Ausstellung zu Pützchens Markt in Beuel

Modellbauer zeigen die Kirmes in Kleinformat

Pützchen. Modellbauer aus ganz Deutschland haben zum 9. Mal naturgetreu nachgebaute Karussells gezeigt. Sie bauen nicht nur Fahrgeschäfte nach, sondern kennen auch ihre Geschichte und die Reihe der Eigentümer.

Es blinkt und leuchtet, surrt und klackert. In Miniatur standen die Karussells der aus ganz Deutschland angereisten Modellbauer ihren großen Vorbildern auf Pützchens Markt in nichts nach. Ein Wochenende lang hatten die Fans der Miniaturwelten Gelegenheit, im Blauen Haus der evangelischen Gemeinde zu staunen und zu fachsimpeln.

„Mit der Krake der Firma Uhse aus Bremen, die der Bonner Schaustellerfamilie Markmann gehört, die jetzt mit dem Octopussy auf Pützchen sind“, sagte Uwe Rodloff, „hat alles angefangen. Ganz schnell wird bei Rodloff wie auch bei seinen Modellbaukollegen deutlich, dass es nicht nur um den Nachbau von Fahrgeschäften geht, sondern, dass man sich im Großen und Ganzen mit der Welt der Schausteller beschäftigt. Man weiß, wer da draußen auf dem Jahrmarktplatz welches Karussell betreibt, wann es gebaut wurde, was die Finessen sind und vor allem, wie viel Zeit es braucht, sie detailgetreu nachzubauen. Da können schon mal Jahre drüber vergehen, bis ein Fahrgeschäft so aussieht.

Fünf Jahre hat Rodloff alleine an „Hully Gully“ gearbeitet. Die meisten der etwa ein Dutzend Großmodelle sind inzwischen hoch-komplexe, feinmechanische Arbeiten. „Als ich vor 25 Jahren anfing, Karussells zu bauen“, berichtet Ralf Hackmann (49), „da war so etwas noch gar nicht möglich“ – und zeigt auf seinen „Commander“. Es ist ein so genanntes Rundfahrgeschäft, an dem sich Gondeln im Kreis und um sich selber drehen. Nur durch die inzwischen käuflichen Miniatur-Motoren, die teilweise wenige Millimeter messen, ist es möglich geworden, die Fahrgeschäfte in Maßstäben 1:14,5, 1:50 oder sogar 1:87 (H0) naturgetreu in Bewegung zu bringen. „Ohne Internet wäre das alles gar nicht zu schaffen“, sagt Hackmann. Vieles bezieht er direkt aus China. Manches lässt er sich von Spezialisten mit 3D-Druckern herstellen.

Viele winzige Details

Auch Stephan Hirschfeld aus Bad Arolsen hat seine speziellen Quellen, die sich in den einschlägigen Modellbauforen auftun. So lässt er die 5000 Figuren, die seine sechs Quadratmeter umfassende Kirmeslandschaft bevölkern, von einer älteren Dame bemalen, die er über das Internet gefunden hat. Er beschäftigt sich lieber mit dem ständigen Aus- und Umbau seiner aus 20 Modulen zusammengesetzten Kirmeswelt. Alle seine Fahrgeschäfte von der „Raupenbahn“ über den „Hexentanz“, die „Feuersäule“, den Autoscooter bis hin zum Riesenrad, um nur einige zu nennen, sind originale Nachbauten. Über 50 000 LEDs sorgen für ein bunt leuchtendes Kirmestreiben, was im verdunkelten Raum besonders eindrucksvoll ist.

Zusammen mit seinem Vater Uwe, der in frühesten Jahren einmal mit einer Schaustellerin liiert war, wird ständig weitergebaut. „Fertig wird man nie“, ist nicht nur von den Hirschfelds zu hören. Auch Mathias Prenlow aus Königslutter kann ein Lied davon singen, denn während sich schon die Besucher um seine riesige „Enterprise“ (Maßstab 1:14,5) drängen, ist auch hier der Fehler in der Hydraulik noch nicht gefunden, die das in den 1970er Jahren beliebteste Überkopffahrgeschäft in einem 90-Grad-Winkel aufstellt. Dennoch zollen die Besucher ihm wie allen anderen Modellbauern größten Respekt.

„Was die hier machen, ist einfach unfassbar“, staunt Horst Kurdenbach (72) aus Köln, dessen größtes selbst gebautes Modell der Bonner Bahnhof ist. Im Gegensatz zu den meist bis in das kleinste Detail selbst angefertigten Karussell, musste der Kölner allerdings einräumen, dass sein Bahnhof aus einem Bausatz stammt.