Interview mit Bezirksbürgermeister Guido Déus

"Sturm der Entrüstung ist groß"

Das Geschenk aus der Geigenstadt Mirecourt zum Städtepartnerschaftsjubiläum schmückt das Büro von Bezirksbürgermeister Guido Déus. Das Werk des Künstlers Dominique Renaud zeigt eine Violinenhälfte und den Handschlag zweier Freunde. FOTO: HOLGER WILLCKE

Das Geschenk aus der Geigenstadt Mirecourt zum Städtepartnerschaftsjubiläum schmückt das Büro von Bezirksbürgermeister Guido Déus. Das Werk des Künstlers Dominique Renaud zeigt eine Violinenhälfte und den Handschlag zweier Freunde.

BEUEL. Die ersten vier Monate seiner Amtszeit sind für Beuels neuen Bezirksbürgermeister spannend, aber harmonisch verlaufen: Pützchens Markt, Bürgerfahrt in die Partnerstadt Mirecourt, Bürger- und Promenadenfest. Aber jetzt wird es langsam ernst: Die Sparvorschläge der Verwaltung zur Konsolidierung der städtischen Finanzen treffen auch den Stadtbezirk Beuel hart.

Wie Guido Déus den Spagat zwischen Bezirksvertretung und Stadtrat schaffen will, darüber sprach er mit Holger Willcke.

Wie bewerten Sie die Ideen von Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch?
Guido Déus: Es muss allen Beteiligten klar sein, dass wir um ernsthafte Einschnitte nicht herumkommen. Wir können uns in den einzelnen Stadtbezirken vieles wünschen, aber als Gesamtstadt müssen wir jetzt Entscheidungen treffen, um als Bundesstadt handlungsfähig zu bleiben. Ich werde folglich nicht ausweichen und zum Beispiel eine Opernschließung zum Erhalt des Status quo in Beuel vorschieben. Aber ich bezweifle, dass die vorliegenden Sparvorschläge für Beuel die richtigen sind. Der Sturm der Entrüstung ist in Beuel jedenfalls groß.

Können Sie das konkretisieren?
Déus: Die Verwaltung will das Ennertbad schließen. Aus meiner Sicht ist der Vorschlag falsch. Ich will das auch erklären: Für einen Erhalt des Ennertbads spricht insbesondere die soziale Komponente. Familien, Kinder und Jugendliche, die nicht in Urlaub fahren können, sind im Sommer auf dieses Freibad angewiesen. Das Schulschwimmen in der "Beueler Bütt" könnte - wenn eine Überführung in eine private Trägerschaft nicht klappt - zur Not nach Bonn oder nach Königswinter verlegt werden. Viele Schulen müssen auch jetzt schon zum Schwimmunterricht mit einem Bus anreisen.

Und beim Thema Bibliotheksschließung?
Déus: Auch in diesem Fall hat sich die Stadt für die falsche Bibliothek entschieden. Statt die Bezirksbibliothek im Brückenforum, die zentral liegt und für alle Bevölkerungsgruppen gut mit Bus und Bahn erreichbar ist, zu schließen, wäre es besser, die Bücherei in der Gesamtschule in die Trägerschaft der Schule zu übergeben.

Und was halten Sie von dem Vorschlag, die Bürgerämter in den Bezirksrathäusern zu schließen und deren Aufgaben im Stadthaus zu zentralisieren?
Déus: Da bin ich zwiegespalten. Zum einen bin ich fest davon überzeugt, dass eine Stärkung der Bezirksrathäuser für die Menschen im Stadtbezirk ein ganz wichtiges Signal in Richtung Identitätsbildung ist. Zum anderen glaube ich aber auch, das gewisse Aufgaben der Bürgerämter durchaus im Stadthaus zusammengefügt werden können. Mein Vorschlag ist deshalb: Es muss geprüft werden, welche Aufgaben des Bürgeramts auf die Bezirksverwaltungsstelle übertragen und welche im Stadthaus gebündelt werden können. Anschließend müssen die Bezirksverwaltungsstellen entsprechend personell aufgestockt werden.

Sind Kürzungen im Beueler Bezirkshaushalt überhaupt noch vertretbar?
Déus: Nein. Der Beueler Haushalt ist über die Jahre auf nur noch rund 100 000 Euro geschrumpft. Mit diesem Geld unterstützen wir die Vereine, finanzieren die Beueler Weiberfastnacht, das Promenadenfest und teilweise Pützchens Markt. Ich bin strikt dagegen, diese Beträge weiter zu kürzen. Das Rasenmäherprinzip ist immer unsozial, weil das Beueler Vereinsleben und die genannten Highlights für die Liebenswürdigkeit unseres Stadtbezirks stehen. Als Beueler nehmen wir das Sparen ernst und werden im Stadtrat finanziell gleichwertige Vorschläge vorbringen.

Haben Sie diese Vorschläge bereits mit Ihrer Partei, der CDU, und mit Ihren Koalitionspartnern abgestimmt?
Déus: Nein, noch nicht. Von diesen Ideen muss ich meine Partner noch überzeugen. Aber ich bin natürlich auch für deren Anregungen offen. Am Ende der Diskussion wird Beuel ein abgestimmtes Sparkonzept für den Stadtbezirk vorlegen. Das wird weh tun, aber auch Beuel wird seinen Beitrag leisten.

Wie zeitaufwendig ist das Ehrenamt Bezirksbürgermeister?
Déus: Wenn man es unter dem Aspekt der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sieht, dann ist es schon grenzwertig. Aber mit einem verständnisvollen Dienstherrn, einer toleranten Familie nebst Freundeskreis und der Unterstützung der Bezirksverwaltungsstelle Beuel ist es machbar. Mir bereitet diese Aufgabe jedenfalls Spaß.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit in der Koalition mit SPD und FDP?
Déus: Wirklich ausgesprochen gut. Das Arbeitsklima, das Vertrauen und die Beziehungen stimmen. Vor allem die Aufgabenteilung mit meinem ersten Stellvertreter Ralf Laubenthal funktioniert hervorragend. Ich bin zuversichtlich, dass diese Koalition gute Arbeit für Beuel leisten wird. Ich glaube, das erwartet man auch von uns.

Zur Person

Guido Déus, 1968 in Porz geboren, ist seit seinem zweiten Lebenstag in Beuel zu Hause. Nach dem Abitur und Fachhochschulstudium zog es ihn zur Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Dort arbeitet er unmittelbar unter dem Vorstand als Abteilungsleiter Presse und Kommunikation. Déus wohnt in

Vilich und ist seit 2006 mit Ex-Wäscherprinzessin Martina I. verheiratet. Seit 1999 ist er für die CDU direkt gewählter Stadtverordneter und seit 2004 Mitglied der Bezirksvertretung Beuel.