Von Alte Kameraden bis Zupforchester

Oberkassel ist ein Mekka der Vereine

Oberkassel. Statistisch gesehen ist jeder Bürger in Oberkassel Mitglied in mindestens zwei Clubs. Der Verband der Ortsvereine Oberkassel (VdO) koordiniert das Vereinsleben.

Vom Vereinsmeier distanziert sich Rolf Sülzen. „Nein, das bin ich nicht“, sagt er mit Bestimmtheit. Sein Leitsatz ist: „Mach einen Verein – und den richtig. Es ist ja ein Ehrenamt.“ Aber der Vorsitzende des Verbands der Ortsvereine Oberkassel (VdO) will nicht ausschließen, dass er Vereinsmeier kennt. Er findet jedoch, dass „die Bezeichnung einen positiven Kern hat. Denn auf das Engagement sind wir angewiesen.“

Geht es nach der Statistik, gibt es in Oberkassel eine erstaunliche Vereinsdichte pro Einwohner. Unter dem Dach des VdO sind 32 Vereine versammelt, die wiederum insgesamt rund 5500 Mitglieder haben. Dazu kommt ein Dutzend Vereine, die nicht dem VdO angehören. Aktuell hat der Stadtteil knapp 7000 Einwohner. Da auch Kleinkinder mitgezählt werden und alle, die mit Vereinen rein gar nichts am Hut haben, sind die verbleibenden Oberkasseler theoretisch in mindestens zwei, wenn nicht drei Vereinen.

„Das war schon immer so, das ist eine Oberkasseler Besonderheit“, bestätigt Sülzen. So erklärt sich auch, dass bereits vor 91 Jahren wegen der Vielzahl der Vereine ein Dachverband gegründet wurde – vornehmlich zur Koordinierung von Terminen und Aktionen sowie als Bindeglied zur Politik und zu anderen Einrichtungen. Seither ist der VdO – bis auf eine fünfjährige Pause in den 1960ern – der Rahmen in der Vereinslandschaft.

Förderverein des Kulturzentrums Altes Rathaus

Fünf Männer und zwei Frauen stellen aktuell den VdO-Vorstand. Seit Sülzen vor elf Jahren den Vorsitz übernommen hat, ist die Zahl der Mitgliedsvereine gleich geblieben. Für den Bürgerverein beispielsweise, der sich aufgelöst hat, kam die Werbegemeinschaft neu hinzu. Es gibt einige junge Vereine: unter anderem AGORa, den Förderverein des Kulturzentrums Altes Rathaus.

In mindestens sieben Vereinen war Sülzen seit Kindesbeinen Mitglied, 25 Jahre in der Freiwilligen Feuerwehr. „Als Oberkasseler wächst man automatisch ins Vereinsleben hinein“, erklärt er. Manchmal bleiben Ämter in der Familie wie beim Damenkomitee Nixen vom Märchensee. Da hat die Tochter die Mutter abgelöst. Die Mutter, Ute Groll alias Madam Motterbodemm, ist jetzt „jüngstes“ Ehrenmitglied im VdO.

Was ist mit den Neubürgern? Oberkassel verzeichnet in den vergangenen Jahren einen starken Zuwachs. „Sie werden von den Vereinen angesprochen und eingeladen.“ Darin mag das Geheimnis gesunder Vereinsstrukturen liegen. Dass eine Mitgliedschaft zudem ein starker Integrationsfaktor ins Ortsleben ist, liege auf der Hand. Einmal im Jahr wird die „Oberkasseler Zeitung“ in allen Haushalten verteilt. Herausgeber ist der VdO. Dort stellen sich die Vereine von den Alten Kameraden bis zum Zupforchester vor. „So wollen wir Zugezogenen die Scheu nehmen, uns kennenzulernen“, erläutert Sülzen.

Intensive Jugendarbeit

Weiterer Schwerpunkt sei eine intensive Jugendarbeit. Das könnte das zweite Geheimnis des außerordentlich aktiven Vereinslebens sein. Tambourcorps Grün-Weiss und Feuerwehr beispielsweise bieten Schnupperkurse an. Sülzen: „Es liegt an den Leuten, die es machen. Es soll nicht halbherzig sein, muss aber nebenbei laufen, weil schließlich alle berufstätig sind.“

Aus Verbandssicht sind die Vereine „gut aufgestellt“. Freilich gebe auch schlechte Zeiten. Sülzen beobachtet ein Auf und Ab wie Wellenbewegungen. „Die KG Kaasseler Jonge etwa hatten viele Jahre eine ausverkaufte Bürgersitzung. Dann blieb das Publikum weg, und auch Mitglieder wurden weniger. Aber es wird wieder aufwärts gehen.“ Anderes Beispiel ist der 111-jährige Kaninchenzuchtverein R 415. Da ist nur noch ein kleiner Kreis geblieben.

Weil nicht immer eitel Sonnenschein in der Vereinslandschaft herrscht, ist Sülzen auch immer wieder als Schlichter gefragt. Gründe für Ärger gebe es viele, meint er, entweder die Chemie stimmt nicht, oder es geht um gekränkte Eitelkeiten und widerstreitende Grüppchen. Rundheraus meint er: „Oftmals liegt es am Vorstand wie beim vielzitierten Fisch.“ Es dürfe nichts erzwungen werden, „alle sind freiwillig dabei. Die Mitglieder wollen nicht gegängelt werden. Der Vorstand ist nicht der Chef, die Mitglieder sind nicht die Angestellten.“ Wichtig sei, dass am Ende alles wieder ins Lot komme, wobei erfahrungsgemäß für die Oberkasseler vergeben nicht gleichbedeutend mit vergessen sei.