Denkmalgeschütztes Haus in Oberholtorf

Verwaltung empfiehlt den Abriss

Fachwerk-Charme mit größeren Fehlern: 70 Prozent aller Hölzer sind verfault oder von Insekten befallen. Außerdem ist die Statik des rund 200 Jahre alten Gebäudes in Oberholtorf gefährdet.

OBERHOLTORF. Wie viel Schutz hat ein altes Haus verdient, an dem sichtlich der Zahn der Zeit nagt? Mit dieser Frage musste sich am Dienstagabend der Unterausschuss für Denkmalschutz beschäftigen. Konkret geht es um ein Fachwerkgebäude in Oberholtorf, das seit 1983 unter Denkmalschutz steht.

Wie aus dem Beschlussvorschlag an die Beueler Bezirksvertretung hervorgeht, ist der letzte Mieter bereits im April 2012 ausgezogen. Danach haben die Eigentümer, die nach GA-Informationen nicht in Bonn wohnen, das Haus leer geräumt.

Anfang Oktober wurden sie jedoch bei der Stadt Bonn vorstellig und reichten einen Abrissantrag ein. Die Verwaltung setzte das Anliegen noch auf die Tagesordnung der November-Sitzung des Unterausschusses, da der nächste Termin erst im April 2014 gewesen wäre. Hintergrund für den Abrissantrag ist wohl der desolate Zustand des Gebäudes; zwar sind gemäß Beschlussvorlage 1984 und 1990 Sanierungen durchgeführt worden, doch schon von außen macht das Fachwerk keinen guten Eindruck. Das bestätigte sich für Denkmalbehörde und den Statiker des Bauordnungsamtes bei einer Begehung des Gebäudes, das laut Presseamt aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammt.

Das Haus ist nach Einschätzung der Experten "in seinem statischen Gefüge stark geschädigt", einzelne Deckenbereiche sind nicht mehr begehbar und die äußeren Fachwerkhölzer verfault oder von Insekten befallen. Nach einer ersten Einschätzung müssten 70 Prozent der Hölzer ausgetauscht werden, um die Standsicherheit wiederherzustellen. Da wegen des "umfangreichen Substanzaustausches bei einer Sanierung der Zeugnischarakter des Gebäudes" verloren gehe, empfiehlt die Verwaltung, dem Abbruchantrag stattzugeben.

Dieser Empfehlung an die Beueler Bezirksverordneten schlossen sich am Dienstag auch die Mitglieder des Unterausschusses an. Wie Isabel Klotz vom Presseamt auf Anfrage mitteilte, regte das Gremium aber an, eine Veränderungssperre zu prüfen. Das Haus kann also abgerissen werden, aber es darf an gleicher Stelle nicht direkt neu gebaut werden. "Während der Veränderungssperre soll unter Beteiligung der Bürger geschaut werden, welche Art von Bebauung dort in Zukunft passend wäre", so Isabel Klotz. Am Mittwoch, 4. Dezember, liegt die letzte Entscheidung bei den Beueler Politikern. Sie tagen ab 17 Uhr im Beueler Rathaus, Friedrich-Breuer-Straße.