Vor Cop23

Pilgern für Klimagerechtigkeit

Erst in der Dämmerung erreichen die Pilger das Beueler Rheinufer.

Erst in der Dämmerung erreichen die Pilger das Beueler Rheinufer.

BONN. Vor der Weltklimakonferenz wanderten rund 50 Gläubige beider Konfessionen von der Wartburg an den Rhein. Mit dabei waren zudem zwei ungewöhnliche Begleiter.

Die Anstrengungen der rund 370 Kilometer langen Strecke war weder den rund 50 Wanderern noch den beiden Lamas anzusehen, die sich am Freitagmittag zu einer Rast vor der evangelischen Kirche in Oberpleis versammelt hatten. Bei sonnigem Herbstwetter hatten die Teilnehmer des „Ökumenischen Pilgerwegs für Klimagerechtigkeit“ noch wenige Minuten zuvor den kurzen Anstieg hinauf zu dem Gotteshaus bewältigt und bevor nun ein kleiner Imbiss die Halbzeit der letzten von insgesamt 16 Tagesetappen einleitete, war für die menschlichen Teilnehmer zunächst geistige Nahrung in Form einer kurzen Andacht gefragt. Die Pilger aus ganz Deutschland hatten sich am 18. Oktober auf den Weg nach Bonn gemacht: Anlass ist die UN-Klimakonferenz und die letzte, knapp 20 Kilometer lange Etappe führte die Pilger am Freitagmorgen von Hennef über Oberpleis bis zur Nachfolge-Christi-Kirche in Beuel.

„Das Gebäude, in dem wir uns hier befinden, hat man in den 70er Jahren einfach vergessen abzureißen.“ Mit diesen Worten begrüßte Pfarrer Heiko Schmitz die Pilger in der „Notkirche von Otto Bartning, Typ D“. Diesen durchaus sperrigen Namen konnten die Teilnehmer an der Langstreckenwanderung bereits mehrfach auf den Wegweisern lesen. Was sich dahinter verbirgt, erläuterte Schmitz seinen Gästen vor dem gemeinsamen Gebet: Der Bauhaus-Architekt Bartning habe quasi eine Art „Fertighauskirche“ entworfen, um in kleinen Gemeinden mit im Krieg zerstörten Kirchen, schnell wieder ein Gemeindezentrum errichten zu können und das Holzgebäude in der zu Königswinter gehörenden Gemeinde sei eine der wenigen erhaltenen Kirchen dieses Typs.

Lamas machen sich nützlich

Als die Pilger nach der Andacht hinüber in das Gemeindezentrum auf der anderen Straßenseite strömten, um bei einem Imbiss nun auch dem Körper Tribut zu zollen, zog es Ulrike Schaich zuerst zu Iska und Luna: „Das sind unsere beiden Südamerikabotschafter“, stellte sie die beiden Lamas vor. Sie gehe sehr gerne wandern, habe aber irgendwann keine Lust mehr gehabt, das Gepäck alleine zu schleppen, erzählte die Pfarrerin der Gemeinde Altdorf bei Nürtingen lachend. Lamas möge sie wegen ihrer Eigenwilligkeit und gleichzeitigen Kooperationsbereitschaft. Zu Hause halte sie sechs dieser Tiere auf knapp einem Hektar Land. Als sie sich entschieden habe, an der Pilgerreise teilzunehmen, sei schnell klar geworden, dass mindestens zwei Lastentiere mitkommen würden. Zum einen der erhöhten Aufmerksamkeit wegen, zum anderen, weil sie die Gruppenidentifikation steigerten.

Nicht alle der 50 Teilnehmer der letzten Etappe sind übrigens die komplette Strecke gelaufen: „So lange wollte mich meine Gemeinde nicht fortlassen“, so Schaich. Um die 20 Teilnehmer machten es wie sie und liefen nur die letzten zwei oder drei Etappen mit. Einer, der ebenfalls nicht von Anfang an dabei war ist Kai Horstmann: „Auf dem Weg von der Wartburg bis Bonn haben wir bewusst Orte wie die Notkirche besucht, an denen die Bedrohung des Friedens und der Schöpfung deutlich zu Tage tritt“, so der Pfarrer des Gemeindedienstes für Mission und Ökumene (GMÖ) in der Region Köln/Bonn, der die letzte Etappe mitorganisiert hatte. „Klimapilgern“ vereine das gemeinsame Unterwegssein von Christen verschiedener Konfessionen mit dem Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Bereits vor zwei Jahren hatte eine ähnliche Pilgerreise von Flensburg in die Gastgeberstadt der damaligen Klimakonferenz Paris geführt.