Ein Zeichen für Europa

Von Bonn nach Mirecourt in 16 Stunden

Radfahrer Mödinger und Kollegen

Radfahrer Mödinger und Kollegen

Beuel. Frank Mödinger und Michael Blasczyk fahren mit ihren Rennrädern von Beuel nach Mirecourt - und wollen die Strecke in einem Tag zurücklegen. „Für uns ist die Tour eine Herausforderung, aber keine Strapaze", meinen sie.

Sie sind beide sportlich, fahren fast täglich mit dem Rennrad von Beuel zur Arbeit nach Brühl, lieben Frankreich und wollen ein Zeichen für Städtepartnerschaften und den Zusammenhalt in Europa setzen. Deshalb haben sich Michael Blasczyk aus Neu-Vilich und Frank Mödinger aus Küdinghoven entschieden, am 22. Juni mit ihren Velos in die Partnerstadt von Beuel zu fahren. Und weil Mirecourt eine kleine Stadt in den Vogesen ist, ist das Streckenprofil mit 4000 Höhenmetern anstrengend und die Route weit.

Autos benötigen fast 400 Kilometer, um Mirecourt zu erreichen. Mit dem Fahrrad ist die Strecke auch nicht viel kürzer. Die Entfernung kann ein Alltagssportler vielleicht in drei Tagesetappen zurücklegen. Mödinger und Blasczyk wollen ihre ganz persönliche „Tour de Mirecourt“ in 16 Stunden schaffen – vorausgesetzt, es ereignen sich keine Pannen.

„Wir haben uns nicht die kürzeste Route ausgesucht. Die ist zwar nur 345 Kilometer lang, führt aber durch alle Städte mittendurch. Unsere Strecke misst 362 Kilometer und macht einen Bogen um die urbanen Zonen“, erklärte Michael Blasczyk. Um diese Herausforderung meistern zu können, peilen die Radsportler einen Stundenschnitt von etwa 30 Kilometern an. „Bei unseren Planungen haben wir natürlich auch Pausen für Verpflegung berücksichtigt“, ergänzte Frank Mödinger.

Ein Zeichen gegen die Europa-Müdigkeit

Und warum tun die beiden sich das an? Dazu Blasczyk: „Für uns ist die Tour eine Herausforderung, aber keine Strapaze. Wir lieben Radfahren, weil man dabei seine Umgebung ganz anders erfährt, man umweltfreundlich unterwegs ist und auch noch etwas für die persönliche Gesundheit unternimmt.“ Beide wollen mit ihrer Aktion ein Zeichen dafür setzen, dass das Fahrrad auch ein Verkehrsmittel für weite Strecken ist. „Und zudem wollen wir auch gegen die Europa-Müdigkeit demonstrieren. Die Entwicklungen der jüngsten Zeit in Europa und das schwindende Miteinander beunruhigen uns doch sehr“, sagte Mödinger.

Und es gibt für die beiden noch zwei Gründe, in die Pedalen zu treten: Ihr Arbeitgeber, der französische Autobauer Renault, feiert in diesem Jahr sein 120-jähriges Firmenbestehen. Und die Städtepartnerschaft zwischen Beuel und Mirecourt bereitet sich auf ihr 50-jähriges Bestehen im Jahr 2019 vor. „Das haben wir im General-Anzeiger gelesen“, sagten beide, die bislang noch nicht in Mirecourt waren.

Täglich von Beuel nach Brühl und zurück

Nahezu täglich fahren Mödinger und Blasczyk zusammen von Beuel nach Brühl und zurück, egal ob es regnet oder schneit. Das macht 54 Kilometer mit dem Rad. Reicht das Training aus? „Ja, das könnte ausreichen, aber wir fahren natürlich auch privat an Wochenenden. Und diese Touren können auch schon mal bis zu 200 Kilometer lang sein“, so Blasczyk. Seine Vita verrät allerdings, dass der 53-Jährige ein erfolgreicher Sportler ist. Drei Weltmeistertitel in seiner Altersklasse hat er bereits gesammelt, und er hält auch den deutschen Stundenrekord in seiner Altersklasse: 46,8 Kilometer in 60 Minuten. Blasczyk fährt im Trikot der Stadtwerke Troisdorf, Mödinger startet für den Radsportclub Sturmvogel Bonn.

Ist Bonn eine fahrradfreundliche Stadt? Beide zögerten mit den Antworten. „Die Stadt Bonn macht es sich zu einfach und legt fast nur noch Radschutzstreifen auf den Fahrbahnen an. Die sind zwar preiswerter als Radwege, aber auch deutlich unsicherer für Radfahrer, weil der Sicherheitsabstand von den Autofahrern zu selten eingehalten wird.“ Und Mödinger ergänzte: „Viele Fahrradrouten sind auch von der Fahrbahnoberfläche in einem schlechten Zustand.“ Beide Aspekte führen nach ihrer Ansicht zu unschönen Begegnungen zwischen Auto- und Radfahrern. Fingergesten und Zurufe seien an der Tagesordnung, weshalb man sich als Radfahrer wie „Freiwild auf der Straße“ fühle. „Deshalb appellieren wir an Politik und Verwaltung, etwas fürs Kleinklima auf der Straße zu tun“, sagte Blasczyk.