Denkmäler in Beuel

Kleinod hinter alten Mauern

Eine nachbarschaftliche Wohngemeinschaft lebt im ehemaligen Karmelkloster Pützchen. Gerhard Seidl (links) und Architekt Jürgen von Kietzell präsentieren das Areal mit kleinem See. FOTO: NICOLAS OTTERSBACH

Eine nachbarschaftliche Wohngemeinschaft lebt im ehemaligen Karmelkloster Pützchen. Gerhard Seidl (links) und Architekt Jürgen von Kietzell präsentieren das Areal mit kleinem See.

Pützchen. Ein Kleinod liegt in Pützchen ziemlich im Verborgenen. Zumindest wenn man vom Adelheidisplatz zur Marktstraße geht oder fährt. Wer da nicht in die kleine Seitenstraße, die Karmeliterstraße, eine Sackgasse für den Autoverkehr, blickt, der könnte es gar nicht wahrnehmen: das alte Karmeliterkloster.

Und woran erkennt man ein Kloster? An den Klostermauern, die hier wirklich nicht zu übersehen sind.

"Als feststand, dass im Zuge des 30-jährigen Krieges die Reliquien der Heiligen Adelheid in Vilich geraubt worden waren, verlagerte sich um 1650 die Wallfahrt zunehmend zum ,wundertätigen Brunnen? nach Pützchen. Neben der Quelle wurde eine Kapelle errichtet, die von 1679 an von Eremiten betreut wurde. Auf Grund der vielen Pilger wurde die Kapelle 1688 den Karmelitern übertragen."

So ist die Entstehungsgeschichte dieses Klosters kurz und bündig im Denkmalpflegeplan für Beuel beschrieben. Zwischen 1703 und 1706 wurde das Kloster erbaut. Ein verheerender Brand im Jahr 1887 zerstörte die Kirche mitsamt Kloster. Der Wiederaufbau dauerte bis 1890. Im zweiten Weltkrieg wurde die Kirche erneut völlig zerstört. Die Wiedereröffnung, immer noch unter den Karmelitern, erfolgte 1955.

Im 19. Jahrhundert war das Kloster zuerst eine staatliche Schwererziehbarenanstalt, danach eine Heilanstalt für Nerven- und Gemütskranke. 1920 wurde die gesamte Anlage an den Sacré-Coeur-Orden zur Errichtung eines privaten Mädchengymnasiums verkauft. Es entstand das St.-Adelheid-Gymnasium. Im Park wurde 1926 ein Neubau errichtet, noch im gleichen Jahr konnte das Karmeliterkloster an die "Unbeschuhten Karmelitinnen" weiterverkauft werden.

Somit waren die Karmelitinnen wieder in "ihrem Kloster", der Anlage "Karmel St. Joseph", wie sie offiziell genannt wird. Als das Haus 1998 nur noch für elf Nonnen eine Heimstatt war, mussten sie es aus Alters- und Nachwuchsgründen aufgeben. Die Karmelitinnen sind nach Lembeck ins Münsterland umgesiedelt. Damit ging die lange Geschichte der Karmeliter in Pützchen zu Ende.

Vom anstehenden Verkauf hörte 1998 das Architektenbüro Fischer und von Kietzell. Dort wurden Pläne für den Ausbau zu einem Wohnprojekt unter dem Motto "Gemeinschaftliches Wohnen von Jung und Alt" entwickelt. Denen stimmten die Schwestern mit dem Verkauf ihres Klosters 1999 zu. "Zu diesem Zeitpunkt stand das Kloster bereits unter Denkmalschutz", so von Kietzell. Und zwar seit dem 30. Dezember 1998.

Innerhalb der Klostermauern entstanden neben der Sanierung und Umnutzung des denkmalgeschützten Gebäudebestandes Reihen- und Mehrfamilienhäuser nach dem Investorenmodell. Zuerst fertiggestellt wurde 2000 der Altbau, das umgebaute Klostergebäude. Unter Einhaltung aller Vorschriften der Denkmalbehörde entstanden hier 21 Wohneinheiten. Breite, hohe Flure, alte Fliesen, alte Treppengeländer und Sprossenfenster sind dort zu bewundern.

Im Klostergarten parallel zur Klostermauer konnten 16 Reihenhäuser errichtet werden. Eingebettet zwischen dem für alle Bewohner zugänglichen Klostergarten nach vorne und der Immunitätsmauer nach hinten erhielten die klaren kubischen Baukörper eine unverwechselbare Optik. Ein Mehrfamilienhaus in "Riegelbebauung" mit 21 Wohneinheiten schließt den Klostergarten nach Osten ab. Fertiggestellt wurde die Bebauung 2003.

Heute wohnen dort rund 120 Menschen unterschiedlichen Alters. Die Wohnungsvielfalt trägt den unterschiedlichen Vorlieben Rechnung: Maisonettewohnungen mit Dachgarten, Erdgeschosswohnungen mit altengerechter Ausstattung, mehrgeschossige Atriumwohnungen und familiengerechte Wohnungen mit eigener Eingangstreppe ergänzen sich zum "Gemeinschaftlichen Wohnen von Jung und Alt". Bemerkenswert ist noch die Tiefgarage mit 78 Stellplätzen. Auf ihr ist ein kleiner See, der auch schon im Klostergarten war, neu angelegt worden, und es schwimmen, so von Kietzell, die alten Fische im neuen See.

Den Ideen der Architekten, eine nachbarschaftliche Wohngemeinschaft mit gegenseitiger Hilfe und gemeinsamer Freizeitgestaltung zu errichten, kommt der Verein "Gemeinsames Wohnen Karmelkloster" nach. Er kümmert sich unter Vorsitz von Gerhard Seidl um die Nachbarschaftshilfe, organisiert die "Helferlein" sowie Veranstaltungen im Gemeinschaftsraum. Man könnte sagen, dieser Verein ist "der gute Geist des Klosters".

Nach wie vor steht der Besucher vor einer großen, denkmalgeschützten Klostermauer. Nur wenige Türen gewähren Einlass in diese Wohngemeinschaft inmitten der Stadt. "Die Pützchener haben uns jedoch gut angenommen", ist sich Seidl sicher und verweist auf viele gemeinsame Feste, auch losgelöst von Pützchens Markt.