Musikalischer Tausendsassa

Wie ein Bonner Lehrer Querbeat inspiriert hat

Andreas Berger nennt sich selbst Trompeter, kann aber vielen verschiedenen Instrumenten klingende Töne entlocken.

Andreas Berger nennt sich selbst Trompeter, kann aber vielen verschiedenen Instrumenten klingende Töne entlocken.

Beuel. Als Lehrer hat Andreas Berger am Kardinal-Frings-Gymnasium die Musiker von Querbeat inspiriert. Im Ruhestand will er nun in Kindergärten unterrichten.

Der Wecker klingelt weiterhin früh morgens. „Aber eigentlich brauche ich ihn gar nicht“, sagt Andreas Berger und lacht. Zwar ist „seine Schulzeit“ mit Beginn der Sommerferien endgültig vorbei, vom ruhigen Pensionärsleben ist der 65-jährige Pädagoge dennoch meilenweit entfernt. „Mein Leben war und ist die Musik“, sagt er. „Und um die Musik am Kardinal-Frings-Gymnasium werde ich mich auch in Zukunft weiter kümmern.“

Mit seinem Namen sind Rhythmus und Taktgefühl verbunden: Ob Blasorchester, Kammerchor oder Bands wie „Druckluft“, „Knallblech“, „Lemon Dust“ und nicht zu vergessen „Querbeat“ – ohne Andreas Berger gäbe es die erfolgreichen Formationen wohl nicht. Denn er hat unzählige Schüler an Instrumente herangeführt und in ihnen vor allem die Liebe zur Musik geweckt.

Und noch eine Zahl ist am Ende seiner Lehrerkarriere beeindruckend: Heute gibt es am Kardinal-Frings-Gymnasium neun verschiedene Orchester, allein im Blasorchester spielen mehr als 100 Musiker. „Nicht nur Schüler“, betont Berger. „Auch Ehemalige und Eltern gehören dazu.“

Berger ist ein musikalischer Tausendsassa. Er bezeichnet sich selbst als Trompeter, beherrscht jedoch auch andere Instrumente. „Klavier ist wichtig. Man muss jedes Instrument begleiten können“, sagt er. 1964 gehörte er zu den ersten Schülern des neuen Gymnasiums im rechtsrheinischen Bonn, 1973 zum ersten Abiturientenjahrgang.

Rückkehr zu seiner alten Schule 1982

Der Abschied dauerte allerdings nicht lange. Bereits 1982 kehrte Berger als Musik- und Sportlehrer an seine alte Schule zurück, um – wie ihn der damalige Schulleiter Arnd Zimmermann bat – „musikalisch etwas aufzubauen“.

Mit Unterstützung des Fördervereins wurde der erste Instrumentenfundus geschaffen, mittlerweile gehören allein drei Flügel zur Ausstattung. Zur besonderen Musikförderung gehört auch, dass jeder interessierte Schüler Einzelunterricht bekommt. „Damit erreichen wir Nachhaltigkeit, und die Abhängigkeit von starken oder schwachen Jahrgängen reduziert sich. Wir haben somit eine Musikschule in der Schule aufgebaut. Dieses Prinzip ist bis heute geblieben“, sagt der 65-Jährige.

„Ich habe nicht selten die Kinder meiner ehemaligen Schüler in der Klasse gehabt“, meint er und schmunzelt. Und – darüber ist der pensionierte Pädagoge sehr froh – durch die Rückkehr zu G 9 haben Schüler wieder mehr Zeit für Sport und Musik abseits des Schulalltages. Angefangen hat Berger als Zehnjähriger mit einer Landsknechttrommel bei den Beueler Stadtsoldaten. „Da habe ich Rhythmusgefühl bekommen. Ich habe zu jener Zeit zwar Klavierunterricht gehabt, wollte aber nicht üben und bin so bei der Trompete gelandet. Mit Karl Büchel hatte ich einen guten Lehrer. Ich erkannte schnell, dass das mein Instrument ist.“

Kirchenmusik ist "Teil unserer Kultur"

Kirchenmusik ist ihm ebenfalls wichtig. „Das ist ein Teil unserer Kultur, den man intensiv pflegen muss“, wünscht er sich. Zum Beethovenjubiläum wird er gemeinsam mit dem Kirchenchor von St. Josef die C-Dur-Messe von Beethoven aufführen.

Jetzt, als pensionierter Lehrer, will er sein Augenmerk vor allem auf Kinder im Vorschulalter legen. „Ich möchte sie frühzeitig für Musik begeistern und sie dort abholen, wo sie stehen“, sagt Berger. Gemeinsam mit dem Beueler Musikverein wird er in Kindergärten gehen und dort kleine Konzerte geben. Mit „Peter und der Wolf“ oder „Karneval der Tiere“ sollen die Kleinsten für die Schönheit der Musik empfänglich werden. Mehr Zeit wird er jetzt zudem für seine zweite Leidenschaft, die Salonmusik der 20er und 30er Jahre, haben.

„Musik bringt die Seele zum Schwingen, sie kann trösten und über vieles hinweghelfen“, lautet sein Credo. Zudem fördere das gemeinsame Musizieren soziale Kompetenzen. „Auch diejenigen, die in anderen Schulfächern Probleme haben, erfahren in einem Orchester Anerkennung und Erfolg. Denn der Applaus ist schließlich für alle da“, ist er überzeugt. Daher zitiert er gerne den Denker Friedrich Nietzsche (1844-1900): „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“, sagte der einmal. Von dieser Aussage ist Vollblutmusiker Andreas Berger absolut überzeugt.