Go-Turnier in Vilich

Strategiespiel aus Fernost

Viel Andrang herrschte beim Bonner Go-Turnier im Gemeindezentrum Beuel-Vilich

Viel Andrang herrschte beim Bonner Go-Turnier im Gemeindezentrum Beuel-Vilich

Vilich. 123 Teilnehmer aus Deutschland und dem benachbarten Ausland messen sich in Beuel. Darunter auch der Lokalmatator Lukas Krämer.

„Tatsächlich sind wir Frauen noch ein wenig in der Minderheit“, erzählt Barbara Knauf in einer Spielpause. Die 29-jährige Sinologin hat bereits zweimal die Deutsche Damenmeisterschaft gewonnen und maß sich am Wochenende beim 37. Bonner Go-Turnier im Gemeindezentrum Vilich mit mehrt als hundert anderen begeisterten Go-Spielern.

Das Treffen ist eines der größten Go-Turniere in Deutschland; 123 Teilnehmer aller Altersgruppen und Spielstärken aus ganz Deutschland und dem angrenzenden Ausland traten zwei Tage lang gegeneinander an. Das Turnier stand allen Spielern offen; auch Anfänger waren willkommen und die besten Jugendlichen spielten diesmal um den Westdeutschen Jugendpokal. „Die Regeln sind zwar einfach und schnell erlernt, aber sehr gut zu spielen ist schwierig“, erläutert Jens Vygen, der das Turnier mit Regina Quest organisiert hat. Das fernöstliche Go-Spiel fristet in Deutschland noch immer mehr oder weniger ein Schattendasein: Wer das Spiel nicht kennt, weiß auf den ersten Blick nichts anzufangen, mit den vielen schwarzen und weißen Steinen, die die Spieler recht schnell und in großer Zahl auf den Spielbrettern verteilen.

Die Spieler setzen abwechselnd jeweils einen eigenen Stein auf die Schnittpunkte der Linien des Brettes, und es gilt, gegnerische Steine oder Steingruppen zu schlagen, indem man sie rundum einschließt. „Am Ende gewinnt derjenige, der den größeren Teil des Brettes kontrolliert“, erläutert Vygen.

Das mit mehreren tausend Jahren vielleicht älteste Spiel der Menschheit lässt sich am ehesten mit Schach vergleichen: Als reines Strategiespiel basiert es auf einfachen Regeln und bietet dennoch fast unendlich viele Spielvarianten. Ursprünglich aus China stammend, ist das Spiel heute auch in Japan und Korea äußerst populär. In der Herkunftregion spielen mehr als 100 Millionen Menschen Go und es gibt eigene Profi-Ligen, Fernsehsender und sogar Universitätsfakultäten für das Spiel.

Weil es unglaublich viele Möglichkeiten gibt und neben logischem Denken auch Intuition nötig ist, waren Computerprogramme bis vor Kurzem wenig erfolgreich: Vor einigen Wochen erregte Google aber viel Aufsehen damit, dass sein Computerprogramm AlphaGo mit Europameister Fan Hui zum ersten Mal überhaupt einen Profispieler besiegt hatte. Am Rande des Turniers gab es auch Gelegenheit, sich über das Spiel zu informieren und Spielmaterial und Bücher zum Thema zu kaufen. Rund 100 Spieler umfasst die Szene in Bonn.

Ungefähr 20 Leute treffen sich jeden Donnerstag von 17 bis 22 Uhr im großen Gruppenraum des Bonhoeffer-Hauses in der Bonner Königstraße 88. Neueinsteiger sind jederzeit willkommen, die Teilnahme ist kostenlos.

Weitere Informationen bietet der Deutsche Go-Bund unter www.dgob.de/lv-nrw/bonn