Schonung des Waldes

Rückepferde im Ennertwald im Einsatz

Holzrücker Stanek Ledwon gibt die Kommandos, und Kaltblut Pit zieht die Baumstämme aus dem Wald bis zur Rückegasse.

Holzrücker Stanek Ledwon gibt die Kommandos, und Kaltblut Pit zieht die Baumstämme aus dem Wald bis zur Rückegasse.

Beuel. Pit und Stanek Ledwon sind ein eingespieltes Team. Das Kaltblut und der Holzrücker arbeiten seit Wochen in einigen Hanglagen des Ennertwaldes. Sie werden dort für die nachhaltige Holzwirtschaft eingesetzt.

Dort, wo Maschinen schwere Schäden im Mikroorganismus des Waldbodens hinterlassen würden, verdichtet das Kaltblut mit viel weniger Gewicht und Druck nur punktuell das sensible Erdreich. Revierförster Bernd Sommerhäuser, der für das Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft den Forstbezirk Hardt betreut, setzt auf diese besonders schonende Form der nachhaltigen Holzwirtschaft: „Es gibt gleich mehrere Gründe, weshalb der Landesbetrieb Wald und Holz gerne Arbeitspferde im Wald einsetzt. Allen voran steht die Tatsache, dass ein intakter Waldboden das wichtigste Ökosystem für einen gesunden Zukunftswald darstellt.“

Die biologischen Aktivitäten im Erdreich würden durch Verdichtung schlimmstenfalls für immer versiegen. „Das ist kein Trend in der Holzwirtschaft, sondern wissenschaftlich nachgewiesen und damit zukunftsorientiert“, betont Sommerhäuser. Und es gibt nach Auskunft des Försters noch einen weiteren wissenschaftlich fundierten Aspekt: Wenn Spaziergänger Pferde im Wald arbeiten sehen, verspüren sie ein Wohlempfinden.

Für diese schonende Durchforstung des Waldes bedienen sich die Forstämter der Mithilfe von speziellen Fachbetrieben, sogenannten Fuhrhaltereien. Ein Unternehmer dieser Art sitzt in Erkrath und wird von Elmar Stertenbrink geleitet. Sechs Kaltblüter zählt er zu seinem Betriebskapital. Diese Pferde werden über Jahre ausgebildet und trainiert bis sie zu einem Arbeitspartner des Menschen reifen. „Pferd und Holzrücker arbeiten stets auf Augenhöhe. Der eine kann nicht ohne den anderen. Das ist absolutes Teamwork“, erklärt Stertenbrink in einem Gespräch mit dem GA.

Im Niederwald eingesetzt

Solche Rückepferde werden vorwiegend in schwierigen Waldlagen eingesetzt und im sogenannten Niederwald. Dieser Begriff der Waldbewirtschaftung stammt aus einer Zeit, da man junges Holz auf alten Baumstümpfen hat austreiben lassen. Diese Austriebe wurden dann alle paar Jahre wieder abgeschnitten. Mit Ende des Zweiten Weltkrieges wurde diese Form der Holzgewinnung eingestellt. „Aber von diesen Wäldern existieren heute noch einige. Unser Ziel ist es, diesen Wald nach und nach in einen gesunden Hochwald mit möglichst geraden Stämmen umzuwandeln“, so Sommerhäuser.

Das Problem dabei ist aber die Holzernte im Niederwald. „Früher hätte man auf einer solchen Fläche einen Kahlschlag vorgenommen und neue Bäume gepflanzt. Heute werden einige alte Bäume markiert, gefällt, aus dem Wald gezogen und an der Rückegasse aufgeladen und abtransportiert – alles von einer Firma.“ Durch die Herausnahme der Bäume wird Licht und Luft für den neuen Hochwald geschaffen. Durch die Naturverjüngung – aus einer herabfallenden Eichel wächst ein neue Eiche – wächst der junge Hochwald unter dem schützenden Dach des Altbestandes heran.

Pit und Stanek Ledwon arbeiten derzeit gemeinsam mit einem zweiten Gespann auf einer sechs Hektar großen Fläche. Alle 40 Meter wurde eine Rückegasse angelegt, sodass die Pferde die Stämme maximal 20 Meter nach links oder rechts ziehen müssen. „Ein Stamm darf höchstens ein Viertel des Körpergewichts vom Pferd wiegen. Wir müssen und wollen diese Regeln des Tierschutzes einhalten, weil es uns wichtig ist, dass die Pferde ihre Arbeit gerne und lange tun können“, sagte Stertenbrink. Die bis zu einer Tonne schweren Kaltblüter erhalten jeden Abend ein spezielles, aus Zuckerrübenschnitzeln, Mais und Gerste gemischtes Kraftfutter. „Die Tiere arbeiten wie Hochleistungssportler und benötigen daher viele Kohlenhydrate“, weiß Stertenbrink.