Auktionshaus von Zengen in Beuel

Stefan Püngel versteigert jährlich rund 15.000 Objekte

BEUEL. Stefan Püngel kommt ins Schwärmen. "Hervorragende Handwerkskunst", bemerkt er anerkennend und fährt mit der Hand über die filigrane Schnitzerei. "Da war wirklich ein Meister am Werk."

Keine Frage, der Frankfurter Schrank aus der Zeit um 1700 begeistert den promovierten Kunsthistoriker. Trotzdem: Auch diese Kostbarkeit kommt unter den Hammer. Denn der Schrank ist nur eines von rund 15 000 Objekten, die jährlich bei den Kunst- und Antiquitätenversteigerungen im Auktionshaus von Zengen aufgerufen werden.

Seit 2010 ist Stefan Püngel Inhaber und Geschäftsführer. Der Schrank stammt übrigens aus der Villa einer bekannten Bonner Familie. Welcher Familie? "Das verrate ich natürlich nicht", lacht Stefan Püngel. "Kompetenz, Diskretion und Vertrauenswürdigkeit zeichnen uns schließlich aus."

Auf mehr als 10 000 Stammbieter und Einlieferer aus Europa, China, Russland, den USA, Israel und den arabischen Staaten kann sich das Auktionshaus berufen. Viermal im Jahr fällt in dem Gebäude mit dem historischen Festsaal an der Stiftsstraße der Hammer.

Bei jeder Auktion werden rund 3500 Objekte präsentiert. Doch nicht allein im Saal überbieten sich die Interessenten. Per Telefon und Internet steigern Kunstliebhaber aus der ganzen Welt mit. "Mittlerweile erhalten wir etwa 60 Prozent der Gebote aus dem Internet. Es ist das wichtigste Medium für unser Geschäft und gleichzeitig das Tor zur Welt."

Aufgerufen werden Raritäten aus allen Sparten: Alte und Neuere Meister, Modernes und Zeitgenössisches, Asiatische Kunst, antiquarische Bücher, Porzellan, Glas, Silber, Möbel und Kunsthandwerk sowie Schmuck. Freilich hat sich der Geschmack auf dem Kunst- und Antiquitätenmarkt in den vergangenen Jahren enorm verändert.

"Wir haben Einlieferer, die in den 1980er Jahren horrende Summen für einen massiven Schrank bezahlt haben. Doch wenn sie ihn heute weiterverkaufen wollen, dann bekommen sie oft nur noch einen Bruchteil dessen." So gebe es für große, dunkle Möbel kaum noch Interessenten, und auch die feinen Porzellanfiguren aus den Traditionshäusern würden wenig nachgefragt.

"Eiche, Zinn und Kupfer gehen überhaupt nicht mehr, asiatische Kunst ist im Kommen, Möbel aus dem Biedermeier sind nach wie vor beliebt", weiß er nach vielen Jahren in dem Geschäft.

Kunst, Auktion, Geld - diese drei Begriffe beflügeln die Fantasie: Gibt es immer noch die unglaublichen Geschichten vom Millionenfund auf dem Dachboden? "Auf dem Dachboden finden sich solche Schätze eher selten", resümiert der Auktionator. "Doch ja, es gibt diese Geschichten immer noch."

So wie diese: "Ein älteres Ehepaar hatte von einer Tante Möbel geerbt." Beim ersten Blick auf die klobige Gründerzeiteinrichtung war Stefan Püngel klar, dass er dafür keinen Käufer finden würde. Beim Herausgehen fielen ihm jedoch einige Waschkörbe mit alter Tischwäsche und Bildern auf.

"Mir sprang sofort ein kleines Bild ins Auge", erzählt er. "Es war eine solide Arbeit von hervorragender Qualität." Die Recherchen in Bonn ergaben dann, dass es sich um eine Arbeit von Turpin de Crissé handelte. Bei der Versteigerung brachte sie 45 500 Euro.

Der Geschäftsführer des Auktionshauses erinnert sich auch an die Dame, die über Jahre den Haushalt eines älteren Mannes geführt hatte. Nach seinem Tod vererbte er seiner "guten Seele" Schachfiguren. Der Satz war allerdings nicht vollzählig, die Einzelteile ziemlich ramponiert.

"Es stellte sich heraus, dass die Figuren Teile eines Elfenbeinschachspiels aus München waren. Um 1820 müssen sie entstanden sein". Da es diese Figuren nur dreimal auf der Welt gibt, brachte selbst das unvollständige Schachspiel einen Erlös von stolzen 23 500 Euro.

Aber das Kostbarste, was bei ihm bisher unter den Hammer kam, war eine historische Waffensammlung aus der Rüstkammer der Maharadschas von Jodhpur. Diese reich verzierten Pistolen, Dolche und Krummsäbel wechselten für 173 000 Euro den Besitzer. "Auch die Geschichte der einzelnen Stücke spielt beim Verkauf immer eine Rolle."

Und was ist das persönliche Lieblingsstück des Auktionators? "Ich bin täglich von so vielen einzigartigen Kunstwerken und Antiquitäten umgeben, dass ich privat vollkommen reduziert lebe", sagt er. Vor Jahren habe er eine Sammlung mechanischer Musikinstrumente besessen. "Auch davon habe ich mich getrennt."

Ein guter Auktionator muss allerdings nicht nur ein ausgewiesener Experte sein, auch Qualitäten als Entertainer kommen gut an. "Natürlich erwartet man, dass ich locker bin und schon mal einen Witz reiße. Doch das darf man nicht übertreiben, sonst wirkt es unseriös."

Allein schafft er die Versteigerung der rund 3500 Objekten nicht. Während Püngel die Alten Meister anbietet, versteigern seine Kollegen Markus Raack Moderne Kunst, Ikonen und Grafiken, Alexandros Mehner Silber und Porzellan sowie Diana Eickhoff Schmuckstücke. Zwar werden mittlerweile immer mehr Gebote via Internet abgegeben, eine Konkurrenz sind die Online-Plattformen für das Traditionshaus allerdings nicht.

"Was wir hier anbieten, das gibt es nicht im Netz." Deshalb wird es in der Stiftsstraße noch lange "Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten" heißen - und nicht "Drei-Zwei-Eins".