50 Jahre auf dem Rhein zu Hause

Uta und Günter Schmitz gehen von Bord der „Rheinnixe“

Bonn. Das Ausscheiden der Eheleute Uta und Günter Schmitz aus dem aktiven Fährdienst auf der „Rheinnixe“ hat der Schiffer-Verein Beuel zum Anlass genommen, eine weitere Bronzetafel am rechten Rheinufer aufzustellen.

Dadurch soll an die besonderen Verdienste des Ehepaars um die Beueler Rheinschifffahrt erinnert werden. An diesem Sonntag wird Ex-Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch um 12 Uhr die Gedenktafel am Rheinufer in Höhe des Fähranlegers enthüllen. Über ihre Erfahrungen und Erlebnisse aus fünf Jahrzehnten sprechen Uta und Günter Schmitz mit Holger Willcke.

Wann standen Sie das erste Mal am Steuer eines Schiffes?

Günter Schmitz: 1960 habe ich mein Rheinschiffer-Patent erhalten und meinen Fährführerschein abgelegt. Seitdem fahre ich auf Fähren und Rheinschiffen. Meine Ehefrau unterstützt mich seit 1970.

Gibt es ein Ereignis, an das Sie sich gerne zurückerinnern?

Günter Schmitz: In mehr als 50 Jahren erlebt man viele Dinge auf dem Rhein. Ich erinnere mich spontan an eine kritische Situation. Vor einigen Jahren habe ich mal im Winter vier Ruderer aus dem Rhein gerettet. Sie saßen frierend im Boot, das voll Wasser gelaufen war und unterzugehen drohte. Wir haben die jungen Männer an Bord der Rheinnixe gezogen. Meine Frau hat sie mit warmen Kakao und Decken versorgt. Anschließend haben sie Arbeitskleidung von mir angezogen.

Uta Schmitz: Du hast doch mal einen Hund aus dem Rhein gerettet - oder?

Günter Schmitz: Ja, das war während des ersten Jahrhunderthochwassers an Weihnachten 1993. Der Rhein stand so hoch, dass ich nur noch mit meinem Beiboot zur Rheinnixe gelangen konnte. Als ich dorthin unterwegs war, sah ich winkende Menschen auf einem Balkon. Sie machten mich auf einen Hund aufmerksam, der in den Fluten in einem Garten festhing. Ich paddelte dorthin. Beim Versuch, den schweren Hund ins Boot zu ziehen, ist mir fast das Boot umgekippt. Später stellte sich heraus, dass der Hund in Plittersdorf in den Rhein gefallen und zehn Kilometer rheinabwärts bis Beuel abgetrieben war. Er war mit den Kräften am Ende, hat aber überlebt.

Wer sitzt denn jetzt am Steuer der Rheinnixe?

Uta Schmitz: Unsere Tochter Angelika und unser Sohn Dieter haben unseren Betrieb übernommen. Sie sind bereits die dritte Generation. Und die vierte Generation steht schon in den Startlöchern. Unser Enkel ist 19 Jahre alt und absolviert gerade eine Ausbildung zum Binnenschiffer.

Wird das „Fährrecht“ zwischen Beuel und Bonn vererbt?

Günter Schmitz: Ja. Das ist historisch bedingt und nennt sich Fährgerechtsame. Ich habe den Beruf von meinem Vater Johann geerbt. Früher hatte die Fährschifffahrt eine andere Bedeutung. Das ist noch gar nicht so lange her. Nehmen wir den Zeitraum zwischen 1945 und 1949. Damals gab es kriegsbedingt keine Brücke zwischen Bonn und Beuel. Nur mit Schiffen kam man ans andere Ufer. Da herrschte Hochbetrieb auf den Fähren.

Wie viele Fahrgäste transportiert die Rheinnixe heutzutage?

Uta Schmitz: Das hängt von der Jahreszeit ab. Im Sommerhalbjahr haben wir sogar manchmal mehr als 100 Fahrgäste pro Überfahrt. Im Winter sind es auch schon mal nur fünf Fahrgäste pro Fahrt.

Wie haben sich die Fahrpreise über die Jahre entwickelt?

Uta Schmitz: 1960 kostete eine Überfahrt 15 Pfennige. Heute 1,20 Euro. Nachgefragt sind aber unsere Zehner-Karten, weil die im Verhältnis günstiger sind.

Gab es auch Prominenz an Bord?

Günter Schmitz: Zu Hauptstadtzeiten gab es viel Prominenz. Nach dem Regierungsumzug nahm das schlagartig ab. Heute fährt nur noch Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm mal auf die andere Rheinseite. Er ist ein herrlicher Mensch, der stets gut gelaunt ist und einen Scherz auf den Lippen hat.

Fahren Sie denn heute noch mit?

Uta und Günter Schmitz: Ja, aber nur noch als Gäste. Und wir sind die einzigen, die nichts bezahlen müssen.