Atomtransporte am Beueler Bahnhof

Stadtverwaltung wird nicht informiert

Mitglieder von Anti-Atom-Bonn versuchen, die Transporte durch den Beueler Bahnhof anhand ihrer Gefahrenkennzeichen zu dokumentieren. An diesem Tag gelingt das nicht.

BONN. Halb sechs Uhr morgens auf dem Bahnsteig des Beueler Bahnhofs. Es ist ein kalter Mittwochmorgen im November. Aus der Bahnhofskneipe "Cosmo" dringen wummernde Dancehall-Musik und grün-violettes Licht. Herbert Hoting und Steffen Patzer sind mit dem Rad von der anderen Rheinseite gekommen.

Seit dem Frühjahr beobachten und fotografieren die Mitglieder von Anti-Atom-Bonn sogenannte Atomtransporte. Sie sind Teil eines europaweiten Netzwerkes, das sich gegen die Güterzüge mit radioaktiven Stoffen einsetzt, die auch regelmäßig über Bonner Stadtgebiet rollen.

Die Öffentlichkeit wird über die Transporte nicht informiert, auch der örtliche Katastrophenschutz weiß nicht Bescheid. Heute Abend wird das Thema im Umweltausschuss beraten, der ab 18 Uhr im Ratssaal tagt. Grüne, Linke und Piraten wollen sich in einer Resolution gegen die Transporte aussprechen.

Sechs Durchfahrten haben die Bonner Atomkraftgegner seit Mai im Beueler Bahnhof beobachtet und dokumentiert. Manchmal, wie an jenem Mittwochmorgen, gelingt es nicht. Nach den Recherchen der Atomkraftgegner handelt es sich um Uranoxid und giftiges Uranhexafluorid, beides Vorprodukte von Kernbrennstoffen, die beispielsweise von Usbekistan über Russland und den Hamburger Hafen quer durch Deutschland ins französische Narbonne transportiert werden.

Bei einem Unfall könnten sich die Stoffe durch den Wind weit verbreiten - auch in Wohngebieten, befürchtet Hoting. "Wenn nicht einmal die Feuerwehr vorab über einen Urantransport informiert ist, wird das zu Verzögerungen oder Fehlentscheidungen im Falle einer Katastrophenabwehrmaßnahme führen, im schlimmsten Fall mit tödlichen Folgen."

Die Bonner Stadtverwaltung wird über die Transporte radioaktiven Materials nicht informiert, schätzt sie aber "im Vergleich zu den übrigen Arten und Mengen an Gefahrgütern, auch vor dem Hintergrund der besonderen Transportsicherung, nicht als besonders gefährlich ein", wie es in einer Stellungnahme aus dem vergangenen Jahr zu einem ähnlich lautenden Antrag heißt, der damals abgelehnt wurde. Die Feuerwehr sei zudem konzeptionell und materiell so aufgestellt, dass sie zu jeder Zeit adäquate Maßnahmen ergreifen könne, heißt es weiter.

Die Stadt möge die ablehnende Haltung gegenüber den Transport von Kernbrennstoffen und seinen Vorprodukten, insbesondere Uranerzkonzentrat und Uranhexafluorid, sowie radioaktiven Abfallprodukten aus Atomanlagen bei den zuständigen Behörden vortragen und sich mit anderen Kommunen vernetzen, fordern die drei Fraktionen in ihrem Antrag. "Wir wollen noch einmal das Augenmerk darauf legen, dass durch Bonner Stadtgebiet radioaktives Gefahrgut transportiert wird und nicht einmal die Feuerwehr Bescheid weiß, so dass sie vielleicht bei einem Unfall gar nicht adäquat reagieren kann", sagt Brigitta Poppe (Grüne). Zumal es fraglich sei, warum nach dem Atomausstieg Deutschland als Transitland für solche Transporte genutzt werde.

Auch die SPD wird für den Antrag stimmen. "Wir haben unsere Meinung zum Thema nicht geändert, auch wenn die Initiative diesmal nicht von uns ausgeht", sagt Stephan Eickschen. Die Koalitionspartner der Grünen - CDU und FDP - werden das Anliegen aber wohl erneut ablehnen. "Inhaltlich sind wir der Meinung, dass es bei dem Thema keine kommunale Zuständigkeit gibt und dass es bei den Aufsichtsbehörden gut aufgehoben ist", sagte Christoph Jansen (CDU). Auch formell wehre sich die Fraktion dagegen, dass immer wieder derlei Resolutionen auf den Tagesordnungen stehen. Kein Stoff aber für Zoff in der Jamaika-Koalition, betonen beide Seiten. Die Resolution könnte aber auch gegen CDU und FDP eine Mehrheit bekommen.