Beerdigungszeremonie in Beuel

Trauerfeier für eine Stadtteilbücherei

Trauer: Thomas Wingenroth (v.l.), Anne-Kathrin Ufferhardt, Paul Jaus, Karin Schmitz, Martina Dahmann, Traudel Gebing-Sommersberg.FOTO:MALSCH

Trauer: Thomas Wingenroth (v.l.), Anne-Kathrin Ufferhardt, Paul Jaus, Karin Schmitz, Martina Dahmann, Traudel Gebing-Sommersberg.

BEUEL. Mit viel Kritik Richtung Stadthaus haben gestern mehrere hundert Schüler, Lehrer, Eltern und Nutzer der Stadtteilbibliothek in der Integrierten Gesamtschule diese in einer symbolischen Beerdigungsfeier zu Grabe getragen.

Die Bücherei, die bisher 100.000 Ausleihen pro Jahr verbuchen konnte, fällt dem Spardiktat der Bonner Stadtverwaltung und der Jamaika-Koalition zum Opfer.

Seit gestern ist die Bücherei Geschichte. Oder doch nicht? In Beuel gehen die Verantwortlichen der Gesamtschule davon aus, dass sie auf einer anderen Basis eine Schulbibliothek betreiben müssen. Dabei sei es doch gerade die Mischung aus Stadt- und Schulbücherei, die in Beuel den besonderen Reiz ausmachte, wie der ehemalige Lehrer Dieter Dresen in seiner Ansprache vor der "Trauergemeinde" erklärte: "Schule öffnet sich nicht nur von innen nach außen, sondern auch von außen nach innen." Doch nun will die Stadt 400.000 Euro pro Jahr mit der Büchereischließung einsparen.

IGS-Schüler Lucas Krah, der durch die "Beerdigungszeremonie" führte, rechnete vor: Die 1,6 Milliarden Euro Schulden der Stadt würden ausreichen, "um die Bibi 400.000 Jahre lang offen zu halten." Bitteres Lachen und Applaus waren ihm mit der Aussage sicher. Das galt auch für die Aussage der Elternvertreterin Corinna Nitsche-Hainer: "Mir tun die vielen Bürgerinnen und Bürger leid, die künftig keine Bibi mehr in ihrem Einzugsgebiet haben. Aber allen über 18 oder 16 Jahren möchte ich sagen: Freuen Sie sich auf die nächsten Wahlen, dann können Sie die Quittung ausstellen."

Es wurde eine abwechslungsreiche Verabschiedung für die Bücherei, die 33 Jahre lang ein fester Bestandteil der Beueler Kulturszene war. Ein Schüler sang "There goes my hero" von den Foo Fighters für die vier hauptamtlichen und zwölf ehrenamtlichen Helden der Ausleihe. Schülersprecherin Sarah Pfeiffer lobte den Zusammenhalt bei den vielfältigen Widerstandsaktionen gegen die geplante Schließung.

Und mit OB Jürgen Nimptsch, der früher Direktor an der IGS war, ging auch sein ehemaliger Kollege Dieter Dresen aus dem Lehrerkollegium hart ins Gericht, als er sagte: "Als Schulleiter hätte er diese Schließung niemals zugelassen!" Die Schließung selbst "schnürt mir die Kehle zu".

Was aus den Beständen der Bücherei wird, wusste gestern noch niemand. Der didaktische Leiter der IGS, Thomas Wingenroth, geht davon aus, dass die meisten Bücher und das Mobiliar für die Schulbücherei bestehen bleiben. Die kommissarische Schulleiterin Traudel Gebing-Sommersberg meint, dass eine Konferenz am Anfang des neuen Schuljahres darüber entscheiden soll, wie es endgültig weitergehen soll.