Interview mit "Tat und Rat"

Seniorenbüro in Beuel bringt Gleichgesinnte zusammen

Beuel. Das Seniorenbüro "Tat und Rat" setzt sich für mehr Lebensqualität im Alter ein. Es macht allerdings keine Alltagsberatung, sondern bringt Gleichgesinnte zusammen.

Silver-Surfer, Best-Ager, junge „Alte“. Die Ruheständler von heute sind längst nicht mehr mit denen vorheriger Generationen zu vergleichen. Sie reisen viel, interessieren sich für Politik und Zeitgeschehen, lernen neue Sprachen und wollen auch in Sachen Technik und Computer mitreden können. Seit vielen Jahren bietet ihnen das Seniorenbüro „Tat und Rat“ ein abwechslungsreiches Bildungsprogramm. Mit Marita Schauf und Werner Reuter vom Vorstand des Seniorenbüros sprach Gabrielle Immenkeppel.

Seit wann gibt es den Verein „Tat und Rat“?

Schauf: Uns gibt es seit 25 Jahren. Wir haben mittlerweile knapp 300 Mitglieder und sind stolz darauf, dass sich der Verein selbst trägt. Wir machen keine Alltagsberatung für Senioren, sondern wir bringen Gleichgesinnte zusammen, die ihr Wissen gerne an andere weitergeben wollen. Unsere Mitglieder sind zwischen 60 und 90 Jahre alt. Alle Kursleiter und Mitglieder des Vorstandes engagieren sich ehrenamtlich.

Was ist für Sie das Besondere an Seniorenbüros?

Schauf: Sie fördern bürgerschaftliches Engagement, praktizieren Partizipation und setzen sich in vielfältigen Projekten und Maßnahmen für mehr Lebensqualität im Alter, für Integration und das Miteinander der Generationen ein. Sie tragen so zur Stärkung der Zivilgesellschaft bei.

Worauf legt ihr Verein besonderen Wert?

Reuter: Es gibt Sprachkurse, Reise- sowie Wandergruppen und wir bieten verschiedene Arbeitsgruppen sowie Gesprächskreise zu aktuellen politischen Themen an. Unser Konzept umfasst ein breites Kultur- und Bildungsangebot. Gleichzeitig geben wir Senioren einen sozialen Halt.

Gibt es einen „Renner“?

Reuter: Die Montagsgespräche sind besonders beliebt. Sie finden alle 14 Tage in unserem Domizil An der Wolfsburg 1 in Beuel statt.

Worum geht es dabei konkret?

Reuter: Beispielsweise um den Generationenkonflikt. Es gibt immer mehr Ältere, die bei den Wahlen die Zukunft der Jüngeren bestimmen. Wir diskutieren verschiedene Thesen, wie man das ändern kann. Wahlalter runter setzen oder eine Altersgrenze fürs Wählen einführen? Solche brisanten gesellschaftspolitischen Gesprächsrunden sind bei unseren Mitgliedern sehr beliebt.

Schauf: Die Arbeitsgemeinschaft Philosophie ist ebenfalls ein Renner. In Gesprächen und mit unterschiedlichen Texten beschäftigen wir uns beispielsweise mit verschiedenen Positionen zur menschlichen Vernunft. Groß ist ebenfalls das Interesse an Computerkursen. Aber auch die gemeinsamen Museumsbesuche sind ein Erlebnis.

Gibt es Zukunftspläne?

Schauf: Wir wollen in Zukunft mehr öffentliche Veranstaltungen anbieten.

So wie die offene Bühne?

Reuter: Genau. Das ist wirklich eine tolle Sache. Dabei holen wir Senioren auf die Bühne. Und jeder kann auftreten. „Alles kann – nichts wird geprobt“ lautet das Motto. Alles ergibt sich, manchmal in drei, manchmal in 30 Minuten. Wir hatten schon eine 82-jährige Opernsängerin, Zauberer oder Clowns. Man kann eigene Texte vortragen oder fremde Texte rezitieren.

Wann wird es wieder eine offene Bühne geben?

Reuter: Nach den Ferien. Am 18. September beginnt der Kulturabend um 18 Uhr in den Räumen der Städtischen Begegnungsstätte in der Breitestraße 107 a. Derzeit stellen wir das Programm zusammen. Wer auf die Bühne will, der kann sich telefonisch unter der Bonner Rufnummer 0228/66 99 75 oder per E-Mail unter wernreuter@web.de melden.