Junges Theater Bonn

Wofür lohnt es sich, zu kämpfen?

BEUEL-MITTE. Die besten Freundinnen Chantal und Carlotta wollten eigentlich nur den Brüdern Jan und Markus beweisen, wie albern es ist, sich mit Piraten zu beschäftigen – und plötzlich befinden sich die vier Landratten mitten unter den raubeinigen Gesellen, die sich als eigentlich gar nicht rüpelhaft herausstellen.

Schuld ist ein Buch mit einer Schatzkarte, das die Piraten an sich nehmen. Die vier Kinder müssen etliche Abenteuer bestehen, um den Schatz zu finden und wieder in ihre Zeit zurückzukehren. All das konnte man am Sonntag im Jungen Theater Bonn miterleben.

„Verfluchte Piraten!“ hieß das Stück, das 33 Kinder aus vier Bonner Jugendzentren aufführten. Möglich machte es das von der Aktion Mensch geförderte Projekt „Open Stage Door“, das im JTB zum zweiten Mal durchgeführt wurde. Bei dieser Geschichte geht es nur vordergründig um Seeräuber: Es regt an, sich zu fragen, was für einen selbst der größte Schatz ist und für was es sich zu kämpfen lohnt.

Aktion Mensch fördert das Projekt

Seit dem Sommer vergangenen Jahres trafen sich die Kinder aus den Jugendzentren Nordstraße, Brüser Berg, Uns Huus und Auerberg regelmäßig einmal in der Woche mit Projektleiterin Evi Mürlebach. Mit ihr und einem Betreuerteam entwickelten sie gemeinsam die Geschichte. Sie bastelten zum Teil die Kostüme und Kulissen selbst und probten das Stück ein, in dem auch einige Tanzeinlagen eingearbeitet sind. Die fallen zum Teil anspruchsvoll aus und sind gut choreographiert. Das Ganze lief auf die eine Aufführung hinaus, mehr wird es nicht geben. Aber für die beteiligten Kinder war der Weg das Ziel, das Gesamtprojekt war für sie ein Riesenspaß.

Pargol, die wie die drei anderen „Zeitreisenden“ Farnaz, Ilias und Toni das Jugendhaus Nordstraße besucht, hatte schon bei der ersten Produktion 2014/15 mitgemacht, es hatte ihr gefallen. Die Elfjährige spielte die Hauptrolle. Chantal sei eine „eingebildete Tussi“, die nichts von Piraten hält. „Eigentlich finde ich Piraten cool und wäre gerne auch einer“, sagte Pargol. Sie möchte gerne in der nächsten Saison wieder mitmachen, auch weil sie sich gut mit den Schauspiellehrern verstanden hatte.

Das Stück kommt toll an

Die Aktion Mensch fördert das Projekt mit 170 000 Euro für drei Jahre. Das heißt, nach „Stimmt doch gar nicht!“ und „Verfluchte Piraten!“ steht zunächst ein weiteres Theaterstück im nächsten Jahr an. Wie es danach weitergeht, wissen die Beteiligten noch nicht.

Das Piratenstück kam beim Publikum jedenfalls toll an, am Ende gab es tosenden Applaus. „Ich fand's gut, weil so viele Schauspieler auf der Bühne waren und sie trotzdem aufeinander abgestimmt waren“, sagte Besucherin Elena (13). Auch ihre Freundin Melina lobte das Stück. „Wenn man bedenkt, wie viel Arbeit dahintersteckt.“ Philline (12) war begeistert, „weil man richtig gesehen hat, wie viel ühe sich die Jugendlichen gegeben haben.“ Und das, obwohl sie Laien sind.