Marode Kirchturmspitze

Sanierung von Sankt Joseph in Geislar beginnt

Im Korb eines Krans rücken Experten der Kirchturmspitze zuleibe. Das Gerüst war bereits vorher für die Sanierung der Dachrinnen aufgebaut worden.

Im Korb eines Krans rücken Experten der Kirchturmspitze zuleibe. Das Gerüst war bereits vorher für die Sanierung der Dachrinnen aufgebaut worden.

GEISLAR. Ursprünglich sollte nur die Entwässerung saniert werden. Dann entdeckten Sachverständige erhebliche Mängel an der Kirchturmspitze. So entschloss man sich, die Dachkonstruktion sofort zu sanieren, der Wetterhahn von Sankt Joseph in Geislar ist bereits abmontiert.

Wer in diesen Tagen nach Geislar hineinfuhr, sah schon von Weitem, dass sich an der Dorfkirche Sankt Joseph Größeres tat: Arbeitsbühne und Hubarm eines Spezialfahrzeugs neben dem 1931 errichteten Kirchturm waren schon von der Abtstraße aus gut zu erkennen. Wer gute Augen oder ein Fernglas hatte, konnte sogar beobachten, wie zwei Männer die Wetterfahne vom Kirchturm abschraubten.

„Ursprünglich sollte eigentlich nur die Entwässerung saniert werden“, erläuterte Pfarrer Michael Dörr die Arbeiten. Aber wie so oft sei eines zum anderen gekommen, und nun habe man kürzlich entdeckt, dass der Kaiserstiel, die auch Helmstange genannte hölzerne Spitze der Kirchturmkonstruktion, im oberen Bereich so marode gewesen sei, dass die Wetterfahne bis zu 60 Zentimeter Spiel gehabt habe.

Klingt nach viel und ist auch gar nicht so ungefährlich: Der schnell hinzugezogene Sachverständige Sebastian Hoppen habe jedenfalls sofort zur Sanierung geraten, so Dörr. Und so groß das Spiel des Hahns auch war – von unten sei das kaum zu sehen gewesen, erläuterte der Pfarrer weiter.

Frisch vom Himmel geholt: Pfarrer Michael Dörr (vorne) und zwei Helfer mit dem Wetterhahn von Sankt Joseph.

Frisch vom Himmel geholt: Pfarrer Michael Dörr (vorne) und zwei Helfer mit dem Wetterhahn von Sankt Joseph.

 

Das in seinen Ursprüngen als Kapelle im Jahr 1901 gebaute Gotteshaus kann mit einer Besonderheit aufwarten: Im Jahr 1931 wurde das Gebäude um Querschiff, Chor und den Turm an der Stelle der ehemaligen Sakristei erweitert. „Dafür wurde die ganze Kirche quasi gedreht“, so Dörr. Das sei auch der Grund dafür, dass das Geislarer Gotteshaus im Gegensatz zu den meisten Kirchen nicht „geostet“, also mit dem Altar nach Osten ausgerichtet sei. „Für den Bau der Kapelle haben sich die Dorfbewohner seinerzeit sehr engagiert eingesetzt – einige stifteten sogar ihre Eheringe für die Finanzierung“, weiß Hans Richarz zu berichten.

Kirchenvorstand betreut die Arbeiten

Der Kirchenvorstand betreut die aktuellen Arbeiten seitens der Gemeinde und ist Ansprechpartner für den Architekten. „Eigentlich sollten ja nur die Dachrinnen samt der Entwässerung unter dem Kirchplatz saniert werden“, so Richarz. Dazu würden bis Herbst noch das alte Pflaster aufgenommen, neue Rohre verlegt und ein neues Pflaster aufgebracht. Außerdem bekomme das Pfarrheim noch einen barrierefreien Zugang. „Da wir aber das nicht gerade günstige Gerüst ohnehin am Kirchturm installiert hatten, bot es sich an, dessen Dach gleich mit zu erneuern“, so Richarz. So sei der faule Kaiserstiel entdeckt worden, und der Sachverständige Hoppen habe die Sanierung der Wetterfahne empfohlen.

Bereits nach weniger als einer Stunde meldeten die Arbeiter auf der Hebebühne Vollzug und kehrten mit dem Kreuz aus Vierkant- und Flachstahl sowie dem Hahn aus Stahlblech zum Erdboden zurück. Den will Kunstschmied Hoppen nun in den nächsten drei bis vier Wochen mit Bleimennige und -seife sanieren und anschließend mit Blattgold vergolden.

In der Zwischenzeit wird der Kaiserstiel bis auf das gesunde Material eingekürzt und um eine Haltekonstruktion mit einem Aufnahmeschaft erweitert, in den dann der frisch vergoldete Hahn mit dem Kreuz eingesteckt wird. So können das Dach bereits vor der Rückkehr der Wetterfahne neu eingedeckt und das Gerüst abgebaut werden. Die gesamten Arbeiten werden vom Kölner Erzbistum finanziert und sollen noch im Herbst abgeschlossen sein.