Theater in Beuel

Vor 30 Jahren wurde die Halle Beuel als Spielstätte eröffnet

Bereits Anfang der 80er Jahre wurde das Gelände der ehemaligen Jutespinnerei an der Siegburger Straße von den Bühnenbildnern des Bonner Theaters genutzt. ARCHIVFOTO: HEINZ ENGELS

Bereits Anfang der 80er Jahre wurde das Gelände der ehemaligen Jutespinnerei an der Siegburger Straße von den Bühnenbildnern des Bonner Theaters genutzt.

BEUEL. Begeistert zeigte sich das Publikum vor 30 Jahren von der neuen Bühne. Und das, obwohl die Umbauten noch in vollem Gange waren. Gespielt wurde Karl Kraus' "Die letzten Tage der Menschheit".

Als am 5. Oktober 1984 die Halle Beuel als Theaterspielstätte in Betrieb genommen wurde, musste das Publikum auf ein Foyer verzichten und mit Toilettenwagen vorliebnehmen. Trotzdem kam die neue Beueler Bühne in der alten Jutefabrik an der Siegburger Straße bei den Theaterbesuchern gut an.

Dabei sei die Halle zunächst nur als provisorische Spielstätte gedacht gewesen, sagt Jan Schulze, Produktions- und Werkstättenleiter des Bonner Theaters. 1980 hatte die Stadt das Gelände übernommen, auf dem Ende des 18. Jahrhunderts die erste juteverarbeitende Fabrik Deutschlands entstanden war. Sie beschäftigte zeitweise über 1000 Mitarbeiter. Das Gelände mit den imposanten Backsteingebäuden beherbergte auch Werkswohnungen, Kantine und Kindergarten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion eingestellt, das Areal von Dynamit Nobel übernommen und schließlich zu einer Fabrik für Bodenbeläge umgestaltet. Die Stadt baute es dann bis 1983 zu den noch heute dort ansässigen Theaterwerkstätten um. Bereits 1982 gab es die ersten Proben im sogenannten "Alten Malersaal".

Doch es war ein Brand, der im Frühjahr 1984 dafür sorgte, dass das Opernhaus vorübergehend geschlossen werden musste. So wurde die ehemalige Lagerhalle im Beueler Osten auf die Schnelle zur Spielstätte umfunktioniert und im Sommer 1984 begann der Umbau. Der sollte allerdings auch nach der ersten Vorstellung im Oktober 1984 noch rund fünf Jahre dauern.

Erobert hatten die Schauspieler das Areal allerdings schon einen Monat zuvor. Mit rund 6000 Gästen weihten sie am 3. September beim Theaterfest die neuen Werkstätten ein und feierten das 125. Jubiläum des Bonner Stadttheaters. In einem Festzug war die bunte Schar von der anderen Rheinseite in Richtung Beueler Osten aufgebrochen.

Dort sorgte der amerikanischer Clown Jango Edwards für Stimmung. Auf Interesse stieß offenbar auch eine Talkrunde mit Fernsehjournalist Ulrich Wickert, der mit Politikern und Kulturexperten über Sinn und Unsinn einer neuen Beueler Bühne diskutierte. Die Theaterfans hätten sich umgewöhnen müssen, schreibt der GA. Waren sie doch bisher die gediegene Atmosphäre des großen Saals im linksrheinischen Stadttheater gewöhnt.

Noch heute werden in der ehemaligen Jutespinnerei die Bühnenbilder für das Theater Bonn gebaut. 25 feste Mitarbeiter arbeiten dort, gerade zum Beispiel an einer riesigen, die gesamte Bühne bedeckenden Plane für eine Koproduktion, die sowohl an der English National Opera in London als auch in Bonn zu sehen sein wird.

Dass die Spielstätte im Zuge der Sparbemühungen der Stadt eines Tages wieder geschlossen werden könnten, glaubt Schulze nicht. "Die Werkstätten können schließlich nicht zugemacht werden und die Halle auch als Spielstätte zu nutzen verursacht kaum zusätzliche Kosten."

Im GA-Bericht vom Samstag, 6. Oktober 1984, also dem Tag nach der offiziellen Premiere, wird vor allem die Wandelbarkeit der neuen Spielstätte gelobt. Gerade für experimentelle, moderne Aufführungen sei die 40 Meter lange, 25 Meter breite und sechs Meter hohe Halle besonders geeignet, in der Zuschauertribüne und Spielpodeste frei verschiebbar sind. Diese Formbarkeit und das industrielle Ambiente der einstigen Jutefabrik begeistern auch heute noch.

Theatraler Kongress "Save the World"

Seit Freitag findet auf dem Gelände an der Halle Beuel unter dem Motto "Save the World" ein theatraler Kongress des Theaters Bonn in Zusammenarbeit mit dem Beethovenfest statt. Ist die Welt noch zu retten? Mit dieser Frage beschäftigen sich verschiedene Veranstaltungen noch bis morgen. Herzstück des Kongresses ist heute und morgen ein Parcours mit sechs Stationen auf dem ehemaligen Fabrikgelände, die jeweils von einem Experten-Künstler-Team gestaltet wurden und bei dem sich die Werkstätte für das Publikum öffnen.

Von der Schreinerei bis zum Kulissenlager gewähren sie einen Einblick und überraschen mit einem neuen Zugang zu komplexen Themen wie Klimawandel, Landraub, Hunger, Katastrophen und grenzenloser Profitgier. Weitere Höhepunkte des Kongresses sind Anna Mendelssohns Ein-Frau-Klimakonferenz "Cry me a river", ein Konzert von Alin Coen und der Science Slam "Apokalypse now?" .

Info

Programm und weitere Infos unter www.theater-bonn.de