Interview mit Gewerbe-Gemeinschafts-Chef Paul Ahrens

Viele Ideen für das Beueler Bahnhofsviertel

BEUEL. Zukunft der Beueler City: Gewerbe-Gemeinschafts-Chef Paul Ahrens fordert eine Parkraumbewirtschaftung.

Nachdem Bund und Land für Beuel so viele wichtige Entscheidungen - wie zum Beispiel die Verlängerung der Schnellbahnlinie 13 von Troisdorf nach Oberkassel und den Anschluss der Maarstraße an die Autobahn 59 - getroffen haben, will nun auch die Stadt Bonn zukunftsweisende Schritte zur Verbesserung der städtebaulichen und verkehrlichen Situation im rechtsrheinischen Stadtbezirk anpacken.

So soll am DB-Bahnhof ein Busbahnhof gebaut werden sowie der nördliche Teil der Königswinterer Straße und nahezu die gesamte Friedrich-Breuer-Straße neu gestaltet werden. Welche Wünsche und Anregungen die Gewerbe-Gemeinschaft Beuel (GGB) für diese Neuausrichtung hat, darüber sprach Holger Willcke mit dem GGB-Vorsitzenden Paul Ahrens.

Was versprechen Sie sich von der S13 und dem Maarstraßenanschluss?
Paul Ahrens: Beide Projekte können auf unterschiedliche Art und Weise dazu beitragen, das Verkehrsaufkommen in Beuel zu entzerren. Die S 13 ermöglicht Beuel einen zusätzlichen und schnellen Anschluss an den Flughafen KölnBonn und liefert endlich den Lärmschutz am Bahngleis, auf den viele Beueler so lange gewartet haben. Der neue Autobahnanschluss an der Maarstraße wird nicht nur den Verkehr im Gewerbegebiet Beuel-Ost besser verteilen helfen, sondern auch die nähere Umgebung wird Entlastung verspüren. Die GGB hat beide Projekte über Jahre gefordert und freut sich deshalb auf die Umsetzung.

Nun will die Stadt Bonn die Verkehrsströme östlich des Bahnhofs neu strukturieren. Wie bewerten Sie die Pläne?
Ahrens: An der verkehrsreichen Kreuzung Königswinterer Straße/Siegburger Straße einen Kreisverkehr einzurichten, halten wir für sinnvoll und notwendig. Der Kreisel wird den Autoverkehr flüssiger fließen lassen. Die Absicht einiger Politiker, einen Busbahnhof auf dem Gelände des Güterbahnhofs einzurichten, müssen wir zunächst einmal gegen Alternativen wie zum Beispiel eine Bushaltestelle an der Königswinterer Straße oder einen Zentralen Omnibus-Bahnhof (ZOB) abwägen. Wir sind gespannt auf die verschiedenen Vorschläge und werden uns aktiv an der Umgestaltung beziehungsweise Planung beteiligen.

Die Bezirksvertretung Beuel beschäftigt sich derzeit mit drei Bürgeranträgen, die Umbauten und Umnutzungen in der Friedrich-Breuer-Straße zum Inhalt haben. Ein Antrag fordert die Umwandlung der Straße im Abschnitt zwischen Konrad-Adenauer-Platz und Doktor-Weis-Platz in eine Fußgängerzone. Wie steht die GGB dazu?
Ahrens: Ich kann mir nicht vorstellen, dass es für diese Anregung eine Mehrheit geben wird - auch nicht in der Politik. Diese Forderung ist zu extrem und würde nur andere Schwierigkeiten auslösen. Die Geschäftsleute an der Friedrich-Breuer-Straße sind auf die heutigen Kundenströme angewiesen. Viele Kunden sind Kurzzeitparker, springen mal schnell ins Geschäft und erledigen ihre Dinge.

"In Beuel fehlt es vor allem an Geschäften für Textil und Elektronik"

Also soll alles so bleiben?
Ahrens: Nein, das auf gar keinen Fall. Die Friedrich-Breuer-Straße muss wesentlich kundenfreundlicher und attraktiver gestaltet werden. Sie ist schließlich die Haupteinkaufsstraße von Beuel. Dort fehlt es sowohl an einer ausreichenden Breite der Gehwege als auch an Grünanlagen und Sitzmöglichkeiten. Passanten können nicht entspannt flanieren und auch an einer einladenden Außengastronomie mangelt es. Da muss dringend etwas passieren, um das Beueler Zentrum liebens- und lebenswerter zu machen. . .

Die Stadt denkt darüber nach, in Beuel eine Parkraumbewirtschaftung einzuführen. Was halten Sie von der Idee?
Ahrens: Das ist dringend notwendig. Wir benötigen aber auch eine Form von Parkleitsystem, weil Ortsunkundige nicht wissen, wo sie parken können. Die Bewirtschaftung des Parkraums muss auch im Combahnviertel, in der Rheinaustraße und anderen Straßen um das Zentrum herum erfolgen, damit Pendler und Dauerparker nicht weiterhin die kostenlosen Parkplätze zuparken. Anlieger müssen im Gegenzug einen Parkberechtigungsausweis erhalten.

