Wohnungsbau-Pläne

Neue Besitzer der Brotfabrik in Beuel fürchten Lärmbeschwerden

Neue Macher in der Brotfabrik: Ruth Friedrich (von links), Ulrich Meier, Markus Schönenberger, Jürgen Becker und Sigrid Limprecht.

Neue Macher in der Brotfabrik: Ruth Friedrich (von links), Ulrich Meier, Markus Schönenberger, Jürgen Becker und Sigrid Limprecht.

Beuel. Drei Familien haben die Brotfabrik in Beuel übernommen und haben schon Pläne für die Zukunft des Kulturzentrums geschmiedet. Sorgen machen ihnen aber mögliche neue Nachbarn.

Die Brotfabrik hat seit dem 1. Juni neue Eigentümer. Drei Familien – zwei davon aus Beuel – haben das Gelände in der Kreuzstraße 16 bis 18 samt Immobilien von Voreigentümer Hans Troullier erworben und die Brotfabrik Familien KG gegründet.

„Unsere ausdrückliche Zielsetzung dabei ist es, den über Jahrzehnte gewachsenen, lebendigen, qualitativ wertvollen Kulturstandort Brotfabrik in Beuel zu erhalten und im Rahmen unserer wirtschaftlichen Möglichkeiten zu entwickeln. Wir befürworten auch die Einbindung von soziokulturellen Einrichtungen in die urbane Umgebung“, erklärten Ulrich Meyer und Markus Schönenberger. Damit spielten die beiden neuen Inhaber – der dritte im Bunde möchte ungenannt bleiben – auch auf die gerade von der Bezirksvertretung Beuel beschlossene Studie für ein Kulturquartier Beuel an.

„Eigentlich wollten wir erst mal uns in Ruhe mit den Aufgaben vor Ort vertraut machen. Dass aktuelle politische Themen wie das Kulturquartier und die angedachte Wohnbebauung auf dem benachbarten Post-Areal uns von Anfang an beschäftigen werden, davon sind wir nicht ausgegangen“, sagten beide übereinstimmend.

Wegen der Post-Thematik – der Kölner Investor SMC 1 will auf dem Grundstück 50 Wohnungen bauen – hat die Brotfabrik Familien KG allen Mitgliedern des städtischen Planungsausschusses eine E-Mail geschrieben. Darin bitten die neuen Eigentümer der Brotfabrik bei der anstehenden Entscheidung im Planungsausschuss zu berücksichtigen, dass von ihrem Grundstück Lärmemissionen ausgehen, die bei einer künftigen Wohnbebauung auf dem benachbarten Grundstück zu Problemen führen könnten. „Dadurch könnten gerichtliche Klagen entstehen, die die Brotfabrik in ihrem Handeln stark einschränken könnten. Die Erfahrungen der letzten Jahre in Bonn haben gezeigt, was solche Klagen für Klangwelle und Kunstrasen bedeutet haben“, erklärten die neuen Eigentümer.

Getränkemarkt als Zusatzfläche

Grundsätzlich erkennen die beiden die Notwendigkeit, innerstädtischen Wohnraum zu schaffen. Sollte es zu dem Wohnungsbau kommen, müsste die Stadt dafür Sorge tragen, dass der Bauherr dazu verpflichtet wird, ausreichenden Lärmschutz zwischen den Neubauten und der Brotfabrik zu berücksichtigen.

Der Verein Traumpalast, der mit seinen Institutionen wie zum Beispiel Brotfabrik und Theater Marabu Nutzer der Immobilien in der Kreuzstraße 16 bis 18 ist, setzt große Hoffnungen in den Eigentümerwechsel. „Wir platzen aus allen Nähten und benötigen dringend mehr Nutzfläche“, sagte Sigrid Lamprecht, Vorsitzende des Traumpalasts. Sie denkt dabei an die Räumlichkeit des ehemaligen Getränkemarkts, die derzeit auf dem Brotfabrik-Gelände als Lagerraum genutzt wird. „Diese 254 Quadratmeter würden wir gerne als Veranstaltungs- und Probenraum nutzen. Dafür müssen aber der Brandschutz verbessert sowie eine Lüftung und eine Heizung eingebaut werden“, so Lamprecht.

Für den Umbau wäre laut der Traumpalast-Leitung das Städtische Gebäudemanagement als direkter Mieter zuständig. „Mit dem Kulturamt haben wir bereits Kontakt aufgenommen. Aber wir kommen derzeit mit dem Thema leider nicht weiter“, erklärte Jürgen Becker, stellvertretender Vereinsvorsitzender. Lamprecht und Becker hoffen, dass die neuen Eigentümer beim Abarbeiten des Sanierungsstaus und der Suche nach mehr Platz behilflich sind.

In Sachen Kulturquartier bedauern sowohl die neuen Eigentümer als auch die Vertreter des Traumpalasts, dass das Untersuchungsgebiet für die städtebauliche Aufwertung des Beueler Ostens am Bahnhof Beuel endet. „Aus unserer Sicht ist es wünschenswert, dass nicht nur die Brotfabrik, sondern auch alle anderen Kulturträger in Beuel in die Untersuchungen mit einbezogen werden. Wir würden uns gerne in die Diskussion mit einbringen“, so Becker und Lamprecht. Und Meier regte an, dass das mit der Ausarbeitung der Studie zu beauftragende Fachbüro untersuchen soll, welche Bedeutung jede einzelne Beueler Kultureinrichtung für den Stadtbezirk hat.

Der Planungsausschuss tagt am Mittwoch, 20. Juni, ab 18 Uhr im Stadthaus im Ratssaal.