Titel „Nachhaltiger Konsum und Produktionsmuster“ lud die Bonner VHS zusammen mit Vertreterinnen der Amaryllis-Genossenschaft und der Bonner Energie Agentur in den Gemeinschaftssaal von Amaryllis ein, um über die Ansätze von Nachhaltigkeit des seit 2007 bestehenden Mehrgenerationenprojekts zu sprechen.

Kathleen Battke, die nicht nur selber seit 2009 als Sprach- und Medienwissenschaftlerin in der Amaryllis eG wohnt, sondern auch als Netzwerkerin in Sachen genossenschaftlichem Wohnen publiziert, fasste in einem etwa einstündigen Vortrag zusammen, wie sich „drei Dimensionen der Nachhaltigkeit“ in dem Genossenschaftsprojekt darstellen. Im einzelnen erklärte sie mit Unterstützung von Barbara Fricke, Vorsitzende des Aufsichtsrates der Amaryllis-Genossenschaft, und Celia Schütze von der Bonner Energie Agentur die Aspekte von ökonomischer, ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit in dem Wohnprojekt. Auf die Frage, ob sich der Großteil ihrer Mitbewohner aus ökologischen Gründen für das gemeinsame Wohnen entschieden hätten, antwortete Battke überraschend schnell mit „Nein“.

Erst in jüngster Zeit seien vermehrt junge Menschen zu ihnen gestoßen, die in der Bonn-im-Wandel und der Tradition-Town-Szene sehr bewusst ökologisch unterwegs sind. „Von den Amaryllis-Gründern war zunächst nur das ökologische Bauen ein Thema. Dass wir uns nun im Detail mit Nachhaltigkeit beschäftigen, fängt gerade erst an“, so Battke. Als nächstes Thema der Hausversammlung werde „Abfallvermeidung“ auf dem Plan stehen. Battke weiß jedoch, dass Themen dieser Art durchaus kontrovers von der Hausgemeinschaft diskutiert werden. „Die einen sagen, der Klimawandel ist derart drastisch, dass wir alle etwas an unserem Lebensstil verändern müssen, während andere auf der Freiheit des Einzelnen bestehen.“ Sie möchten auch ihr ökologisches Handeln selber verantworten und sich nicht das Waschmittel vorschreiben lassen, das sie in den genossenschaftseigenen Waschmaschinen verwenden sollen.

Im Bereich der ökonomischen Nachhaltigkeit ist man sich dagegen weitgehend einig, dass schon das gemeinsame Eigentum auf Zeit einen nachhaltigeren Effekt erzeugt, als das auf der grünen Wiese gebaute Eigenheim. Wohnraum-Autonomie, Solidar-Kapital und das Teilen und Schenken stellte Battke als weitere Aspekte einer ökonomischen Nachhaltigkeit vor. „Es muss nicht jeder für sich einen Rasenmäher im Schuppen stehen haben“, nannte Battke als Beispiel für das gemeinsam zu nutzende Eigentum, das auch über Werkzeug und Küchengeräte bis hin zu den Autos geht, die man sich teilt. Im Moment stehen 17 Fahrzeuge auf den Parkplätzen des Projekts, die bei weitem nicht ausgelastet sind.

Fricke erklärte die umfangreichen ökologischen Baumaßnahmen des Projekts vom Niedrigenergiehaus bis zur Holzpellet-Heizung. Sie machte aber auch darauf aufmerksam, dass man in den Nebenkostenabrechnungen der Bewohner gut erkennen könne, dass Nachhaltigkeit nicht nur ein technischer Aspekt, sondern „mindestens im gleichen Maße auch eine Frage unserer persönlichen Einstellung ist.“ Auch sei es eine viel diskutierte und noch nicht abschließend gelöste Frage, wie viel Quadratmeter einer Person im Projekt an Wohnfläche zustünden. Daraus resultierte ihre Überlegung, „ob man wirklich ökologisch wohnt und Energie spart, wenn man sein Haus doppelt so sparsam saniert oder nicht vielleicht besser einfach seine Wohnung verkleinert.“