Denkmäler in Beuel

Wallfahrt zur Wunder-Quelle in Pützchen

Organisieren auch die Messe auf Pützchens Markt: Martha Weber (l.) und Lilo Patt-Krahe.

Organisieren auch die Messe auf Pützchens Markt: Martha Weber (l.) und Lilo Patt-Krahe.

Pützchen. Genau genommen geht es diesmal in unserer Serie gleich um drei Denkmäler: um das Leben vor den Klostermauern zwischen dem Brünnchen, der Wallfahrtskapelle und der Wallfahrtskirche - allesamt Baudenkmäler im Ortsteil Pützchen.

Sollte es jemanden geben, der nicht weiß, woher das Wort "Pützchen" kommt, dann sei es hier gleich zur Aufklärung vorweggenommen: Pützchen ist abgeleitet vom lateinischen Wort "puteus", der Brunnen. Pützchen ist also ein kleiner Brunnen oder eine Quelle, zumindest im rheinländischen Sprachgebrauch.

Das Brünnchen, das dem Ortsteil seinen Namen gab, ist auf die heilige Adelheid zurückzuführen, die zur ersten Äbtissin des Stifts Vilich berufen wurde. Der Sage nach stieß Adelheid während einer Bittprozession - es herrschte zu jener Zeit eine große Dürre und Hungersnot im Rheinland - ihren Äbtissinnenstab auf freiem Feld in die Erde und bat um göttliche Hilfe. Und das Wunder geschah: An dieser Stelle entsprang eine Quelle, ein Pützchen.

Da diesem Wasser Wunderheilungen zugeschrieben wurden, entwickelte sich der Ort zu einem beliebten Ziel für Wallfahrer. Es war und ist alaunhaltig. Alaun wurde früher zur Blutstillung oder zum Verschluss offener, nässender Wunden eingesetzt. Wann die Pilger erstmals zum Brünnchen gezogen sind, lässt sich, wie Ignaz Schmitz-Reinhard in seinem Buch "Pützchens Markt" vermerkt, nicht mehr genau belegen.

Für ihn steht jedoch fest, "dass Pützchen schon um die Mitte des 14. Jahrhunderts als Wallfahrtsort bekannt war und besucht wurde". Vermutlich während des 30-jährigen Krieges, als die Vilicher Stiftskirche zerstört wurde und die Reliquien der heiligen Adelheid in Vilich geraubt worden waren, zog es die Pilger nach Pützchen zur Adelheidis-Wallfahrt.

Neben der Quelle wurde eine Kapelle errichtet, die von Eremiten betreut wurde. Die Jahreszahl 1769 im Giebel des Gebäudes gibt offenbar nicht das Erbauungsjahr an, da diese Kapelle bereits 1679 bezeugt ist. Auf Grund der vielen Pilger wurde die Kapelle 1688 den Karmelitern übertragen, die sogleich mit dem Bau einer Kirche und eines Klosters begannen. 1706 war der Konvent-Bau, 1724 die Kirche fertiggestellt. Zweimal ist die Kirche niedergebrannt: 1887 bei einem Brand im Kloster und 1942 bei einem Bombenangriff.

Im Jahr 1684 wurde der St.-Adelheid-Brunnen zu einem quadratischen, drei Meter tiefen Becken umgebaut. Die Ortsbewohner holten sich dort ihr Trink- und Brauchwasser. Das neu errichtete Steinkreuz trug die Initialen "HIWCP 1684", was auf den Landesherren Pfalzgraf Johann Wilhelm als Erbauer hinweist. 1989 erfolgte eine grundlegende Restaurierung.

Die Karmeliter waren es auch, die die Wallfahrt vom 5. Februar, dem Todestag von Adelheid, auf den 8. September, dem Fest von Mariä Geburt, verlegt hatten. Die volkreichste Prozession, die alljährlich nach Pützchen zog, war die Kölner Prozession. Man ist geneigt zu sagen, das ist wie heute, denn "Pützchens Markt" ist die bestbesuchte Kirmes im Großraum Köln.

Am letzten Wochenende im August findet am Brünnchen die traditionelle Brunnenweihe statt, der Auftakt für die Wallfahrt. "Vor bald 100 Jahren wurde die Wallfahrt aufgrund der Mengen an Besuchern vom Termin von Pützchens Markt abgetrennt", erklärt Lilo Patt-Krahe, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates. Martha Weber ist die Vorsitzende des Arbeitskreises Wallfahrt. Sie organisiert die große Wallfahrtsoktav.

Diese beginnt samstags mit der Brunnenweihe, dauert eine Woche und endet Sonntagabend mit einer Lichterprozession. Jeden Tag gibt es Programm. Hier gilt der Satz "nach der Wallfahrt ist vor der Wallfahrt", denn die Vorbereitung dauere ein Jahr, berichtet sie. "Für viele Pützchens Markt-Besucher ist es eine Tradition, zuerst ans Brünnchen und in die Kirche oder Kapelle zu gehen", sagt Patt-Krahe. Somit bleibt die Verbindung zwischen Wallfahrt und Kirmes weiterhin bestehen: "Wir sind es auch, die am Marktsonntag zusammen mit dem Schaustellerseelsorger zur Messe ins Bayernzelt einladen."