Gesamtschule Beuel

Zuflucht im Beueler Bunker

02.02.2016 Beuel. Die Stadt prüft, ob sich das ehemalige Notfallkrankenhaus in Pützchen für Flüchtlinge eignet. Am Montag hat eine Delegation den Bunker unter der Gesamtschule Beuel besichtigt.

Eine rot lackierte Stahltür markiert die Grenze zur Außenwelt. Eingefasst in Beton trägt sie, in weißen Lettern, die Aufschrift "Eingang Hilfskrankenhaus". Dahinter verbirgt sich eine Welt, die noch der Logik des kalten Krieges folgt. Nach einem Angriff auf die damalige Bundeshauptstadt mit nuklearen, chemischen oder biologischen Waffen wären Verwundete hier versorgt worden. Nun wird geprüft, ob Flüchtlinge dort unterkommen können.

Weil die Stadt händeringend nach Unterkünften sucht, besichtigt sie leer stehende Gebäude, die immer wieder genannt, von der Verwaltung aber als ungeeignet eingeschätzt wurden. Zuletzt zeigten sich das Landesbehördenhaus an der B 9 und die ehemalige Pädagogische Hochschule als weitestgehend untauglich dafür. Auch das ehemalige Notfallkrankenhaus im Bunker unter der Gesamtschule Bonn-Beuel (IGS) in Pützchen entpuppt sich bei einer Begehung als schwieriger Kandidat. Die Heizungsanlage ist defekt, es gibt kein Tageslicht und es fehlen Nasszellen zum Duschen.

Eine Schleuse führt in einen Raum, der zur Dekontamination von Strahlenopfern ausgelegt ist. Zuvor hätten diese sich entkleiden und ihre Kleidung entsorgen müssen. Weiter geht es durch das kalte Dämmerlicht flackernder Leuchtstoffröhren vorbei an OP-Räumen und Patientenzimmern. Etwas weiter stehen 20 Kinderbetten in einem Raum mit niedriger Decke und freigelegten Luftschächten, ein gespenstischer Anblick. Dank Vorräten, Notstromaggregaten, einer Heiz- und Klimaanlage und eigener Wasserversorgung hätten Patienten und Personal drei Wochen autark überleben können.

463 Bettenplätze gibt es laut Thomas Adenauer von der Bonner Berufsfeuerwehr, 50 weitere für Personal. Adenauer, zuständig für Bevölkerungsschutz, sorgt für den Erhalt der 1984 in Betrieb genommenen Anlage. Nach Ende des kalten Krieges wurde sie stillgelegt und ist noch immer in erstaunlich gutem Zustand. Die Feuerwehr würde heutzutage bei Notfällen auf den Bunker zurückgreifen. Etwa zur Evakuierung bei einer Kampfmittelräumung. Ab und an nutzt die GSG 9 den Bunker für Übungen.

Wie viel es kosten würde, den Bunker für Flüchtlinge zu sanieren, ist laut Adenauer noch unklar. Die Stadt will das prüfen. Oberbürgermeister Ashok Sridharan ist trotz des guten Zustands aber skeptisch, ob die Räume für Flüchtlinge genutzt werden können - und wenn, dann nur für kurzzeitige Unterbringungen. "Ich tue mich schwer damit, traumatisierten Menschen aus Kriegsgebieten, die zu uns kommen, in einen Keller zu stecken", so Sridharan. (Andreas Dyck)