Sprache

Wie Jiddisch das Bönnsche prägte

Gabriele Wasser, ihr Mann Eli Harnik und die Geschäftsführerin des Heimat- und Geschichtsvereins Beuel am Rhein, Gertrude Jöbsch.

Gabriele Wasser, ihr Mann Eli Harnik und die Geschäftsführerin des Heimat- und Geschichtsvereins Beuel am Rhein, Gertrude Jöbsch.

Beuel. Der Vortrag „Zores mit Mischpoke und Maloche“ zeigte wie viele Begriffe aus dem Jiddischen in die rheinische Sprache mit eingeflossen sind.

Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Scheune des Heimatmuseums in Beuel am Donnerstagabend. In einem informativen Vortrag führte Gabriele Wasser ihre Zuhörer ein in die Geschichte des Jiddischen und seinem Einfluss auf rheinische Sprachen. Unter dem Titel „Zores mit Mischpoke und Maloche“ hatte der Heimat- und Geschichtsverein Beuel am Rhein die ehemalige Leiterin des Kleinen Jüdischen Museums eingeladen die Einflüsse des Jiddischen auf die deutsche und bönnsche Sprache zu zeigen. Auch wenn sie nicht immer auffallen, sind über 1000 Wörter dem Jiddischen entlehnt, erzählt Wasser zur Eröffnung. Auch wenn sich Wasser vor allem mit der jüdischen Geschichte im Rheinland beschäftigt, hat es ihr auch die Sprache als ein Teil der Geschichte angetan.

Zeitgleich zum Mittelhochdeutschen entwickelte sich unter den Juden eine eigene Sprache. Im 16. Jahrhundert erhielt diese den Namen Judendeutsch, der sich mit der Zeit zum heutigen Begriff Jiddisch wandelte. Jiddisch ist eine Sprache ohne Land, die nahezu überall gesprochen wird. Charakteristisch ist die Schreibweise in hebräischen Buchstaben von rechts nach links. Ihre Entwicklung hing über die Jahrhunderte eng mit der rechtlichen Lage der Juden zusammen.

So begünstigten Zeiten der Isolation, wie zum Beispiel die Ghettos im 17. Jahrhundert, die Mehrsprachigkeit der Juden aber auch eine eigene. Nachdem diese Mundart sich vereinheitlichte, entstand in der Moderne auch eine eigene jiddische Literatur. Einige Werke sind bis heute bedeutsam und bekannt so zum Beispiel„Tewje der Milchmann“ von Scholem Alechjem, das die Vorlage für das Musical „Anatevka“ (Originaltitel: „Fiddler on the Roof“) lieferte.

In den verschiedenen Regionen entwickelten sich mit der Zeit jiddische Sondersprachen, die durch lokale Mundart beeinflusst wurden aber im Gegenzug diese auch mitbeeinflussten. Für das Rheinland ist diese Entwicklung eine abgeschlossene Geschichte, die aber trotzdem aktuell bleibt durch die vielen Begriffe, die noch heute genutzt werden. Über das Dienstpersonal, Börsenhändler, Wanderhändler und Viehhändler fanden jiddische Wörter ihren Weg ins Deutsche. Dort wurden sie dann häufig umgedeutet. Beispiele wären „Bammel“, das vom jiddischen „baal emoh“ (zu Deutsch furchtsamer Mann) abstammt, oder aber der „Bohei“ der auf das jiddische Wort für Lärm „paihe“ zurückgeht.

In der langen Liste von Beispielbegriffen fanden sich auch die Zuhörer wieder und erkannten Wörter, die sie selber häufig nutzen. Auch aus dem Bönnschen hatte Wasser ein Wort mitgebracht: Der Begriff „Schruze“ für eine schlechte Kundin entstammt wie viele andere Wörter ebenfalls aus dem Jiddischen.