Verkehrschaos und lange Schlangen in Bonn

Riesenandrang bei Casting von "Babylon Berlin"

Seit zwölf Uhr läuft das Casting zur dritten Staffel der Serie "Babylon Berlin".

Seit zwölf Uhr läuft das Casting zur dritten Staffel der Serie "Babylon Berlin".

Bonn. Der Andrang beim Casting zur dritten Staffel der Serie "Babylon Berlin" war so groß, dass der Verkehr teilweise still stand und das Casting für "Neuankömmlinge" bereits ab 13 Uhr geschlossen wurde.

Insgesamt 5000 Leute waren bis 13 Uhr zu dem Casting erschienen. Mit so viel Andrang hatten die Organisatoren wohl nicht gerechnet. Es konnten keine Personen mehr aufgenommen werden, da die mehr als 3000 Anmeldebögen da bereits verteilt und aufgebraucht waren. Bei einigen Castingbesuchern in der langen Schlange vor dem Brückenforum kam die Nachricht vom Aufnahmestopp nicht an. Kritik an den Veranstaltern kam auf.

Mit Andrang hatten Gregor Weber und seine Kollegen von der Casting-Agentur Eick durchaus gerechnet. Was sich am Samstagmittag rund um das Brückenforum in Bonn-Beuel zusammenbraute, überstieg dann aber alle Erwartungen. Weit mehr als 3000 Filmbegeisterte standen schon ab 8.30 Uhr vor dem Eingang um eine von 500 Komparsenrollen in der dritten Staffel der Erfolgsserie „Babylon Berlin“ zu ergattern. Die wird im Februar und März zu weiten Teilen im Rheinland gedreht.

Verena Lünso-Hens hat dafür zumindest die erste Hürde genommen. Um 12.30 Uhr steht sie mit einem Blatt Papier zufrieden auf der Kennedy-Brücke und schaut auf die Warteschlange unter sich. Die hat sich bis zum Mittag auf mehrere Kilometer verlängert. Mehrfach stehen Menschen jeden Alters und unterschiedlichster Herkunft um das Brückenforum und unter der Brücke hindurch bis zum Bahnhöfchen. Auf der Rheinaustraße und den Nachbarstraßen können Autos nur noch im Schritttempo passieren.

Teuerste deutsche Fernsehserie

„Das ist schon Wahnsinn“, sagt Lünso-Hens, die eigens mit dem Zug aus Witten angereist ist. Greta Garbo und Marlene Dietrich seien ihre Schauspiel-Idole. „Ich interessiere mich sehr für die 1920er-Jahre“, sagt sie. Die bislang teuerste deutsche Fernsehserie um den aus Köln stammenden Kriminalkommissar Gereon Rath spielte bislang im Berlin der späten 1920er-Jahre. Auf dem Filmset selbst einmal eine Zeitreise 100 Jahre zurück anzutreten, wäre für Lütse-Hens ein echter Traum.

Dafür hat sie wie all die anderen Glücklichen, die im Brückenforum Einlass gefunden haben, einen Bewerbungsbogen ausgefüllt. Körper- und Schuhgröße, Augenfarbe, Tätowierungen, Piercings, gefärbte Haare, Rauchgewohnheiten – die Filmleute wollen es schon ziemlich genau wissen. Mit der Nummer 1049 vor der Brust hat sie schließlich für ein Foto posiert und ist nun in der offiziellen Casting-Kartei aufgenommen.  „Ich werde mir jetzt wie gefordert bis Mitte Februar die Haare nicht mehr schneiden und bin auch bereit zu einer historischen Frisur“, sagt Lütso-Hens und schüttelt ihre üppige Dauerwelle. Nur eine Glatze möchte sie sich nicht rasieren lassen.

Entscheidung in Berlin

Wer hinterher mitspielen darf, wird Regisseur Tom Tykwer mit seinem Team erst später in Berlin entscheiden. Aber mitten im Getümmel steht im oberen Foyer des Brückenforums Dorothe Popovic. Die 33-Jährige ist zweite Regie-Assistentin für die Produktion von X-Film. Sie sucht schon gezielt nach bestimmten Charakteren für Kleinrollen. „Wir möchten möglichst authentische Gesichter“, erklärt sie. Massenszenen spielen in Wirtshäusern, im Frauen-Knast oder im Waisenhaus. „Es klingt etwas blöd, aber gerade bei den Frauen suchen wir eher nach solchen, die vom Leben gezeichnet sind als nach Models.“

Agentur-Mitinhaber Gregor Weber ist nach zwei Stunden Casting schon hoch zufrieden. Margie Kinsky, die Ehefrau von Bill Mockridge, habe sich schon an der Schlange vorbei gemogelt. Ein Kleinwüchsiger ist aus Leipzig gekommen. Ein Offizier war da. Auch für etliche Körperbehinderte gibt es passende Rollen und Besetzungen. Sogar eine Frau aus New York hat telefonisch ihr Kommen angekündigt.

Kostümprobe in Köln

„Die Chancen bei einem solchen Massen-Casting als Schauspiel-Talent entdeckt zu werden, tendieren ehrlich gesagt gen Null“, warnt Weber vor überzogenen Erwartungen. Und wer mitmacht, der muss ein bis drei Tage von fünf Uhr früh bis zum Abend für eine Aufwandsentschädigung zur Verfügung stehen. Vorher gibt es eine Kostümprobe in Köln, bei der auch die 40 Darsteller in Kleinrollen vorsprechen sollen. Für die Massenszenen braucht es dagegen keine besonderen Fertigkeiten: „Ins Gefängnis schaffen wir es doch alle“, lacht Weber.

In Berlin selbst sei beim Casting für die ersten Staffeln nicht annähernd so viel Andrang gewesen, erklärt der Agent. In Bonn sei die Begeisterung fürs Kino wohl noch groß und die Stadt als Drehort noch nicht so verbraucht. Vom 6. bis 12. März wird die Filmcrew in die Stadt kommen. Außerdem wird in Solingen, Krefeld, Köln und Düren gedreht.

Um 13 Uhr sind alle Casting-Bögen verteilt. Damit vier Stunden später die Karnevalssitzung im Großen Saal steigen kann, schicken Webers Mitarbeiter die übrigen Bewerber wieder nach Hause. „Macht nichts. Ich wäre ohnehin lieber bei den ,Walking Dead‘ aufgetreten“, sagt ein älterer Bonner zu seiner Frau und lacht.

Ein Trostpflaster gibt es: Am kommenden Samstag, 26. Januar von 12 bis 17 Uhr gibt es noch einen Casting-Termin in der End-Art Kulturfabrik in Düren. Die Bonner Szenen in der Serie Babylon Berlin sollen dann 2020 ausgestrahlt werden, erklärt Popovic.