Politiker in der Zwickmühle

Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl in Bonner Schulen

Diskutieren in gelöster Atmosphäre, (v.l.) Ulrich Kelber (SPD), Katja Dörner (Bündnis 90/Die Grünen), die Moderatoren Anton May und Thea Port Le Roi, Jürgen Repschläger (Linke) und Claudia Lücking-Michel (CDU).

Diskutieren in gelöster Atmosphäre, (v.l.) Ulrich Kelber (SPD), Katja Dörner (Bündnis 90/Die Grünen), die Moderatoren Anton May und Thea Port Le Roi, Jürgen Repschläger (Linke) und Claudia Lücking-Michel (CDU).

Beuel. Gesamtschüler forderten vier Parteivertreter auf einer Podiumsdiskussion in der Aula der Integrierten Gesamtschule heraus. Und die kamen am Ende tatsächlich in Verlegenheit.

Etwa 400 Schüler versammelten sich in der Aula der Integrierten Gesamtschule (IGS), um einen der Höhepunkte der Aktion „Juniorwahl 2017“ zu verfolgen, die seit ihrer Geburtsstunde 1999 zum größten Schulprojekt Deutschlands herangewachsen ist. Das handlungsorientierte Konzept der Juniorwahl soll zur politischen Bildung an weiterführenden Schulen beitragen und das Erleben und Erlernen von Demokratie ermöglichen.

Zur Meinungsbildung hatte die Schülerverwaltung (SV) der IGS bereits vor den Sommerferien damit begonnen, Abgeordnete verschiedener Parteien für die am Donnerstag stattgefundene Podiumsdiskussion einzuladen. Katja Dörner (Bündnis 90/Die Grünen), Ulrich Kelber (SPD), Alexander Graf Lambsdorff (FDP), Claudia Lücking-Michel (CDU) und Jürgen Repschläger (Linke) hatten ihr Kommen zugesagt.

Nur Graf Lambsdorff musste am Tag der Veranstaltung seine Teilnahme absagen. Auf die Einladung eines Vertreters der AfD hatte die SV verzichtet. Souverän moderiert wurde die gut 90-minütige Diskussion von den beiden Schülersprechern Thea Port Le Roi (19) und Anton May (18).

Bereits in der Vorstellungsrunde der vier Parteivertreter wurde deutlich, dass man sich zehn Tage vor der Bundestagswahl inmitten der heißen Phase des Wahlkampfs befand. Die daran anschließenden Fragen der Schülersprecher betrafen insbesondere Themenbereiche, die vor allem für die Erstwähler relevant waren. „Wie sehen sie die Zukunft Europas?“ ließ noch keine wirklichen Kontroversen zwischen den Parteien sichtbar werden.

Keine neuen Erkenntnisse

Auch das Stichwort „Digitalisierung“ eröffnete den Politprofis die Möglichkeit, aus den vielfältigen Bereichen des Themas ihre jeweiligen Kompetenzen herauszustellen. Angriffe oder Kontroversen blieben auch dabei aus. Erst zum Bildungssystem in Deutschland taten sich ebenso unterschiedliche Auffassungen auf, wie zu der Frage nach den Mobilitätskonzepten der Parteien, nach einer Neuordnung des Öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) oder auch zum Thema Datensicherheit.

Während die eine Partei kostenlose Bildungsangebote und ebensolche für den ÖPNV forderte, konterte die andere mit der Frage nach der Finanzierbarkeit. Auch die Anfrage aus dem Publikum, welche Koalitionen man miteinander eingehen wolle, brachte keine neuen Erkenntnisse.

Neu und originell war die Bitte eines Schlusswortes an die Diskutanten, in dem sie aufgefordert wurden, eine Wahlempfehlung für ihren jeweils linken Sitznachbarn auszusprechen. Selbst der Versuch der Grünen Katja Dörner, den Schülervertreter Anton May vorzuschlagen, entließ sie nicht aus der Zwickmühle, so dass sie eine Laudatio auf Jürgen Repschläger von den Linken halten musste.

„Ich kenne ‚Repi‘ ganz gut“, sagte sie und dass sie davon überzeugt sei, mit ihm Kompromisse finden zu können, mit denen auch eine Rot-Rot-Grüne Regierung funktionieren würde. Nun hatte Repschläger die Aufgabe und damit sichtlich Schwierigkeiten, eine Empfehlung für die Christdemokratin Claudia Lücking-Michel auszusprechen. 26 Jahre habe er nicht gewählt, weil alles nur ein „Einheitsbrei“ gewesen sei. Nun könne er auch nicht Lücking-Michel empfehlen, obwohl er anerkenne, dass sie manchmal selbstbewusst und beharrlich in der CDU gegen den Kamm bürste.

Dass Sozialdemokrat Ulrich Kelber gerade für Bonn „immer dicke Bretter gebohrt habe“, so Lücking-Michel, rechne sie ihm hoch an und führe dazu, dass sie seine Wahl befürworten könne. So geehrt konnte Kelber auch Katja Dörner mit den Worten empfehlen, dass sie im Bundestag schließlich als „Madame Kinderrechte“ bekannt sei. Der große Applaus der Schüler galt allen Beteiligten auf dem Podium.