Anfängerkurs in St. Adelheid

Männerüberschuss beim Tangotanzen in Pützchen

Erste Übung beim Tango-Anfängerkurs in St. Adelheid: Sich ohne Worte verstehen.

Erste Übung beim Tango-Anfängerkurs in St. Adelheid: Sich ohne Worte verstehen.

Pützchen. Die Überraschung kam gleich zu Beginn: 19 mutige Bonner waren zum Anfängertanzkurs gekommen, um sich in St. Adelheid am Tango Argentino zu versuchen. Also mehr Männer als Frauen wollen diesen Stil des Tangos erlernen, bei dem es keine festen Schrittfolgen gibt.

„Wir haben von dem Kurs im General-Anzeiger gelesen und haben die Gelegenheit beim Schopf gepackt“, erzählte Wolfgang Ernst. Seit der Tanzschule habe er nur selten die Möglichkeit dazu gehabt, mal wieder zu tanzen. „Ich war auch schon mal in Argentinien, da passt das ganz gut“, so der Teilnehmer.

Zur Überraschung aller zeichnete sich an diesem Abend ein Männerüberschuss im Kurs ab. „Tendenziell kommen eigentlich mehr Frauen“, erklärte Tanzlehrer Harald Rotter. Doch manch ein Kenner fühlte sich so vielleicht an die frühsten Anfängen des Tangos erinnert: Auch damals übten die Männer erst einmal miteinander, um dann die wenigen Frauen mit gekonnten Schritten zu überzeugen.

Kein anderer Tanz bietet so viel Freiheit

Um die Geburt des Tangos gibt es viele Geschichten und Überlieferungen. Vermutlich ist der argentinische Tango in den ärmsten Vierteln von Buenos Aires entstanden. Circa sechs Millionen Europäer wanderten nach Argentinien mit der Hoffnung auf Arbeit aus. Die meisten Männer mussten ihre Familien in der Heimat zurücklassen, sodass Buenos Aires von alleinstehenden Männern übervölkert war. Sie trafen sich am Hafen, in Bordellen, in Kneipen – sie sangen, sie trauerten, sie feierten und sie tanzten. Da es aber auch beim Tanz viel mehr Männer als Frauen gab, mussten die Männer besonders gut tanzen, um eine Chance zu haben. Daher übten sie zunächst untereinander, bevor sie eine Frau aufforderten. „Ich kann auch beide Rollen tanzen“, warf Rotter ein – was für einen Tanzlehrer aber quasi selbstverständlich sei.

Schnupperstunden sind kostenlos

Die erste Übung des Abends offenbarte sofort die Besonderheiten des Tango Argentino. Kein anderer Tanz biete so viel Freiheit und Möglichkeiten, betonte Rotter. „Es gibt keine festen Schrittfolgen, die man mehr oder weniger auswendig lernen muss. Jeder Schritt muss frei gesetzt werden“, erklärte der erfahrene Tangotänzer. Damit das aber auch zu zweit klappe, sei eine sehr feine Kommunikation zwischen den Körpern nötig: Führen und Folgen. „Es darf nie vorhersehbar sein, was als nächstes kommt“, riet Rotter den Teilnehmern, die paarweise zusammengestellt anfangs noch etwas zaghaft vor- und zurücktanzten.

Rotter bietet Anfängerkurs in unregelmäßigen Abständen an. Der nächste Tanzabend ist am 17. März um 18 Uhr wieder in St. Adelheid. Die Schnupperstunden sind kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Wer danach von der Leidenschaft gepackt wurde, findet alle weiteren Kurs unter www.tangobuehne.de, so der erfahrene Tangotänzer.