Neuer Bischof von Mainz

Vom Lehrer in Beuel zum Bischof

Wird Bischof in Mainz: Peter Kohlgraf.

Wird Bischof in Mainz: Peter Kohlgraf.

Bonn. Der Theologie-Professor Peter Kohlgraf wird neuer Bischof in Mainz. Viele Bonner kennen ihn zum Beispiel aus seiner Zeit als Schulseelsorger und Religionslehrer am Beueler Kardinal-Frings-Gymnasium.

Partenheim ist ein hübsches, verschlafenes Dorf im Rheinhessischen. Rund 1600 Einwohner, ein paar Weingüter, ein Dutzend Vereine. Die katholische Kirche ist nur eine kleine Kapelle, weil die Gegend seit der Reformation protestantisch geprägt ist. Was Partenheim von anderen Provinznestern in Deutschland unterscheidet, ist die Tatsache, dass der Ortsteil von Wörrstadt derzeit Wohnsitz eines designierten Bischofs ist. In einem kleinen Haus mitten im Dorf wohnt bis zu seinem Umzug nach Mainz Professor Dr. Peter Kohlgraf, der Mittwochmittag als Nachfolger von Kardinal Karl Lehmann vorgestellt wurde.

Der designierte Mainzer Bischof wird nach seiner Weihe der 88. Nachfolger des heiligen Bonifatius und jüngste Diözesanbischof Deutschlands sein. Viele Namen waren nach dem Rücktritt Lehmanns im Gespräch, aber den 50-jährigen Pastoraltheologen und Pfarrvikar von Wörrstadt hatte selbst in Kirchenkreisen keiner auf der Rechnung.

Viele Bonner kennen ihn. Kohlgraf, der in Köln als Sohn eines Maurers und einer Krankenschwester geboren wurde, studierte in Bonn und Salzburg. Nach seiner Priesterweihe 1993 im Kölner Dom und drei Kaplansjahren in Euskirchen ging er als Subsidiar nach Rhöndorf. Während er bei Professor Ernst Dassmann an seiner Dissertation arbeitete, wurde Kohlgraf 1999 Schulseelsorger und Religionslehrer am Beueler Kardinal-Frings-Gymnasium.

Der damalige Schulleiter Karl-Ludwig Wimberger erinnert sich gern. „Die Schüler haben sehr schnell gemerkt, der ist authentisch, mit dem kann man diskutieren.“ Kohlgraf sei immer für die Jugendlichen da gewesen und könne die kompliziertesten Dinge für jedes Alter verständlich darstellen. Seine Beliebtheit wirkt bis heute nach: Immer wieder bekommt er Anfragen ehemaliger Schüler, sie zu trauen.

Sechs Jahre lang war Kohlgraf stellvertretender Direktor am Collegium Albertinum in Bonn, bevor er 2009 als Schulseelsorger nach Neuss ging. Nach seiner Habilitation und Dozententätigkeit an der Uni Münster wurde er 2012 auf die Professur für Pastoraltheologie an der Katholischen Hochschule Mainz berufen.

Leben was man verkündet

Alles deutete auf eine glänzende wissenschaftliche Laufbahn hin. Um so mehr fiel der Theologe aus allen Wolken, als er erfuhr, dass das Mainzer Domkapitel ihn aus den drei von Papst Franziskus benannten Kandidaten ausgewählt hat. Noch vor wenigen Wochen hatte Peter Kohlgraf in Wörrstadt seinen 50. Geburtstag gefeiert. Der Pfarrsaal platzte aus allen Nähten, so viele Gemeindemitglieder waren gekommen, um ihrem Pfarrvikar zu gratulieren und ihr Geschenk zu überreichen: Geld für ein neues Saxophon, das der Musikliebhaber ebenso exzellent spielt wie Orgel und Klavier.

„Mit zitternden Knien“ trete er in die großen Fußstapfen seiner Vorgänger, so Kohlgraf in einer ersten Reaktion auf die Ernennung. Der zukünftige Mainzer Bischof ist kein Mann großer Gesten, sein Auftreten ist ruhig und sachlich, aber bestimmt in der Sache. Wer Peter Kohlgraf kennt, weiß seine Offenheit und seinen trockenen Humor zu schätzen.

Wie Papst Franziskus betont er in seinen zahlreichen Publikationen die Mündigkeit des einzelnen Christen und die dienende Funktion der Kirche, die nur glaubwürdig sein könne, wenn „ihre Boten selbst das leben, was sie verkünden“. Als einer, dem Wissenschaft und Seelsorge gleichermaßen am Herzen liegen, sollte er für das Bischofsamt gut gerüstet sein. Als Kölner für Mainz sowieso: „Vor Fassenacht und Fußball ist mir grundsätzlich nicht bange!“