Realschule Beuel

Umzug ist so gut wie sicher

Realschüler machen vor der Sitzung der Bezirksvertretung auf einem Transparent ihre Ansicht klar: Nein zum Umzug.

Realschüler machen vor der Sitzung der Bezirksvertretung auf einem Transparent ihre Ansicht klar: Nein zum Umzug.

Beuel. Die Bezirksvertretung trifft keine eindeutige Aussage zur Standortverlagerung der Realschule, der Schulausschuss schon. Das Gremium, in dem nicht nur Politiker, sondern auch sachkundige Bürger aus der Bonner Schullandschaft sitzen, stimmte mehrheitlich für den Umzug.

Eine eindeutige Aussage zur Standortverlagerung der Realschule hat die Bezirksvertretung Beuel am Mittwochabend nicht getroffen. Der Schulausschuss am Donnerstagabend indes schon: Mit elf Ja-, acht Nein-Stimmen und drei Enthaltungen empfiehlt das Gremium dem Stadtrat einen Umzug.

In der Bezirksvertretung hatten sich CDU, SPD und FDP auf eine Kompromissformulierung geeinigt: Ein Umzug in die Anne-Frank-Schule sei „für die Bezirksvertretung grundsätzlich vorstellbar“, hieß es in dem Änderungsantrag. Indes forderten die Beueler, dass das Realschulgelände weiterhin für eine schulische Nutzung vorgehalten wird. Dem schloss sich der Schulausschuss an.

Schließlich bitten die Beueler das Schulamt zu prüfen, wie die „Belastungen für die aktuelle Schülerschaft möglichst gering gehalten werden können“. Denkbar wäre ein Start mit den fünften Klassen am neuen Standort.

Lautstarke Proteste

Einfach war es für die Bezirksverordneten indes nicht zu debattieren. Immerhin hatte man sich auf eine turbulente Sitzung eingestellt. Im Zuschauerraum hatten rund 30 Schüler und Lehrer Platz genommen, die Bezirksbürgermeister Ralf Laubenthal (SPD) mehrfach ermahnen musste, Redebeiträge der Politiker nicht lautstark zu kommentieren. Außerdem kassierte er Handzettel der Schüler wegen ihres beleidigenden Inhalts ein.

CDU, SPD und FDP hatten den Änderungsantrag tags zuvor formuliert, weil die anfängliche recht klare Mehrheit für den Umzug zu kippen drohte. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, betonte Guido Déus (CDU) in seiner Begründung des Änderungsantrags. „Wir haben die einzige Hauptschule in Beuel verloren. Ein zukunftsfähiges Realschulangebot am Standort Beuel wollen wir dauerhaft sicherstellen.“ Mit dem bisherigen Gebäude an der Rölsdorfstraße sei das aber aus finanziellen Gründen nicht zu machen. Das allerdings ist der Knackpunkt. In der Sitzung wurden Zweifel geäußert, ob die Berechnungen der Verwaltung, die einen Umzug nahelegen, alle relevanten Aspekte berücksichtigen.

Der Bürger Bund rechnete beispielsweise in einem eigenen Antrag vor, dass ein Teilumzug, etwa der Klassen 9 und 10, günstiger wäre, weil man dann auf eine Erweiterung der Anne-Frank-Schule beziehungsweise auf Containerklassen verzichten könnte: Das wären etwa eine Million Euro. BBB-Bezirksverordnete Huberta Kern rechnete vor, dass sich dann zusätzlich auch die veranschlagten Sanierungskosten für den Realschulstandort von 4,5 Millionen Euro auf eine Million reduzieren ließen. Wenn nur ein Teil der Schule umzöge, dann könnte man sich auf den Abriss des Gebäudetraktes B beschränken. Die haustechnische Zentrale, also die Heizungsanlage, die im Gebäude B untergebracht ist, müsste dann lediglich in den anderen Gebäudeteil verlegt werden. Das wäre für eine Million Euro zu haben.

Finanzielle Sachzwänge

Für die Beueler Koalition ergibt sich aus der Kostenabwägung der Verwaltung eine klare Entscheidungsgrundlage: 4,5 Millionen Euro Sanierungskosten gegen höchstens 1,5 Millionen Euro für den Umzug in die Anne-Frank-Schule. „Zumal im städtischen Haushalt kein Euro für die Sanierung vorgesehen ist“, wie Déus betonte. „Es ist angesichts der Sachzwänge die optimale Lösung. Nun müssen wir den Schülern einen Weg in die neue Schule bauen“, begründete die FDP-Bezirksverordnete Zehiye Dörtlemez die Entscheidung für einen Umzug.

Auch SPD-Stadtverordneter Dieter Schaper appellierte an Schüler und Lehrer, die Umzugsentscheidung als die beste Lösung anzunehmen. „Das haben wir nicht mal eben so entschieden. Der Vorteil eines gerade modernisierten Gebäudes überwiegt.“ Und der Nachteil eines etwas längeren Schulwegs von 1,5 Kilometern könne nicht so sehr ins Gewicht fallen.

Grüne und BBB stimmten mit Nein

Doro Schmitz (Grüne) kritisierte, dass die von der Verwaltung aufgelisteten Gründe und die Berechnungen eine Entscheidung nicht zuließen. Die Sanierungskosten von 4,5 Millionen Euro „sind nicht aufgeschlüsselt. Was ist mit einer Nachnutzung? Auch das muss in den Abwägungsprozess.“ Aus der Tatsache, dass die Anne-Frank-Schule bald leerstehen könne, dürfe kein Handlungsdruck entstehen.

Achim Joest (Linksfraktion) plädierte dafür, dass die Bezirksvertretung nicht gegen das Votum der Schulkonferenz stimmen sollte. „Eine Verlagerung gegen den Willen der Schüler ist keine gute Grundlage.“ Außerdem wollte er wissen, ob es nicht andere Schulen gebe, die für die Nutzung der Anne-Frank-Schule infrage kämen. Er lehnte den Änderungsantrag der Koalition ab, auch mit dem Hinweis, dass die Kostenfrage nicht ausreichend geklärt sei. Keine Zustimmung bekam der Änderungsantrag auch von Grünen und Bürger Bund Bonn.