175 Millionen Euro teures Projekt

Kostenstreit um das Rhein-Palais am Bonner Bogen

Beuel. Der Investor baut am Bonner Bogen in Beuel weiter. Ende 2022 sollen alle drei Bauabschnitte des Rhein-Palais fertig sein. Unterdessen geht sein Streit wegen der Kosten mit der Stadt weiter.

Kurz vor Jahresende 2018 hat der Kölner Investor Ewald Hohr mit den Arbeiten für den zweiten Bauabschnitt des Rhein-Palais begonnen. Damit hat der Bauherr seine Ankündigung vom vergangenen März tatsächlich noch kurz vor Toresschluss eingehalten. Wer jetzt allerdings davon ausgeht, dass der Streit zwischen der Stadt Bonn und dem Bauunternehmer bezüglich der mehrere Millionen Euro teuren Nachforderungen Hohrs beigelegt ist, der irrt.

Der Investor, der wegen der strittigen Kostenübernahme für die Entsorgung der Deponie-Altlasten schon mehr als zwei Jahre Zeit verloren hat, war es nach eigenem Bekunden leid, noch länger auf ein positives Signal seitens der Bonner Stadtverwaltung zu warten.

„Ich werde die Kosten für die Gründung des zweiten Bauabschnitts, für die Entsorgung der Altlasten und den Bau der Bodenplatte vorfinanzieren und das mir zustehende Geld von der Stadt Bonn zurückholen“, erklärte Hohr in einem Gespräch mit dem GA. Er geht dabei von einer Summe von etwa drei Millionen Euro aus. „Mir ist nach wie vor daran gelegen, dass ich mit der Stadt Bonn zeitnah eine Übereinkunft erziele. Ich will das Thema in bestem Einvernehmen mit der Stadt Bonn regeln“, sagte der 74-Jährige.

Gutachter sollen Klarheit schaffen

Die Stadt Bonn, die sich nach Aussage Hohrs beim Verkauf des Grundstücks an der Joseph-Schumpeter-Allee vertraglich verpflichtet hat, die Kosten für die Altlastensanierung zu übernehmen, zweifelt bislang die Kostenschätzungen Hohrs in Höhe von ungefähr sieben bis zehn Millionen Euro an und hat deshalb vor vielen Monaten einen weiteren Gutachter um Bewertung des Falls gebeten.

Auf Nachfrage des GA bestätigte die Stadt Bonn im Dezember, dass das Gutachten mittlerweile vorliegt, aber die Datenlage sei noch nicht vollständig. „Zum Ergebnis können wir uns noch nicht konkret äußern, weil noch Daten nachgetragen werden müssen“, erklärte Stefanie Zießnitz vom städtischen Presseamt. Für den nichtöffentlichen Teil der Dezember-Sitzung des Planungsausschusses lieferte die Stadtverwaltung allerdings genauere Informationen zum aktuellen Stand.

Demnach geht der von der Stadt Bonn beauftragte Gutachter davon aus, dass die von Hohrs Gutachter kalkulierten Mehrkosten für die Entsorgung der Altlasten zu hoch seien. Das Büro Kühn Geo Consulting hatte Schätzkosten in Höhe von 3,025 Millionen Euro ausgewiesen. Hinzu kommen circa 3,964 Millionen Euro für Gründungsmehrkosten.

700 Bohrpfähle sollen Kosten senken

Aus der schriftlichen Stellungnahme der Verwaltung geht hervor, dass das städtischerseits beauftragte Büro Düllmann sein Gutachten am 6. November der Stadtverwaltung vorgelegt hat. Das aber wie gesagt zu dem Schluss kommt, dass die Datenbasis für eine dezidierte Prüfung des Hohr-Gutachtens nicht ausreicht. Eine abschließende Beurteilung der Schätzkosten sei deshalb nicht möglich.

Das Gutachten des Büros Düllmann wurde zur Stellungnahme und Nachbesserung der Datenlage inzwischen an den Bauherrn Hohr übermittelt. Dieser wurde laut Stadt Bonn aufgefordert, zeitnah Stellung zu nehmen. In der Verwaltungsvorlage heißt es wörtlich: „Sobald eine abschließende Erkenntnislage vorliegt und mit dem Bauherrn hierüber – im besten Falle einvernehmlich – verhandelt worden ist, kann eine Vorlage mit den sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen erstellt werden. Nach Aussage Hohrs ist das bislang noch nicht erfolgt.

Der Kölner Bauherr hat im Laufe des vergangenen Jahres seine ursprünglich geplante Vorgehensweise auf der Baustelle am Bonner Bogen geändert: Statt den Altmüll zu entsorgen und den Baugrund aus statischer Sicht wieder so vorzubereiten, dass er bebaubar ist, will er in den Bauabschnitten zwei und drei bis zu 700 Bohrpfähle in den Untergrund setzen, die mit Beton und Eisenarmierung verfüllt werden. Darauf wird dann die Bodenplatte verankert.

Diese Strategie ist nach Hohrs Berechnungen deutlich preiswerter: „Wir reden jetzt nicht mehr von Kostenschätzungen, sondern von weitgehend feststehenden Kosten.“

Gesamtvorhaben kostet 175 Millionen Euro

Sein Unternehmen hat nämlich zwischenzeitlich die Ausschreibung für den zweiten Bauabschnitt abgeschlossen. Demnach wird eine Arbeitsgemeinschaft bestehend aus den Firmen Prangenberg & Zaum sowie Züblin Tiefbau den zweiten Bauabschnitt bis Ende 2020 fertigstellen. „Aufgrund der Ausschreibung liegen jetzt genaue Zahlen vor.

Nur die Menge des Deponieaushubs und dessen Entsorgung können wir erst nach Abschluss der Gründung bestimmen. Um alles belegen zu können, werden wir der Stadt Bonn detaillierte Bohrprotokolle vorlegen, die Auskunft über die Altlastenart und -menge geben werden“, sagte der Bauherr. Wie gesagt: Die deponiebedingten Mehrkosten liegen bei rund drei Millionen Euro. Alle erforderlichen Unterlagen hat Hohr nach eigenen Angaben der Stadt Bonn zukommen lassen.

Nach dem aktuellen Verfahrensstand für den dritten Bauabschnitt gefragt, antwortete Hohr: „Die Unterlagen liegen noch bei der Stadt Bonn. Wir streiten uns noch um Details, aber das sind aus meiner Sicht Kleinigkeiten.“ Der Investor will Ende 2020 mit dem dritten und letzten Bauabschnitt beginnen und zwei Jahre später mit dem dann 175 Millionen Euro teuren Gesamtvorhaben fertig sein. Und was ist mit Bauabschnitt eins? Hohr: Der wird Ende 2019 fertig sein. Wir haben uns damit Zeit gelassen. 70 Prozent der Büroflächen sind vermietet. An wen, sage ich noch nicht.“