Besuch aus Südamerika

Rodolfo Wirz aus Beuel ist Bischof in Uruguay

Schwarzrheindorf. Rodolfo Wirz ist Bischof von Maldonado in Uruguay. Er besuchte jetzt seine Heimatgemeinde in Schwarzrheindorf. 2018 fahren Freunde und Verwandte zu seinem Goldenen Priesterjubiläum nach Südmarika.

„Wir müssen versuchen, das eigene Leben so umzuorganisieren, dass wir uns Zeit nehmen können für die Menschen, die unsere Zeit benötigen“ – diesen Aufruf zu einem christlichen Miteinander richtet Rodolfo Wirz in der Weihnachtszeit an Familie und Freunde in seiner deutschen Heimat. Der Bischof des Bistums Maldonado in Uruguay wurde vor 75 Jahren in Schwarzrheindorf geboren und wanderte 1949 als siebenjähriger Junge mit seiner Mutter nach Südamerika aus.

Er war jetzt zum wiederholten Mal Gast in Beuel, zelebrierte eine Messe in der Doppelkirche und sagte im Haus Michael bei einem Adventsmarkt: „Ich werde nie vergessen, wo ich herkomme. Wenn ich in Beuel bin, spüre ich ein Gefühl der Wärme und Geborgenheit. Der Kontakt ist nie abgerissen.“ Mehr als 20 Verwandte leben noch im Raum Bonn. Wie oft er noch die beschwerliche Reise antreten wird? „Das weiß nur Gott. Ich bin jedenfalls bereit, auch künftig vom Rio del Plata an den Rhein zu kommen“, betonte Wirz.

Besonderer Beweis für die Verbundenheit zur Heimat war die Wahl seines Bischofswappens. Er entschied sich 1985 für eine leicht abgeänderte Darstellung des Wappens der ehemals selbstständigen Stadt Beuel. Den weißen Wimpel an der Mastspitze der Schalde (mittelalterliches Fährschiff) tauschte Wirz gegen ein Kreuz aus. Die 13 Sterne des Beueler Wappens, die die einzelnen Ortschaften symbolisieren, reduzierte er auf einen Stern, der die Marienverehrung verdeutlicht. „Mein Bischofswappen soll zeigen, dass die Kirche in Bewegung ist und dadurch Hoffnung auf bessere Zeiten besteht', erklärte Wirz.

„Ich verstehe meine Arbeit mehr als die eines Priesters“, sagte Wirz. Seine Diözese erstreckt sich über eine 250 Kilometer lange Küstenlandschaft bis zur Grenze Brasiliens. Probleme gibt es viele. „Wir erleben eine bewegte Zeit. Die Drogen-Mafia ist überall präsent“, klagt der Bischof. Im Winter leben in diesem Landstrich auf der Südhalbkugel nur bis zu 150.000 Einwohner, im Sommer deutlich mehr als das Vierfache. Grund: Punta del Este ist von Dezember bis Februar ein beliebter Touristenort am Atlantik. Der Tourismus habe zwar für einen Teil der Gesellschaft Wohlstand in die Küstenregion gebracht, dafür aber seien die Preise für Wohnraum enorm angestiegen. „Menschen, die in volkstümlichen Häusern leben, können sich keine Heizung leisten und frieren deshalb in unseren Wintermonaten“, betonte Wirz.

Um die aktuelle Situation der katholischen Kirche in Uruguay mit Papst Franziskus zu besprechen, reiste Rodolfo Wirz mit den anderen Bischöfen des Landes von Uruguay nach Rom. Dabei drehten sich die Gespräche auch um die strikte Trennung zwischen Kirche und Staat in seinem Land. „Die katholische Kirche Uruguays ist auf die Hilfe aus Europa angewiesen', bemerkte der Bischof, der für die finanzielle und moralische Hilfe von der Pfarre St. Clemens und Sankt Maria in Schwarzrheindorf dankbar ist.

Beim Adventsbasar erhielt er zum wiederholten Mal eine großzügige Spende von Schwarzrheindorfer Freunden. „Wir müssen die Uruguayer dazu bewegen, dass sie die sozialen Probleme mehr durch den Glauben statt durch Gewalt und Korruption zu lösen versuchen. Obwohl wir in Uruguay einen blauen Himmel haben, hängt dieser trotzdem voller grauer Wolken. Graue Wolken, die Elend und Armut symbolisieren. Es wird immer schwerer, den Menschen eine frohe Botschaft zu überbringen. Dennoch ist die Kirche und vor allem der Papst Hoffnungsträger der Lateinamerikaner“, sagte Wirz.

Am 21. Dezember 2018 feiert der Bischof sein goldenes Priesterjubiläum in Maldonado. Schon jetzt planen Freunde und Verwandte den Besuch in Uruguay. „Wir waren auch zu seinem 25-jährigen Bischofsjubiläum im Dezember 2010 dort“, erklärte Winfried Richarz, der ebenfalls seit vielen Jahren den Kontakt zwischen Schwarzrheindorf und Maldonado hält. „Früher waren die Briefe bis zu zwei Monate unterwegs, heute schicken wie uns E-Mails“, erzählte Richarz.

Und wann geht ein Bischof in den Ruhestand? „Ich habe in diesem Jahr dem Papst einen Brief geschrieben und ihn gebeten, einen Nachfolger zu suchen. Die Antwort lautete: Die Bitte wird geprüft, es besteht keine Eile. Also mache ich so lange weiter, bis der Papst meinen Wunsch erhört“, sagte Wirz und freut sich jetzt erst mal auf das Weihnachtsfest in Südamerika – mit bunten Plastikbäumen und Feuerwerk am Strand.