Rettungsdienst in Bonn und der Region

Notärzte üben den Ernstfall

Eine Übung, die alle Beteiligten fordert und anspannt: Die Ausbildung zum "Arzt im Rettungsdienst" in Beuel.

Eine Übung, die alle Beteiligten fordert und anspannt: Die Ausbildung zum "Arzt im Rettungsdienst" in Beuel.

Beuel. 35 Mediziner legen in Beuel die Prüfung zum „Arzt im Rettungsdienst“ ab. Die Jungmediziner, die sich für die Spezialausbildung interessierten, kamen aus ganz Deutschland nach Bonn.

Seit 29 Jahren findet in Bonn die Fortbildungsveranstaltung für Ärzte statt, damit sie als „Arzt im Rettungsdienst“ zum Einsatz kommen können. Und zum 29. Mal war Andreas Bartsch derjenige, der den Jungmedizinern in dieser Zusatzausbildung sein Wissen weiter gab. Dabei hatte Bartsch, nach 45 Jahren als Lebensretter im Einsatz, Ende 2015 seine rote Weste, die ihn als Notarzt im Einsatz kennzeichnete, an den Nagel gehängt (der GA berichtete).

Aus ganz Deutschland waren 35 fertig ausgebildete Ärzte für eine Woche nach Bonn gekommen, um diese freiwillige Zusatzausbildung als ‚Arzt im Rettungsdienst‘, kurz Notarzt genannt, zu absolvieren. „Mindestens ein Jahr klinische Erfahrung“, berichtet Andreas Bartsch, „müssen die Ärzte mitbringen, bevor sie an dieser Zusatzausbildung teilnehmen können“. Hauptsächlich Internisten, Anästhesisten und Chirurgen, so Bartsch, nehmen daran teil sowie ein paar wenige aus den anderen Fachgebieten.

Cristian Gherman aus Ranzbach-Baumbach, der gerade eine Ausbildung zum Internisten macht, war schon immer fasziniert von der Arbeit, die der Rettungsdienst leistet. „Ich möchte den Außendienst machen, um auch diese Seite der Medizin kennenzulernen“, erzählte er. Maite Langenbach aus Köln möchte nach dieser Ausbildung als Notarzt arbeiten. „Interesse am Fach“ sagt er. Belen Barrera, ebenfalls aus Köln, aber mit spanischen Wurzeln, ist an der Notfallmedizin interessiert. „Nach dieser Ausbildung müssen wir nicht ins kalte Wasser springen“, meint sie.

Rettungswache in Beuel

Eine Woche lang, täglich neun Stunden, haben die angehenden Notärzte das theoretische und praktische Rüstzeug für den Einsatz auf der Feuer- und Rettungswache in Beuel erlernt. Sie können nach einem ergänzendem Praktikum im Notarztdienst bei der Ärztekammer Nordrhein den Nachweis als „Fachkunde Rettungsdienst“ erhalten.

Die Ärztekammer Nordrhein hat den Kurs zusammen mit dem Zentrum für Rettungs- und Notfallmedizin des Bonner Universitätsklinikums, dem Waldkrankenhaus (Johanniter Kliniken), der „Arbeitsgemeinschaft Notärzte“ (AGNNW) und der Feuerwehr sowie dem Rettungsdienst der Stadt Bonn veranstaltet.

Spannend wurde es Samstag. Die praktischen Übungen wurden mit großem personellen Aufwand von der Berufsfeuerwehr, der Freiwilligen Feuerwehr, der Jugendfeuerwehr, dem Jugendrotkreuz Bornheim und dem Malteser Hilfsdienst durchgeführt: Ein Einsatz bei einem Gebäudebrand. Die Feuerwehr „rettete“ die Menschen mit der großen Drehleiter oder zu Fuß.

Brand- und Unfallopfer

Eine erste Sichtung der Brandopfer musste vorgenommen werden – „keine Versorgung“, gab Bartsch den künftigen Notärzten mit auf den Weg. Denn es muss schnell gehen, damit die Verletzten, egal ob Brand- oder Unfallopfer, mit einer ersten Beurteilung im Rettungswagen (RTW) in die zuständige Notfallklinik gebracht werden können. Reanimationsmaßnahmen im RTW bildeten dann als praktische Übung den Abschluss.

„Die Arbeit als Arzt im Rettungsdienst finde ich viel spannender und abwechslungsreicher als das tägliche Einerlei in einer Klinik“, sagte Bartsch zum Abschluss der Fortbildungsveranstaltung in Beuel.