Hilfsaktion am Beueler Bahndamm

Sonnenplätze für die Mauereidechse

OBERKASSEL. Der späte Kälteeinbruch hat ihnen kaum geschadet: „Wir haben im Laufe der Arbeiten heute schon einige Mauereidechsen gesehen, erzählt Gerrit Klosterhuis erfreut. Der 38-jährige Mitarbeiter der Biostation befreit die Basaltmauern neben dem Oberkasseler Bahndamm gemeinsam mit Tim Benöhr, der gerade sein freiwilliges Ökologisches Jahr ableistet, sowie mit Hilfe von sieben Freiwilligen von Brombeer- und Efeuranken.

„Das ist nötig, damit die Tiere genug Sonnenlicht bekommen – die Mauern wären ohne unsere Arbeiten in kürzester Zeit zugewuchert“, erklärt der Diplom-Ingenieur. Direkt am Parkplatz Magdalenenkreuz stutzt Schüler Caspar Jung wild wuchernde Waldreben, ein paar Meter weiter sammelt Benöhr Müll zwischen den Sträuchern auf und hinter der Kinkelschule sorgen Klosterhuis und Mathematikstudent Leon Rosenberger mit Heckenschere und Harke dafür, dass die Vegetation am Fuß der Mauer im Zaum bleibt. Die Trockenmauern hinter dem Oberkasseler Bahndamm sind ein wichtiges Habitat für die einheimischen Mauereidechsen, die in Bonn ihre nördlichste Verbreitungsgrenze haben.

Den Kälteeinbruch haben die Tierchen offenbar ganz gut weggesteckt: „Die nächtlichen Minusgrade haben die Tiere mitten in der Paarungszeit erwischt“, so Klosterhuis. Das sei zwar ärgerlich für die Eidechsen, aber kein Beinbruch: Die Mauern speichern genug Wärme und die niedrigen Temperaturen wirken sich zwar negativ auf die Aktivität aus, aber es gab ja noch keine Gelege, die gefährdet gewesen wären. Und selbst das hätte die Population kaum gefährdet, da Mauereidechsen bis zu dreimal pro Jahr Eier legen könnten.

Zwei-, in manchen Jahren sogar dreimal machen sich Mitarbeiter der Biostation unter dem Motto „Naturschutz aktiv“ gemeinsam mit freiwilligen Helfern daran, die Mauern freizuschneiden. Viele sind wie Jung und Rosenberger nicht zum ersten Mal dabei: „Das ist für mich eine sinnvolle Ablenkung vom Studienalltag“, so Rosenberger. Die Arbeiten seien unter anderem auch deshalb notwendig, weil durch den erhöhten Stickstoffeintrag aus der Luft und den Kot der vielen Hunde die Vegetation schneller wachse, so der angehende Mathematiker.

Dank der Kälte haben die fleißigen Naturschützer in diesem Frühjahr allerdings deutlich weniger zu tun als in manch anderem Jahr: Das Wachstum der Pflanzen ist durch die Temperaturen der letzten Wochen noch recht dürftig – entsprechend weniger müssen wir zurückschneiden“, so Klosterhuis.

Mauereidechsen sind braun oder grau gefärbt und bis zu 22 Zentimeter lang; als einzige heimische Eidechse kann man sie bei Sonnenschein sogar im Winter beobachten. Bis zu 50 Tiere haben Klosterhuis und sein Team schon auf der etwa 500 Meter langen Mauerstrecke gezählt: „Auch heute waren es schon einige, eigentlich sind wir ja mitten in der Paarungszeit und bei dem schönen Wetter kommen die Eidechsen aus den Mauerritzen, um sich in der Sonne zu wärmen“, erklärt Benöhr, der das Ökologische Jahr zur Berufsorientierung nutzt. „Die Eier werden später in kleine Vertiefungen und Hohlräume gelegt und brauchen viel Wärme. Eidechsen brüten ja nicht wie Vögel, sondern überlassen das Gelege sich selbst“, weiß er.