Interview mit René Lobe

"Wir haben viele Besucher dazubekommen"

Nachdem es in den vergangenen Jahren immer wieder Diskussionen ums das "Flax" gegeben hat, möchte René Lobe als neuer Leiter Ruhe ins Jugendzentrum bringen - und ihm einen neuen Anstrich geben. FOTO: MAX MALSCH

Nachdem es in den vergangenen Jahren immer wieder Diskussionen ums das "Flax" gegeben hat, möchte René Lobe als neuer Leiter Ruhe ins Jugendzentrum bringen - und ihm einen neuen Anstrich geben.

René Lobe spricht im Interview über seine ersten Monate als Leiter des städtischen Jugendzentrums Flax.

Schon seit Jahren rumort es immer wieder rund um das Flax. Bereits 2011 gab es Kritik seitens der Kinder und Jugendlichen, die das städtische Jugendzentrum an der Ringstraße besuchten. Politiker bemängelten zu kurze Öffnungszeiten und die knappe personelle Besetzung. Im vergangenen Jahr protestierten Flax-Besucher und Eltern heftig, weil die kommissarische Leiterin des Zentrums nach Tannenbusch versetzt wurde.

Bereits 2012 scheiterte das Jugendamt mit seinem Vorstoß, das Flax an einen freien Träger zu übergeben und neu auszurichten, am heftigen Widerstand der Flax-Besucher, dem sich schließlich auch die Beueler Politik anschloss. Anfang Mai hat René Lobe die Leitung des Jugendzentrums übernommen. Wie er sich eingelebt hat und welche Visionen er für das Flax hat, darüber sprach Johanna Heinz mit dem Sozialarbeiter.

Es gab Unruhe im und rund um das Flax in den vergangenen Jahren. Sie haben sich trotzdem entschieden, der neue Leiter der Jugendeinrichtung zu werden. Warum?
René Lobe: Ich war jetzt 15 Jahre lang in Auerberg Leiter einer Jugendeinrichtung und hatte das Gefühl, mich verändern zu wollen. Generell ist Beuel auch einfach ein interessanter Stadtteil mit vielen Möglichkeiten, und auch etwas ganz anderes als das vorherige Umfeld.

Sie sind jetzt seit Anfang Mai im Flax. Wie haben Sie sich eingelebt?
Lobe: Sehr gut. Ich wurde sehr freundlich von allen Beteiligten empfangen. Ich sehe auch, dass das Haus und der Stadtteil viele Möglichkeiten bieten, aus denen man ganz viel machen kann.

Was für Möglichkeiten sind das? Haben Sie schon konkrete Pläne?
Lobe: Ja, die habe ich. Es war ja ein Wunsch vom Runden Tisch, der Anfang des Jahres getagt hat, dass mehr AGs und Kurse stattfinden sollen. Dazu haben wir zunächst unsere Internetseite überarbeitet, sodass auch für jeden ersichtlich ist, welches Programm wir aktuell anbieten. Wir haben auch einen Flyer auf den Weg gebracht und neue Kurse, die wir versuchsweise anbieten.

Welche Angebote sind das?
Lobe: Sport war ganz vorne als ein Wunsch. Deswegen haben wir mit den Schwimm- und Sportfreunden Bonn (SSF) gesprochen und uns einen Fitnesslehrer vermitteln lassen, der zweimal in der Woche Sportkurse für Mädchen und Jungs anbietet. Bezahlt wird das hauptsächlich vom Verein Sterntaler Bonn. Zusätzlich bieten wir zwei Tanzkurse an, die ebenfalls über Sterntaler Bonn finanziert werden. Geleitet werden die Kurse durch ältere Besucher aus dem Haus, die auf diesem Wege eingebunden werden. Backen, Kochen und Basteln haben wir jetzt fest im Programm. Zudem haben wir eine zusätzliche Hausaufgabenbetreuung eingerichtet, zeitlich versetzt zum Schülercafé, an denen auch die Schüler der weiterführenden Schulen teilnehmen können.

Ein anderer Wunsch, der von den Nutzern des Flax geäußert wurde, war der nach längeren Öffnungszeiten ...
Lobe: Dem haben wir auch entsprochen. Wir können zwar nicht an allen Tagen bis 22 Uhr öffnen. Das können wir einfach personell nicht stemmen. Wir haben aber an drei Tagen in der Woche die Zeiten von 18 auf 19 Uhr erweitert.

Auch mehr Farbe und Pflanzen haben sich die Jugendlichen gewünscht. Was hat sich im Haus getan?
Lobe: Geplant ist, dass wir in den Herbstferien an der Außenfassade etwas machen. Das ist dringend nötig. Auch innen wollen wir die Räume streichen, zuerst auf der unteren Etage - mal schauen, wie weit wir kommen.

Wie erleben Sie die Arbeit mit den Jugendlichen, die das Flax nutzen?
Lobe: So wie ich das erlebt habe, sind einige Besucher des Flax von vorher geblieben. Wir haben aber viele neue dazubekommen. Die Besucherschaft ist sehr bunt; uns besuchen Kinder und Jugendliche aus vielen Herkunftsländern, im Moment auch syrische Flüchtlinge. Die möchten wir noch stärker in die Arbeit einbinden. Ich bin da guter Dinge, unter anderem durch die Hilfe unserer neuen Praktikantin, die marokkanische Wurzeln hat. Außerdem haben wir einen syrischen Lehrer, der bei uns ein Praktikum macht. Ich glaube, dass beide uns gute Brücken bauen können.

Wer nutzt das Flax?
Lobe: Altersmäßig sind die Besucher bunt gemischt, von sechs bis Mitte zwanzig ist alles dabei. Wir haben viele Nutzer im Grundschulalter, aber auch zunehmend von den weiterführenden Schulen. Es gibt Tage, da laufen hier schon rund 50 Besucher durch.

Im Gebäude und auf dem Außengelände ist im Moment auch noch die Kita Ringstraße untergebracht. Wie funktioniert beides zusammen?
Lobe: Das läuft sehr gut. Wir hatten mit der Kita Ringstraße und dem Familienzentrum Am Stadion gerade erst einen gemeinsamen Tag der offenen Tür. Ich sehe kein Problem darin, dass Gelände zu teilen. Wir haben uns auch auf die Suche nach neuen Plätzen gemacht und ganz aktuell eine Patenschaft für den Spielplatz an der Limpericher Straße übernommen.

Was ist Ihre Vision für das Flax?
Lobe: Ich habe die Vision, dass wir uns noch stärker vernetzen mit allen Einrichtungen und Vereinen vor Ort, mit den Schulen, den Sportvereinen aber auch anderen Trägern, die hier arbeiten. Besonders wichtig ist mir die Kooperation mit den Schulen. Des Weiteren bin auf der Suche nach Sponsoren, um weitere Projekte zu initiieren.

Zur Person

René Lobe ist 47 Jahre alt. Er hat als Gärtner und Polizist gearbeitet. Danach war er als Sozialarbeiter in Tannenbusch und auf dem Brüser Berg. Zuletzt hat er 15 Jahre lang in Auerberg gearbeitet und war dort Jugendleiter der Lukaskirchengemeinde. Er wohnt in Tannenbusch.