Modellbau-Ausstellung

Pützchens Markt im Kleinformat im Blauen Haus

Pützchen. Modellbauer aus ganz Deutschland zeigen noch bis Sonntagabend naturgetreu nachgebaute Karussells im Blauen Haus der Nommensenkirche am Holzlarer Weg in Pützchen.

Es blinkt und leuchtet, surrt und klackert. Im Kleinen stehen die Karussells der aus ganz Deutschland angereisten Modellbauer ihren großen Vorbildern auf Pützchens Markt in nichts nach. Ein Wochenende lang können die Fans der Miniaturwelten im Blauen Haus der evangelischen Gemeinde staunen und mit den anwesenden Modellbauern fachsimpeln.

„Mit der Krake von der Firma Uhse aus Bremen, die der Bonner Schaustellerfamilie Markmann gehört, die jetzt mit dem Ocupussy auf Pützchen sind“, sagt Uwe Rodloff, habe alles bei ihm angefangen. In den wenige Sätzen wird bei Rodloff wie auch bei seinen Modellbaukollegen deutlich, dass es nicht nur um den Nachbau von Fahrgeschäften geht, sondern, dass man sich im Großen und Ganzen mit der Welt der Schausteller beschäftigt.

Man weiß, wer da draußen in der „richtigen“ Welt welches Karussell betreibt, wann es gebaut wurde, was die Finessen sind und vor allem, wie viel Zeit es braucht, sie detailgetreu nachzubauen. Da können schon mal Jahre drüber vergehen, bis ein Fahrgeschäft so aussieht, wie es im Blauen Haus zu bestaunen war. Fünf Jahre hat Rodloff alleine an „Hully Gully“ gearbeitet, das sich nun vor ihm dreht. Dass die Hydraulik gerade mal streikt, fällt kaum auf.

Die meisten der etwa ein Dutzend Großmodelle sind inzwischen hoch komplexe feinmechanische Arbeiten. „Als ich vor 25 Jahren anfing, Karussells zu bauen“, erzählt Ralf Hackmann (49), „da war so etwas noch gar nicht möglich.“ Er zeigt dabei auf seinen „Commander“, ein so genanntes Rundfahrgeschäft, an dem sich Gondeln im Kreis und um sich selber drehen. Nur durch die inzwischen käuflichen Miniatur-Motoren, die teilweise nur wenige Millimeter messen, ist es möglich geworden die Fahrgeschäfte in Maßstäben von den dort ausgestellten 1:14,5, 1:50 oder sogar 1:87 (H0) naturgetreu in Bewegung zu bringen. „Ohne Internet wäre das alles gar nicht zu schaffen“, sagt Hackmann. Vieles bezieht er direkt aus China.

Manches lässt er sich von Spezialisten mit 3-D-Druckern herstellen. Auch Stephan Hirschfeld aus Bad Arolsen hat seine speziellen Quellen, die sich in den einschlägigen Modellbauforen auftun. So lässt er die 5000 Figuren, die seine sechs Quadratmeter umfassende Kirmeslandschaft bevölkern, von einer älteren Dame bemalen, die er über das Internet gefunden hat. Er beschäftigt sich lieber mit dem ständigen Aus- und Umbau seiner auf 20 Modulen zusammengesetzten Kirmeswelt.

Alle seine Fahrgeschäfte von der Raupenbahn über den „Hexentanz“, die „Feuersäule“, den Autoscooter bis hin zum Riesenrad, um nur einige zu nennen, sind originale Nachbauten. Über 50000 LEDs sorgen für ein bunt leuchtendes Kirmestreiben, was im verdunkelten Raum besonders eindrucksvoll sein muss. Zusammen mit seinem Vater Uwe, der in frühesten Jahren einmal mit einer Schaustellerin liiert war und seitdem einen besonderen Blick auf das Geschäft mit Spaß und Nervenkitzel gewonnen hat, wird ständig weitergebaut.

„Fertig wird man nie“, ist nicht nur von den Hirschfelds zu hören. Auch Mathias Prenlow aus Königslutter kann ein Lied davon singen, denn während sich schon die Besucher um seine riesige „Enterprise“ (Maßstab 1:14,5) drängten, war auch hier der Fehler in der Hydraulik noch nicht gefunden, die das in den 1970er Jahren beliebteste Überkopffahrgeschäft in einem 90-Grad-Winkel aufstellt. Trotzdem galt ihm, wie auch allen anderen Modellbauern der größte Respekt der großen und kleinen Besucher.

„Was die hier machen, ist einfach unfassbar“, war von Horst Kurdenbach (72) aus Köln zu hören, dessen größtes selbst gebautes Modell der Bonner Bahnhof ist. Im Gegensatz zu den meist bis in das kleinste Detail selbst angefertigten Karussells, musste der Kölner allerdings zugeben, dass sein Bahnhof aus einem Bausatz stammt.