Heimatmuseum in Bonn-Beuel

Studenten entdecken verschollen geglaubte Stücke

Die prächtigen Fahnen im Heimatmuseum bewundern und inventarisieren die Studentinnen Lisa Oord (links) und Katrin Engelmann während ihres Proseminars des Kunsthistorischen Instituts. Vehmeier

Die prächtigen Fahnen im Heimatmuseum bewundern und inventarisieren die Studentinnen Lisa Oord (links) und Katrin Engelmann während ihres Proseminars des Kunsthistorischen Instituts. Vehmeier

BEUEL. Es ist nicht nur eine Fleißarbeit: Kunsthistoriker um Professor Heijo Klein von der Uni Bonn fotografieren und beschreiben die historische Sammlung des Heimatvereins. Dabei entdecken sie auch so manch verschollen geglaubtes Stück.

Heimatgeschichte trifft digitale Welt: Rund 20 Studenten der Kunstgeschichte erkunden derzeit die zahlreichen Räume, Keller und Magazine des Heimatmuseums an der Wagnergasse. Dabei haben sie schon einige vergessene Exponate gefunden und längst verschollen geglaubte Objekte aufgestöbert. „Die Kooperation mit dem Heimatmuseum ermöglicht es den Studenten, neben der Theorie auch ganz praktisch zu arbeiten“, sagt Heijo Klein, Professor am Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn.

Bachelor- und Masterstudenten arbeiten in diesem Wintersemester in seinem Proseminar zum Thema Inventarisierung. „Dafür fotografieren, vermessen und beschreiben die Studenten die Exponate. Außerdem erstellen wir digitale Karten“, sagt Klein. So tritt das Heimatmuseum in das digitale Zeitalter ein. Bisher müssen viele handschriftliche Bücher und mit Schreibmaschine aufgezeichnete Karten gewälzt werden, um Näheres über Bilder, Schriften, Kleidung, Büchern oder Münzen zu erfahren. In Zweiergruppen durchforsten die Studenten in den nächsten Wochen das Museum. Eine Studentin hat zum Beispiel im Keller eine Glanzsammelbildchen-Serie gefunden. „Die Studenten schauen sich zuerst in unseren Räumen um, dann werden Maße, Materialien und weiterführende Literatur zu den Ausstellungsstücken erfasst sowie die Objekte inventarisiert“, erklärt Volker Engel, Vorsitzender des Heimatvereins Beuel.

„Die Inventarisierung ist die Basis für jede wissenschaftliche Untersuchung – also elementares Grundwissen für die Studenten“, sagt Klein. „Und für uns bedeutet die Digitalisierung einen enormen Fortschritt“, sagt Engel.

„Es ist sehr gut, dass wir hier alles selbst machen können und einen Einblick in die Kleinarbeit bekommen“, sagt Lukas Wolfgarten. „Manchmal ist es etwas nervenaufreibend, wenn man meterweise Bücher durchforsten muss. Aber es ist etwas ganz Besonderes, einen Blick hinter die Kulissen eines Museums werfen zu können“, sagt der Masterstudent. Im oberen Stockwerk der Museumsscheune inspizieren Lisa Oord und Katrin Engelmann den Bestand an historischen Fahnen. „Die prächtigen Stoffe zeugen von der Heimatverbundenheit der Vereine. Ich bin überrascht und begeistert, welch lebhafte Vergangenheit Beuel hat“, sagt die Beuelerin Engelmann.