VW Samba von 1951 auf Eifelwiese entdeckt

Sensationeller Oldtimer-Fund in Beuel

Beuel. Der Beueler Autoteilehändler Florian Kalff und neue Eigentümer des Blechhaufens spricht von einem sensationellen Fund. Die Restaurierung dauert mindestens zehn Jahre.

Wer den verrosteten Blechhaufen vor dem Beueler Güterbahnhof betrachtet, dem könnten angesichts der Absicht von Florian Kalff, den Schrotthaufen zu restaurieren, große Zweifel kommen. Aber der Spezialist für alte VW-Ersatzteile ist sicher, dass aus dem „achtsitzigen Sondermüll“ wieder ein VW-Bus Samba entstehen kann. Denn genau um einen solchen, im offiziellen VW-Terminus „Achtsitzer Sondermodell“ genannten, Vorfahren des beliebten Bully handelt es sich bei den verrosteten Teilen, die Kalff für einen „vierstelligen Betrag“ soeben erstanden hat.

Sogar aus England war ein Vertreter der Fachpresse am Dienstag zu der kleinen Präsentation vor Kalffs Firma angereist, die im alten Güterbahnhof ihren Sitz hat. Denn der Fund gilt in Fachkreisen als eine kleine Sensation, und die Geschichte dahinter ist ein echtes Stück Automobil-Archäologie: „Ein Kunde von mir hat eine Wiese in der Eifel gekauft und bei der Mahd stieß er auf die verrosteten Bleche“, berichtet Kalff von der Entdeckung. Und da dieser ebenfalls stark an historischen Fahrzeugen interessiert ist, sei ihm schnell gedämmert, dass es sich bei seinem Fund um etwas Seltenes handeln müsse.

Ein Anruf bei Kalff gab ihm dann schnell Gewissheit und gemeinsam barg man die Reste des Spitzenmodells der VW-Palette der frühen 1950er-Jahre: Motor, Getriebe und Vorderachse kamen unter den teilweise komplett vom Rost zerfressenen Blechen zutage, daneben auch einige der begehrten Dachfenster aus Plexiglas: „Das ist so ein bisschen die Blaue Mauritius unter den Ersatzteilen“, meint Kalff und reibt eines der blinden Scheibchen mit Spucke ein. Da in den Anfängen der Produktion rundgeformtes Glas zu teuer gewesen sei, hätten die Volkswagen-Ingenieure in den beiden hinteren Ecken und für den charakteristischen Glashimmel in den ersten Jahren Plexiglas verwendet, weiß der Fachmann.

Recherche im Volkswagenarchiv

Ob er sie aufarbeite oder sie aus Authentizitätsgründen so belasse und wieder in den Bus einbaue, werde er erst im Laufe der Restaurierungsarbeiten entscheiden. Die werden sicher zehn Jahre dauern. Das Ergebnis müsse man sich ein bisschen wie die Dresdner Frauenkirche vorstellen: Originale und neue Bauteile sollen auch für den automobilistischen Laien unterscheidbar bleiben. „Das Ergebnis soll ein Zeitdokument und kein funkelndes Blendwerk sein“, so Kalff.

Fälschungen des VW-Kultklassikers gebe es nämlich reichlich. Bei Preisen im sechsstelligen Bereich für die geschätzte Handvoll noch erhaltener Fahrzeuge eigentlich auch kein Wunder. Weil die Fahrgestellnummer und das Typenschild erhalten seien, habe sein Samba aber eine klare Identität. Das habe er sich vor dem Kauf auch noch einmal vom werkseigenen Volkswagenarchiv bestätigen lassen.

Wie das gute Stück auf die Wiese gekommen ist, und warum es dort lange Jahre unbeachtet vor sich hinrostete, ist den Fachleuten zwar noch ein Rätsel, Kalff hat aber eine Theorie: Weil Volkswagen zum Produktionsstart des Samba im Jahr 1951 schlicht keinen anderen Motor als die 24,5-PS-Maschine des Käfers hatte, wirkten die vor August 1960 gebauten Exemplare plötzlich komplett veraltet, als VW die Baureihe mit dem neuen 34-PS-Motor und weiteren technischen Neuerungen wie einem synchronisierten Getriebe und besseren Bremsen ausstattete. Weil daraufhin der Preis der älteren Modelle dramatisch sank, landeten viele auf dem Schrottplatz. „Oder sie wurden einfach wie unser Exemplar auf einer Wiese stehen gelassen“, vermutet Kalff.

Möglicherweise handelt es sich sogar um das älteste „erhaltene“ Modell: Am 27. August 1951 lief Kalffs Samba in Wolfsburg vom Band. „Und da wir auch das hintere Originalkennzeichen gefunden haben, das noch keine TÜV-Plakette trägt, wissen wir, dass der Bus spätestens 1961 stillgelegt worden sein muss“, so Kalff. „Die turnusgemäße Prüfung der Verkehrssicherheit gab es zwar auch schon in den 50ern, in jenem Jahr wurden aber die bunten Marken auf dem Kennzeichen zur Pflicht.“