Sorgt es Sie, dass die Nachbarkommune Königswinter ein Outlet-Center plant und in Sankt Augustin der Huma-Park aufgerüstet hat?
Ahrens: Das muss man differenziert betrachten. Ich glaube nicht, dass das Outlet-Center eine Chance auf Realisierung hat. Der Huma-Park ist allein schon deshalb Konkurrenz für uns, weil dort ein großer Elektronik-Markt die Kunden anzieht. In Beuel läuft der Handel anders ab. Hier gibt es viele inhabergeführte Geschäfte, die seit Jahren einen guten Service bieten und entsprechende Stammkundschaft haben. Nicht jeden Kunden zieht es zum Einkaufen auf die grüne Wiese und auch nicht ins Internet.

Welche Angebote fehlen in Beuel?
Ahrens: Vor allem Textil und Elektronik. Aber auch ein schönes Café, das zum Verweilen einlädt, könnten wir hier noch gut gebrauchen.

Welche Stärken hat das Beueler Zentrum?
Ahrens: Geschäfte mit guter Fachberatung sowie ein tolles Angebot im Kultur-, Sport- und Gastronomiebereich.

Haben Sie Sorgen um das Brückenforum?
Ahrens: Eindeutig ja. Es kommt immer wieder zu Leerständen, die nur schwierig neu zu vermieten sind. Sollte der Kaisers wegen des Konkurrenzdrucks in nächster Umgebung irgendwann mal aufgeben, dann wird es schwierig, weil das Brückenforum dann seinen Ankermieter verloren hätte. Derzeit unkalkulierbar ist auch die Zukunft des Saals. Man kann nicht einschätzen, ob die Stadt dauerhaft an dem Saal festhalten wird.

Wie stufen sie die neuesten Entwicklungen am Facharztzentrum neben dem Rathaus ein?
Ahrens: Die GGB hofft, dass der neue Eigentümer SwissLife das Bauvorhaben endlich zum Abschluss bringt, die Tiefgarage funktioniert und der Rathausvorplatz aufgewertet wird. Mit der Nutzung des Pavillons durch eine Baguette-Kette können wir nicht zufrieden sein. Wir hätten uns eine Gastronomie mit Außenbereich und Verweilqualität gewünscht.

Zur Person

Paul Ahrens wurde 1955 in Essen/Oldenburg geboren. Er ist verheiratet mit Annemarie Steinhauer-Ahrens. Zusammen haben sie fünf Kinder. Von Beruf ist Paul Ahrens gelernter Diplom-Agraringenieur, arbeitet aber seit vielen Jahren als Geschäftsführer im Einrichtungshaus House & Living in Beuel. Seit 2010 ist Ahrens Vorsitzender der Gewerbe-Gemeinschaft Beuel. Er löste Jürgen Harder in dieser Funktion ab.

Stellungnahme der Evonik Industries AG zu Grundstücksverkäufen

Auf Anfrage des General-Anzeigers teilte eine Sprecherin der Firma Evonik Industries AG mit, dass das Unternehmen mit Sitz in Essen wegen einer angedachten neuen Verkehrsführung im Kreuzungsbereich Königswinterer Straße/Siegburger Straße mit der Stadt Bonn bereits in Kontakt steht. 

Evonik sieht eine Änderung der bestehenden Verkehrssituation positiv, da sie die Erschließung des Standorts Beuel verbessern würde. "Wir sind daher auch grundsätzlich bereit dazu, die für die Maßnahme erforderlichen Flächen zur Verfügung zu stellen. Da die Planungen noch nicht hinreichend konkretisiert sind, liegt uns aktuell kein konkreter Grunderwerbswunsch vor ", erklärte Edda Schulze von der Abteilung Konzernpresse.

Evonik hat vor wenigen Jahren das 1891 von Bonn nach Beuel verlagerte Chemie-Werk Marquart übernommen und die Aktivitäten auf dem fünf Hektar großen Areal umstrukturiert und reduziert. Etwa 40 Mitarbeiter produzieren am Standort Beuel Mattierungsmittel zum Beispiel für Farben und Lacke.

Seit dem Jahr 2001 wurden nach und nach mehrere Gebäudeteile abgerissen: Kantine, Speisesaal, Kesselhaus, Ölschieberhütte und der Verwaltungssitz direkt an der Kreuzung. Mehr als 10.000 Quadratmeter liegen heute brach.

Auf die Frage, welche Pläne Evonik mit dem ungenutzten Teil des Geländes hat, antwortete Edda Schulze: "Die Nutzung unserer Freiflächen, auch ein möglicher Verkauf von Teilflächen, ist von einem konkreten Verkehrskonzept, das eine gute Erschließung des Standortes sicherstellt, abhängig." Durch den Bau der S 13 mit Haltepunkt am Bahnhof Beuel wird das Areal an Wert und Bedeutung gewinnen.

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