GA-Dialog "Beueler Treff"

Südtangente und Ennertaufstieg sorgen für hitzige Debatte

Befürworter und Gegner diskutieren auf dem Podium in der Landwirtschaftskammer NRW (von links) : Zehiye Dörtlemez, Doro Schmitz, Tilo Schumann, Wolfgang Grießl, GA-Redakteur Holger Willcke, Mehmet Sarikaya, Roman Limbach, Georg Fenninger, Angelika Esch und Werner Wingenfeld. FOTO: MAX MALSCH

Befürworter und Gegner diskutieren auf dem Podium in der Landwirtschaftskammer NRW (von links) : Zehiye Dörtlemez, Doro Schmitz, Tilo Schumann, Wolfgang Grießl, GA-Redakteur Holger Willcke, Mehmet Sarikaya, Roman Limbach, Georg Fenninger, Angelika Esch und Werner Wingenfeld.

ROLEBER. Sind Sie Befürworter oder Gegner? Mit dieser Frage sah sich der Besucher des zwölften GA-Dialogs "Beueler Treff" am Donnerstagabend schnell konfrontiert.

Obwohl sie Jahrzehnte als ist, hat die Diskussion um die Südtangente und den Ennertaufstieg nichts von ihrer Spaltkraft verloren. Rund 200 Teilnehmer waren in die Räume der Landwirtschaftskammer in Roleber gekommen, um sich die Meinungen der Politiker und Interessenvertreter anzuhören. Viele beteiligten sich aber auch an der regen Diskussion. Die Positionen auf dem Podium:

Laut IHK-Präsident Wolfgang Grießl braucht Bonn dringend eine vernünftige Ost-West-Verbindung. Ansonsten sieht er die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts gefährdet. "Jede Straße, die gebaut wird, tangiert jemanden: Es ist eine Güterabwägung."

Tilo Schumann vom Verein Lebenswerte Siebengebirgsregion kritisiert vor allem die negativen Konsequenzen für die Umwelt. "Die Maßnahme wird außerdem zusätzlichen überregionalen Verkehr anziehen, der lokale Verkehr sich wieder die bekannten Wege suchen."

Für den Planungsamtsleiter des Rhein-Sieg-Kreises Mehmet Sarikaya ist die Südtangente eine geeignete Lösung des Verkehrsproblems in der Region. "Einen Plan B gibt es nicht. ÖPNV und Radverkehr können eine gewisse Entlastung leisten, aber bei dem Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum in der Region wird das nicht ausreichen."

"Jede Stadt, jede Region muss die Verkehrsinfrastruktur sichern und ausbauen, um im Standortwettbewerb zu bestehen", so Bonns Verkehrsdezernent Werner Wingenfeld. Er befürchtet aber, dass die wiederbelebte Diskussion um die Südtangente andere Projekte wie den Ausbau des nördlichen Autobahnhalbringes gefährden könnte - für ihn ein Spiel mit dem Feuer.

Der Königswinterer Ratsherr Roman Limbach (CDU) setzt auf den Ennertaufstieg, um die Königswinterer Ortsteile Ittenbach und Oberdollendorf zu entlasten. Auch beim Bau der ICE-Trasse habe es starke Vorbehalte in der Bevölkerung gegeben, die sich aber nicht bewahrheitet hätten.

Ergebnisoffen will Georg Fenninger (CDU) mit der Prüfung des Bundesverkehrsministeriums umgehen und dann Konsequenzen ziehen. "Es gibt unterschiedliche Interesse, die gegeneinander abgewogen werden müssen."

Die SPD sei immer gegen die Südtangente gewesen, so Angelika Esch (SPD). "Sie löst nicht kurzfristig unsere Verkehrsprobleme. Wir brauchen jetzt Lösungen."

Dass der erneute Streit über die Südtangente kurz- und mittelfristige Lösungen verhindere, befürchtet Zehiye Dörtlemez (FDP). "Wir haben in der Zwischenzeit nichts erreicht und sollten heute endlich anfangen, im Kleinen zu denken.

Als "altbacken" und "nicht umwelttauglich für die Region" schätzt Doro Schmitz (Die Grünen) die Pläne ein. Sie setzt alternativ auf den Ausbau der Fahrradwege, Pedelecs für Pendler, den Ausbau der Schiene, beispielsweise die brachliegende Kohlkaul-Bahn, und bessere Tarife im ÖPNV.

Nur wenige Teilnehmer, die sich zu Wort meldeten, sprachen sich für Südtangente und Ennertaufstieg aus. "Wir in Oberdollendorf erhoffen uns eine Entlastung", sagte Rudolf Grupp. "Ich bedauere, dass nicht abgewartet wird, bis die Bewertung im Herbst vorliegt." Aus einer ganz anderen Perspektive sieht das Thema Heike Borowski, Ortsvorsteherin St. Augustin-Birlinghoven.

Für eine mögliche Verkehrsreduzierung von 40 Prozent in Königswinter-Ittenbach nehme man eine deutlich größere Belastung in Birlinghoven und Königswinter-Stieldorf in Kauf, und zwar nicht nur in der Rushhour, sondern 24 Stunden am Tag. "Wir haben in Birlinghoven den ICE, Fluglärm, die A 3. Uns fehlt eigentlich nur ein Hafen", so Borowski sarkastisch.

Angesichts des sich ansiedelnden Gewerbes und Bevölkerungszuzugs glaube sie nicht, dass die Region schlecht dastehe, sagte Inge Gassen. "Die Natur zu zerstören, in erster Linie aus wirtschaftlichem Interesse, ist eine Sünde."

"Wir wissen nicht, wie groß die Entlastung tatsächlich ist, die zusätzliche Belastung ist ein Fakt und wird auf jeden Fall kommen", sagte Dagmar Ziegner vom Bürgerverein Rauschendorf. "Ich komme aus dem Ruhrgebiet und habe in Düsseldorf gelebt: Ich bin immer noch der Meinung, dass wir hier auf einer Insel der Glückseligen leben." Das ewige Klagen über die Verkehrsprobleme müsse insofern relativiert werden.

Aktueller Stand

Das ist die aktuelle Version für den geplanten Bau der Südtangente. Neu ist: Linksrheinisch soll die Trasse von der B 9 bis zur Autobahnanschlussstelle Hardtberg unterirdisch (Venusbergtunnel) geführt werden. Rechtsrheinisch soll der Ennerttunnel verlängert werden.

Die vierspurige Bundesstraße würde deutlich weiter östlich an die Oberfläche geführt - und zwar auf den Feldern zwischen Gut Heiderhof und Vinxel. Diese Variante des Landes NRW wird derzeit vom Bundesverkehrsministerium geprüft. Danach entscheidet das Ministerium, ob die Südtangente in den Vorentwurf für den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wird.