Vortrag von Beueler Arzt

Welche Qualität hat das Bonner Leitungswasser?

Übermäßige Wasserkosten müssen Mieter nicht zahlen, wenn der Verbrauch wegen eines Mangels zustande gekommen ist.

Kann laut Arzt Detlef Jobst bedenkenlos getrunken werden: Leitungswasser in Bonn.

Beuel. Bei einem Informationsabend der Beueler Grünen hielt der Allgemeinmediziner Detlev Jobst einen Vortrag über die Gesundheit aus der Leitung und erläuterte, ob man das Bonner Leitungswasser bedenkenlos trinken kann.

„Kann ich das Leitungswasser in Bonn jeden Tag ohne Bedenken trinken?“, wollte ein Bürger beim Informationsabend der Beueler Grünen im Odeon Bistro Momo über das Trinkwasser in der Stadt wissen.

„Ja, auf jeden Fall. Unser Trinkwasser hat eine gute Qualität“, lautete die Antwort von Professor Dr. Detlev Jobst, der über das Thema mithilfe von Bildern und Tabellen referierte. Jobst ist stellvertretender Direktor am Institut für Hausarztmedizin der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn und Delegierter der Beueler Grünen für die Verbandsversammlung Wahnbachtalsperre.

800.000 Menschen werden über das 230 Kilometer lange Leitungsnetz versorgt. Die Nitratwerte, so Jobst, lägen weit unter dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter (mg/l). Im Versorgungsbereich I, zu dem auch Beuel gehört, betrage der Wert um 18 mg/l, im Bereich II (Bonn, Hardtberg) um 12 mg/l.

Wenig Medikamenten-Rückstände

Genaue Kontrollen des Trinkwassers hätten auch ergeben, dass die in letzter Zeit verstärkt thematisierten Rückstände von Medikamenten in Trinkwasser „kaum messbar“ seien. Selbst die Rückstände häufig benutzter Medikamente wie Blutdrucksenker, seien so gering, dass von ihnen keinerlei Gefahr ausgehe. Gleichwohl müsse man das Thema nach dem Motto „Wehret den Anfängen“ im Auge behalten.

Für nicht unbedenklich hält der Allgemeinmediziner allerdings das Kontrastmittel Gadolinium, das bei der Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt wird und mit dem Urin der Patienten ins Abwasser gelangt. „Man sollte nicht immer direkt mit dem MRT kommen. Hier rate ich zu mehr Zurückhaltung“, so Jobst.

"Water Safety"-Plan

Ausführlich informierte er auch über wassergängige coliforme Keime und Viren. Schon bei kleinsten Hinweisen würde eine große Maschinerie in Gang gesetzt. „Letztes Jahr wurde zum Beispiel ein ungefährlicher Keim im Schlammrückstand eines Hochbehälters festgestellt. Nun werden die Hochbehälter im noch schnelleren Rhythmus gereinigt.“

Nach Aufforderung des Kreis-Gesundheitsamts will sich die Verbandsversammlung Wahnbachtalsperre nun auch mithilfe eines „Water Safety“-Plans gegen drohende Verunreinigungen durch Starkregen wappnen. Jobst: „Ich möchte beruhigen und entängstigen, ohne zu bagatellisieren.“ Der 64-Jährige ist einer der Väter der Grünen, nahm an der Gründungsversammlung der Partei für Westdeutschland 1980 in Karlsruhe teil.