Güterbahnhof in Beuel

Mieter räumt Gelände nicht

Eine Besonderheit des Beueler Güterbahnhofs ist die gepflasterte Ladestraße mitsamt ihren Kopframpen. Über diese kann die Ware direkt in Lkw verladen werden.

Eine Besonderheit des Beueler Güterbahnhofs ist die gepflasterte Ladestraße mitsamt ihren Kopframpen. Über diese kann die Ware direkt in Lkw verladen werden.

Beuel. Florian Kalff will mit seiner Firma bleiben, bis der Güterbahnhof dem Bau der S 13 weichen muss. Die Bahn geht indes davon aus, dass er die Kündigung akzeptiert.

Wer am heutigen Tag am Beueler Güterbahnhof vorbeifährt, wird eines nicht sehen: Leerstand. Denn obwohl die Deutsche Bahn ihrem Mieter Florian Kalff zum 31. März gekündigt hat, will dieser das Feld nicht räumen. Einen Übergangsmietvertrag bis April 2017 habe er abgelehnt, da er nur einige Monate Aufschub gewährt hätte.

Kalff sitzt seit 1999 mit seiner Firma, dem VW-Entfallteiledienst, im denkmalgeschützten Bahnhof. Wie berichtet, muss das Gebäude für den Bau der S 13 weichen. Das Verwaltungsgericht Köln hatte jedoch seinerzeit festgesetzt, dass die Bahn den Güterbahnhof wegen des Denkmalschutzes translozieren (versetzen) muss. Für die Beueler Immobilie der Bahn bedeutet das: Nach Abschluss der S 13-Maßnahme wird sie um 1,80 Meter versetzt Richtung Osten stehen. Kosten für Abbau, Einlagerung und Aufbau laut Bahn: etwa eine Million Euro.

Auf eben jene Gerichtsverhandlung am 23. Juni 2010 beruft sich Kalff jetzt bei seiner Weigerung auszuziehen. „Damals hat die DB uns zugesagt, den Mietvertrag erst zu kündigen, wenn «der Bau der S 13 im Bahnhof Beuel unmittelbar bevorsteht“, so der Geschäftsführer der Autozubehörfirma. Als Beweis dafür dient ihm ein Protokoll seines Anwalts aus der Sitzung.

Unterstützung erhält Kalff vor allem von Denkmalschützern. So hatte Heinz Günter Horn, Vorsitzender des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, im GA geäußert, dass der beste Schutz für ein Denkmal dessen Nutzung sei, nicht Leerstand. „Heute ist es bei der öffentlichen Hand üblich geworden, Baudenkmäler so zu vernachlässigen, dass der Denkmalwert nicht mehr erkennbar ist“, sagte Horn und meinte damit, dass die Bahn den Güterbahnhof bewusst Vandalismus und Verfall preisgeben könne. Dann nämlich erübrige sich der Abbau.

Jahrelanger Leerstand befürchtet

Auch Beuels Bezirksbürgermeister Guido Déus und der frühere Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch hatten sich nach einem Gespräch mit Florian Kalff im September 2015 für dessen Anliegen stark gemacht. Der Ex-OB reagierte sogar mit einem Brief an Bahnchef Rüdiger Grube. Ihm seien die Bauabschnitte der S 13 bekannt und er befürchte einen jahrelangen Leerstand nach Auszug des Mieters, bis die Maßnahme den Bahnhof erreiche, schrieb Nimptsch. „Eine leerstehende und damit nicht mehr kontrollierte Zone im Bereich des Bahnhofs Beuel würde zu einer erheblichen Verschärfung der Sicherheitslage führen“, appellierte er an Grube, den Mieter bis zu einer Translozierung im Gebäude zu lassen.

Bei einer Anfrage durch den GA erklärten Déus und die Stadt Bonn jetzt aber auch unisono: „Oberstes Ziel ist die Realisierung der S 13.“ Vize-Pressesprecher Marc Hoffmann erklärte, dass nur die Bahn als Objektträger beurteilen könne, wie ein Leerstand vermieden werde und „zugleich abgesichert werden kann, dass der Terminplan für die Bauarbeiten nicht in Gefahr gerät“.

Die Bahn selbst äußerte sich zunächst recht knapp. Man gehe nach wie vor davon aus, dass die Kündigung akzeptiert werde, heißt es. „Alles weitere werden wir dann über unsere Rechtsabteilung prüfen“, sagte Bahnsprecher Dirk Pohlmann.