Adelheidisschüler lernen Mundart

"Mir hann höck Bönnsch jeliert"

Vilich. "Ist das wirklich Deutsch?" fragten sich einige Schüler der Klasse 2a der Adelheidisschule, als sie mit den Worten "Jode Morje leev Pänz" begrüßt wurden. Zwar ist Fremdsprachenunterricht für Zweitklässler längst nichts Neues mehr, schließlich lernen bereits Grundschüler Englisch. Doch diese merkwürdige Sprache war für die Kinder etwas Neues. "Bönnsch" stand in der ersten Doppelstunde auf dem Stundenplan der Klasse 2a.

Unterstützt wurde ihre Lehrerin Mechtild Schauerte bei dem neuen Unterrichtsprojekt von Elisabeth Schleier und Martin Fuchs. Mit Gitarre ausgerüstet besuchen die beiden "bönnschen Muttersprachler" im Auftrag des Festausschusses Bonner Karneval Schulen im ganzen Stadtgebiet, um mit den Kindern Bönnsche Lieder zu singen und die fast vergessene Mundart wieder aufleben zu lassen.

"Das G ist ein magischer Buchstabe", lautete die erste Lektion, die die Schüler lernen mussten. "?G? kennen wir im Bönnschen eigentlich gar nicht so richtig, denn ständig verwandelt er sich", erklärte Schleier. So werde das Wort Segelflugzeug zum Beispiel "Sejelfluchzeusch" ausgesprochen. Außerdem lasse der Rheinländer am Ende immer das "N" weg - "klingt so doch viel melodischer", sagte Fuchs.

"Ich kenn das von zuhause", sagte Noah aus der 2a. "Meine Oma spricht auch Bönnsch und meine Mama auch manchmal." Auch Jonathan war der Dialekt nicht gänzlich fremd. "Mein Papa kommt aus Köln. Der sagt auch solche Sätze." Anderen Schülern ging es ähnlich. Mal war es der Opa, mal die Oma, die noch den Dialekt beherrscht.

"Die Mundart wird eben nicht mehr gelebt. Daher sehen wir kaum noch Kinder, die etwas auf Bönnsch sagen können. Wenn doch, dann sind sie meist im Karnevalsverein und haben dort etwas aufgeschnappt", sagte Fuchs. "Wir wollen aber auch zeigen, dass Bönnsch überall zuhause ist und nicht nur an Karneval", so Schleier. Dabei ist es praktisch unmöglich von dem "Bönnsch" zu sprechen, denn tatsächlich gibt es in dem Dialekt viele kleine regionale Unterschiede. "Früher als die Menschen hier gewohnt haben, hatte jedes Dorf seine eigene Geheimsprache", erklärt Schleier den Schülern. Das zeigt sich zum Beispiel, wenn man versucht, es zu schreiben. "Bönnsch ist eine gesprochene Sprache", so Fuchs. "Daher müssen wir uns bei der Schreibweise manchmal einigen. Wir nehmen dann das, was am schlüssigsten erscheint."

Mit ihrem Unterrichtsangebot "Bönnsch füe Pänz" hoffen er und Schleier den Grundschülern etwas von der traditionellen Mundart mitgeben und sie so vielleicht vor dem Aussterben bewahren zu können. Die ganze letzte Woche haben sie zweite, dritte und vierte Klassen der Adelheidisschule besucht. Später hoffen sie mit einem Aufbaukurs für Viertklässler auch noch ein paar Vokabeln und Zählen auf Bönnsch unterrichten zu können.