Stadt verbietet kritische Sprüche beim Beueler Zug

Realschule Beuel durfte Asbest-Plakate nicht zeigen

Diese Plakate durften die Zugteilnehmer der Realschule nicht zeigen, sonst hätten sie nicht teilnehmen dürfen.

Diese Plakate durften die Zugteilnehmer der Realschule nicht zeigen, sonst hätten sie nicht teilnehmen dürfen.

BEUEL. Beim Karnevalszug in Beuel hat die Stadt der Beueler Realschule das Zeigen von Plakaten untersagt. Die Gruppe wollte auf die Probleme mit Asbest am Schulgebäude aufmerksam machen.

Bei der Aufstellung für den Karnevalszug in Beuel hat die Stadt der Teilnehmergruppe der Beueler Realschule das Zeigen von Plakaten untersagt. Darauf war beispielsweise der Spruch "Eine Faser reicht und du kommst ins Himmelreich" zu lesen. Unter dem Motto "Wir haben ein neues Nest, leider mit Asbest" hatten Schule und Schulpflegschaft die Teilnahme am Karnevalszug angemeldet.

Damit wollten sie nach dem Umzug aus ihrer alten sanierungsbedürftigen Liegenschaft in die frühere Anne-Frank-Schule auf die dortigen Probleme mit Asbest hinweisen. Wie berichtet, ist Asbest in den Mauern festgestellt worden. Die Stadt hat keine Gesundheitsbedenken, weil der Schadstoff gebunden sei.

Als die Gruppenteilnehmer am Donnerstagmorgen mit ihren Plakaten ihre Plätze eingenommen hatten, sprach die Zugleitung ein Verbot aus, die Plakate zu zeigen. Ansonsten würden die Teilnehmer vom Zug ausgeschlossen. "Wir waren schockiert und haben dann zugestimmt, um niemanden zu enttäuschen", sagte dazu die Schulpflegschaftsvorsitzende Ramona Schreiter am Nachmittag auf Anfrage. Zumal sie sagt, das Motto sei bei der Anmeldung angekündigt worden, und es habe keinen Widerspruch von der Bezirksverwaltung gegeben. Die Schulleitung war für Rückfragen nicht zu erreichen. Das Vorgehen der Zugleitung habe sie als barsch empfunden.

Der Zugleiter selbst verwies ans städtische Presseamt. Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann sagte dazu: "Schon im Vorfeld des Zuges ist der Schule mitgeteilt worden, dass das Motto abgelehnt wird." Als Grund nennt Hoffmann, "dass Schilder gezeigt werden sollten, die gegen die Stadt gerichtet sind". Und da es sich im Gegensatz zum Rosenmontagszug um eine städtische Veranstaltung handele, habe man entsprechend entschieden.

Die Angaben der Schulpflegschaft stehen also im Widerspruch zur Aussage der Stadtverwaltung. Dem GA liegt eine Bestätigungs-E-Mail über die erfolgreiche Anmeldung der Realschule für 750 Personen am Zug vor, in der das Motto mit keinem Wort erwähnt wird.

Aus Schreiters Sicht ist die Entscheidung überzogen. "Wir wollten niemanden beleidigen, sondern eine politische Botschaft loswerden." Uwe Rieske, dessen Frau an der Realschule unterrichtet, sieht das ähnlich: "Für mich ist dies ein Beispiel für eine absolut überzogene Haltung der Politcal Correctness, in Köln oder Düsseldorf wäre dies mit Sicherheit als besonders gelungenes Beispiel einer karnevalistischen Aktion gewürdigt worden."