Chat mit Alexander Gerst

Liveschalte in den Weltraum für Bonner Schüler

Kerstin Holbe (l.) und ihre Kollegin Anna Brück bereiten die Schüler mit Gesprächen und einem Lehrfilm auf den DLR-Besuch vor.

Kerstin Holbe (l.) und ihre Kollegin Anna Brück bereiten die Schüler mit Gesprächen und einem Lehrfilm auf den DLR-Besuch vor.

BEUEL. Große Ehre für die Schüler des Kardinal-Frings-Gymnasiums in Beuel: Wenn der Deutsche Astronaut Alexander Gerst auf seiner Mission in der Internationalen Raumschaltung ist, steht er live zum Videochat zur Verfügung.

Markus Möhring war neun Jahre alt, als Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins zum Mond aufbrachen: „Ich hatte meinen Vater unzählige Male schier gelöchert, dass er mich unbedingt wecken solle, als die Landung anstand“, erinnert er sich. Es muss wohl genutzt haben, denn der inzwischen 57-jährige stellvertretende Schulleiter des Kardinal-Frings-Gymnasiums kann sich genau an Armstrongs bekannte Worte „The Eagle has landed“ und die vorausgegangenen spannenden Minuten der Suche nach einer geeigneten Landestelle erinnern. Seither ist der Biologie- und Chemielehrer seiner Leidenschaft treu geblieben und als er von Alexander Gersts zweiter Mission zur Internationalen Raumstation ISS in diesem Sommer erfuhr, dachte er sich schnell, dass man da doch etwas draus machen könne.

Konnte man und nach einigen Monaten intensiven Kontakte-knüpfens und unzähligen Telefonaten und Mails stand dann endlich fest: „Wir bekommen eine Live-Schalte ins All, bei der unsere Schüler Gerst Fragen stellen dürfen. Einziger Wermutstropfen: Es gibt nur ein Zeitfenster, den genauen Termin erfahren die KFGler aus organisatorischen Gründen erst rund eine Woche vor der Schalte. „Das hat uns als Organisatoren natürlich vor einige Herausforderungen gestellt“, so Möhring. Denn die Schule hat rund um das Gespräch in den Orbit ein riesiges Begleitprogramm auf die Beine gestellt. Die Fragesteller sind aus Wettergründen in einer Turnhalle untergebracht; auf deren Dach wird die Sende- und Empfangsanlage installiert. Die Funktechnik wird übrigens von einer Leverkusener Funker-Gruppe umsonst zur Verfügung gestellt.

Auch ein Besuch ist geplant

„Das Highlight wird aber eine große Leinwand auf unserem Sportplatz“, erzählt Möhring und man sieht ihm die Vorfreude an. Vom grünen Rasen aus sollen dann alle Schüler, Eltern, Lehrer und sonstigen Besucher Gerst und seine Kollegen an Bord der ISS sehen und hören können. „Dazu möchten wir auch ein wenig Prominenz aus Politik und Kirche einladen“, kündigt er an. Nach dem Start am 6. Juni wollen die Organisatoren ein „Save the Week“, also eine Vorankündigung, dass das Ereignis in der Woche vom 2. bis zum 6. Juli stattfinden werde, an Oberbürgermeister Ashok Sridharan, Rainer Maria Kardinal Woelki und viele weitere verschicken. „Ich hoffe, dass das bei dem doch recht großen Zeitfenster auch klappt“, so Möhring. Gut 90 Minuten benötigt die Raumstation für eine Tour um die Welt, dennoch überfliegt sie das Beueler Gymnasium aufgrund der Erdrotation nur rund einmal am Tag. Und wenn alles gut geht, dürfen sich die Frings-Schüler noch auf einen zweiten Astronauten freuen: „Wir sind zuversichtlich, dass Matthias Maurer uns vor Ort besuchen wird“, so der Lehrer. Der Saarländer gehört seit drei Jahren zum Corps, war aber bisher noch nicht im All.

„Horizons“ ist das Motto der Mission, die Gerst für rund ein halbes Jahr erneut ins All führen wird: Der Franke gehört seit 2009 dem europäischen Astronautencorps an. Nach seiner Premiere 2014 als Bordingenieur diesmal auch als Kommandant. In der zweiten Hälfte der Mission wird er diese Aufgabe als erster Deutscher und zweiter Westeuropäer übernehmen. Der Astronaut wird am 13. Dezember zur Erde zurückkehren. Mit seiner Landung in Kasachstan ist die Mission „Horizons“ beendet.