WDR-Sinfoniker in Pützchen

Marktschüler begeistern sich für Klassik

Adrian Bleyer, Geigenspieler im WDR Sinfonieorchester, erklärt den Marktschülern das Instrument. Vorher spielte er mit seinen Kollegen Musik von Mozart und erzählte vom Leben in der damaligen Zeit.

Adrian Bleyer, Geigenspieler im WDR Sinfonieorchester, erklärt den Marktschülern das Instrument. Vorher spielte er mit seinen Kollegen Musik von Mozart und erzählte vom Leben in der damaligen Zeit.

Pützchen. Drei Musiker des WDR Sinfonieorchesters geben ein privates Konzert in der Marktschule in Pützchen. Das Thema ist Mozart. Die rund 150 Grundschüler lauschen mucksmäuschenstill.

Zu Mozarts Zeiten tanzten die Leute anders. „Nicht nur die Kleidung, sondern auch die Musik war mit heute nicht zu vergleichen“, erläuterte Adrian Bleyer. Der Profi-Geigenspieler des WDR Sinfonieorchesters war mit zwei Kollegen in die Marktschule gekommen, um den Grundschülern klassische Musik näherzubringen. Im Schlepptau: Ein Plüschdackel als Mozart-Experte.

Die drei Musiker verwandelten die Aula in einen kleinen Konzertsaal, in dem es trotz der mehr als 150 Schüler die ganze Unterrichtsstunde lang leise blieb. Gebannt lauschten die Mädchen und Jungen den Musikstücken, hörten „Dackl“ beim Geschichtenerzählen zu. Der berichtete als Puppe in witzigen Videobotschaften zum Beispiel davon, dass Mozart ein richtiger Rebell für seine Zeit Mitte des 18. Jahrhunderts war. „Er spannte sechs polnische Ponys vor seine Kutsche – ein Skandal für damalige Verhältnisse!“ Denn nur Adlige hätten sich von so vielen Pferden ziehen lassen dürfen.

„Dackl“ sang aber auch mit den Kindern das Lied „Komm, lieber Mai, und mache“. Cellist Sebastian Engelhardt erklärte anschließend, warum der Mai so Besonders für Mozart war und er dafür die „Sehnsucht nach dem Frühlinge“ komponierte. „Es gab früher kein Licht und keine Heizung, als nach dem Winter der Frühling kam, machte er die Menschen glücklich“, sagte Engelhardt.

Klassische Musik ist im Alltag nicht präsent

Das Trio macht schon seit mehreren Jahren bei dem WDR-Projekt mit, das klassische Musik kostenlos in die Schulen bringt. Derzeit sind 13 Gruppen in ganz Nordrhein-Westfalen unterwegs, um mehr als hundert Schulen zu besuchen. „Es ist immer erstaunlich, wie neugierig die Kleinen sind“, hob Engelhardt hervor. So kamen die Schüler direkt nach dem Konzert auf die Bühne, zupften behutsam an den Saiten und fragten Engelhardt über sein Instrument aus. Sie wollten selbst herausfinden, was die Unterschiede zwischen Geige, Bratsche und Cello sind, die da vorne zusammen musizierten.

Die achtjährigen Mia und Celina interessierte aber vor allem, ob das Musikmachen auf den drei Streichinstrumenten schwer ist. Sie hatten bisher nur auf der Gitarre geübt. „Wenn ich das richtig kann, will ich auch mal das Cello ausprobieren“, sagte Mia. Ihre Schulkameradin Celina konnte sich aber auch vorstellen, Klavier zu spielen Die Musiker erzählten ihnen, dass ihr Können mit viel Übung verbunden ist und sie schon seit der Kindheit auf ihren Instrumenten spielen. Auf jeden Fall fanden es Mia und Celina gut, dass die Sinfoniker das kleine Konzert gaben. „Das ist coole Musik, die man sonst nicht so oft hört.“

Denn den Grundschülern fehlt häufig die Möglichkeit, klassische Musik live zu erlebten – auch weil sie im Alltag nicht mehr präsent ist, und Eltern keinen Wert darauf legten. „Wir machen mit unseren Klassen zwar Ausflüge in die Oper, das ist aber eine ganz andere Stimmung. Hier ist das alles viel persönlicher“, sagte Rektorin Sabine Brögger. Für sie war es wichtig, dass die Kinder an diese für sie eher altmodische Musik herangeführt werden. „Es ist ein Kulturgut, das es zu erhalten und zu vermitteln gilt“, so Brögger.