Kita "Mach mit"

Sich zur Wehr setzen

Die Kindergartenkinder dürfen auch mal richtig laut werden, um anderen deutlich zu signalisieren, wo ihre Grenzen sind. FOTO: SEBASTIAN FLICK

Die Kindergartenkinder dürfen auch mal richtig laut werden, um anderen deutlich zu signalisieren, wo ihre Grenzen sind.

BEUEL. Ein ganz lautes "Stopp" hallt durch das Gebäude der städtischen Kita "Mach mit" an der Ringstraße. "Sehr gut und jetzt noch lauter", fordert Nancy Kreuzer die Kinder auf. Jetzt ist die Trainerin vom Netzwerk "Mut-tut-gut-Rheinland" zufrieden: Sie zeigt den Vorschulkindern gerade, wie viele Möglichkeiten es gibt, sich zu wehren und erklärt ihnen, warum es so wichtig ist, zu zeigen, dass man etwas Bestimmtes nicht möchte.

Fünf Tage lang haben die Kinder während des Gewaltpräventionskurses auf spielerische Art gelernt, mit Gesten, Mimik und Worten Grenzen zu setzen. Müssen Kinder denn schon im Kindergarten lernen, wie man mit Gewalt umgeht? "Je früher man den Kindern beibringt, dass jeder einen persönlichen Bereich hat, der nicht zu verletzen ist, desto stärker festigt sich das und man ist schneller in der Lage sich zu schützen". Die Kinder wissen, dass es nicht in Ordnung ist, wenn ihnen eine fremde Person zu nahe kommt und haben viele verschiedene Möglichkeiten kennen gelernt, falls das doch mal passiert: Mit Weglaufen und Hilfe holen oder eben laut "Stopp" rufen, können sie sich aus solch einer Gefahrensituation befreien.

"Wichtig ist mir, dass die einmal richtig laut werden, auch die stillen Kinder", erklärt Kreuzer. Bei der Gewaltpräventionstrainerin haben die Kinder auch gelernt, sich als Gruppe zusammenzuschließen, um sich gemeinsam mit lauter Stimme gegen eine Situation zu wehren. So schlüpfen sie beispielsweise in die Rolle von Pinguinen, deren Rettung auf eine Scholle nur funktioniert, wenn alle auf der Scholle ganz eng zusammenrücken. Bei der Übung "Schreimauer" haben die Kinder die Aufgabe, durch starken Lärm hindurch mittels lauten Rufen Wörter zu vermitteln. Mit Spielen wie diesen lernen die Mädchen und Jungen auch, ihr Selbstbewusstsein zu stärken. "Wir wollen, dass die Kinder weder Opfer noch Täter werden", so Kreuzer. In einigen Übungen wird auch über Emotionen gesprochen, beispielsweise wie man mit schlechten Gefühlen umgeht oder was passiert, wenn man jemandem verletzende Worte zuruft.

Orlind Froebe, Mutter der fünfjährigen Nikte und Mitglied im Förderverein der Kita, hatte den Gewaltpräventionskurs an die Kita geholt. Sie hofft dadurch, die Vorschulkinder besser auf den Schulalltag vorbereiten zu können. "Auf Schulhöfen ist heute die Hölle los", meint Froebe. Der Kurs zeige den Kindern eindeutige Verhaltensregeln, die Gewaltprobleme lösen und Ausgrenzungen vorbeugen, spielerisch auf. Finanziell realisiert werden konnte der Kurs mit Unterstützung der Sparkasse Köln-Bonn und der Stiftung Bündnis für Kinder.