Pause verärgert Ratspolitiker

Modernisierung der Pantheon-Theaterhalle ist geplatzt

Pantheon verweigert Umbauten in der Halle

Pantheon verweigert Umbauten in der Halle

Bonn. Die Vision von einer modernisierten Theaterhalle in Beuel ist geplatzt. Kabarett-Urgestein Rainer Pause (70) hat der Stadtverwaltung schriftlich mitgeteilt, dass seine Pantheon GmbH den angekündigten Umbau an der Siegburger Straße nicht mehr anpacken werde.

Am Mittwoch informierte die Stadt den Kulturausschuss in nichtöffentlicher Sitzung. Viele Ratspolitiker fühlen sich nun von den Pantheon-Machern, denen die Stadt mit einer niedrigen Miete entgegen gekommen war, hinter die Fichte geführt.

Pauses GmbH ist seit Herbst 2016 Mieter der Halle Beuel, die auf einem großen Gelände des städtischen Theaters liegt. Das Pantheon hatte verzweifelt nach einem neuen Standort gesucht, weil der Abriss des Bonn-Centers bevorstand. Als die Verhandlungen mit der Stadt stockten, machte Oberbürgermeister Ashok Sridharan das Thema zur Chefsache und traf mit Pause folgende Vereinbarung: Die GmbH zahlt für die 2400 Quadratmeter große Schauspielhalle eine Nettokaltmiete von nur 20 000 Euro im Jahr, weil die bisherigen jährlichen Nebenkosten mit rund 140 000 Euro so hoch sind (davon jeweils 60 000 Euro für Heizung und Strom). Außerdem wollte das Pantheon das Gebäude für rund 2,1 Millionen Euro umbauen und einen zweiten, kleineren Saal schaffen. Dafür sollte die Stadt einen Kredit von 1,7 Millionen Euro gewähren, Zinsen wären erst ab dem Jahr 2021 angefallen. Pause sollte privat mit 500 000 Euro bürgen.

Im Mai 2016 unterzeichnete Sridharan einen Dringlichkeitsbeschluss zum Darlehen, weil das Pantheon so schnell wie möglich seine Architekten beauftragen wollte. Der Ratsmehrheit war das sehr recht: Denn mit dem Umbau, so die damalige Beschlussvorlage, „entsteht in der Halle eine moderne auf zukünftige Ansprüche hin ausgerichtete Spielstätte mit zwei Sälen, die ggf. auch von anderen Theaterbetreibern bespielt und somit auch von der Stadt vermarktet werden könnten, für den Fall, dass die Pantheon Theater GmbH nicht fortbestehen sollte“. Für seine Investitionen sollte das Pantheon mit dem Zeitwert entschädigt werden, sofern der auf 30 Jahre laufende Mietvertrag vorzeitig beendet würde. Schriftlich zum Umbau verpflichtet hat sich das Pantheon allerdings nicht – zumindest nicht im von Pause und dem OB unterzeichneten Miet-, Darlehens- und Bürgschaftsvertrag.

Pause versteht Aufregung nicht

„Ich kann die Aufregung nicht verstehen“, sagt Rainer Pause, der den Kredit nie abgerufen hat. Es scheine ein großes Missverständnis zu geben. Er und seine künstlerische Leiterin Martina Steimer hätten vor dem Umzug nach Beuel gefürchtet, ohne den Umbau würde das Publikum wegbleiben. Doch es kam anders. Rund 80 000 Besucher hatte das Pantheon in der ersten Spielzeit begrüßt – nur etwas weniger als am alten Standort. Das gelte auch für die Umsätze, so Pause. Die wirtschaftliche Entwicklung sei gut. Die GmbH mache mit zehn Mitarbeitern rund 2,5 Millionen Euro Jahresumsatz. Rund 500.000 Euro eigenes Geld und etwa 10 000 private Arbeitsstunden von Unterstützern habe man ins Projekt gesteckt, unter anderem in die provisorische Umgestaltung der Halle und die Licht- und Tontechnik. Gegen den Umbau spricht aus Pauses Sicht, dass das Theater fast ein Jahr lang geschlossen werden müsste. Außerdem seien die Baupreise bundesweit explodiert.

Pause und Steimer fühlen sich von der Stadt schlecht behandelt. Dafür, dass die marode Halle in einen Publikumsmagneten verwandelt worden sei, habe er „kein Wort des Dankes“ gehört, so der 70-Jährige. Außerdem vertrauten die Pantheon-Macher darauf, dass die Stadt das Theatergelände zum Kern einer kulturell geprägten Quartiersentwicklung macht. Pause: „Dafür hat bisher keiner etwas getan. Es gibt keine Arbeitsgruppen, keine Konzepte, keine Anträge.“

OB Sridharan reagiert auf GA-Anfrage zurückhaltend. „Wir werden eine Lösung gemeinsam mit dem Pantheon suchen müssen“, sagt er nur. „Die Mitteilung des Pantheons schafft für uns eine neue Grundlage.“ Nach GA-Informationen soll das Rechtsamt nun den Vertrag noch einmal genau prüfen.

Die kulturpolitischen Sprecher von CDU, SPD, Grünen, FDP und Linken fordern, mit dem Pantheon über eine höhere Miete zu reden (siehe „Das sagen die Politiker“). Laut Mietvertrag ist das ab 2019 möglich, falls die realen Nebenkosten unter 140 000 Euro liegen sollten. Die Miete ist zudem an eine Wertsicherungsklausel gebunden: Steigt der Verbraucherpreisindex, den das Statistische Bundesamt ermittelt, um zehn Prozent im Vergleich zum Jahr 2010, wächst auch die Miete an. Pause ist zu Verhandlungen über die Miethöhe bereit, „wenn es unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zulässt.“