Zur Sicherheit der Angestellten

Kiosk reagiert auf Überfall-Serie in Bonn

So wie auf dieser nachgestellten Aufnahme stand H. an der Kasse, als die bewaffneten Täter in den Laden stürmten.

So wie auf dieser nachgestellten Aufnahme stand H. an der Kasse, als die bewaffneten Täter in den Laden stürmten.

KOHLKAUL. In den vergangenen Wochen und Monaten häufen sich Raubüberfälle auf Geschäfte in Bonn und Umgebung. Ein Laden in Kohlkaul ist in besonderer Weise betroffen.

Das Holzlarer Lädchen liegt direkt vis à vis der Wache der Freiwilligen Feuerwehr. Von der Kasse hinter dem Tresen des kleinen Kiosks, in dem die Nachbarn vielerlei kleine Dinge des täglichen Bedarfs kaufen, Pakete aufgeben und sogar eine Kleinigkeit essen können, hat Brigitte H. einen guten Blick hinüber zum Haus der Wehrleute und dem benachbarten Kohlkauler Dorfplatz.

Am Abend des 22. Januars war es allerdings schon dunkel, als statt der gewohnten Kunden zwei maskierte Männer in schwarzen Kapuzenpullovern und Jogginghosen in das Ladenlokal stürmten. Mit vorgehaltenen Pistolen forderten sie H. auf, ihnen sämtliches Bargeld zu geben, und als die vor Schreck erstarrte Frau dem nicht sofort nachkam, versetzten sie der 56-Jährigen einen Tritt, der sie zu Boden schleuderte. „Bevor ich überhaupt eine Chance hatte, das Geld aus der Kasse zu nehmen, stürmten die beiden Männer von rechts und links hinter den Tresen und traten auf mich ein“, erinnert sie sich. Mit dem erbeuteten Bargeld gingen sie allerdings nicht gerade sorgfältig um: An der Ecke Siebengebirgsring/Tulpenweg verloren sie nämlich einen Teil ihrer Beute wieder.

„Der finanzielle Schaden ist die eine Seite“, äußert sich der Inhaber des Ladens wenige Wochen nach der Tat. „Für meine Mitarbeiterin kommt aber der Schock und natürlich auch noch die Verletzung hinzu.“ Letztere war zum Glück nicht gravierend und H. verfügt offenbar über ein robustes Gemüt: „Das war nämlich schon das dritte Mal, dass wir hier überfallen wurden“, erzählte sie tapfer lachend. Und für sie persönlich war der Überfall ebenfalls bereits der zweite: „Vor einigen Jahren kamen hier auch zwei Männer – damals aber mit Messern bewaffnet – rein“, erinnert sich die Verkäuferin. „Die habe ich aber mit Pfefferspray in die Flucht geschlagen.“

Supermarkt-Räuber festgenommen

Weil sich seine Mitarbeiter aber möglicherweise nicht immer über so viel Glück im Unglück freuen könnten, hat der Besitzer nun die Reißleine gezogen: Bis auf Weiteres schließt der Holzlarer Laden nun bereits um halb sechs. „Ich kann ja nicht die Sicherheit meiner Angestellten aufs Spiel setzen“, so der Geschäftsmann. Wie er mit den unumgänglichen Umsatzeinbußen klarkomme, müsse sich erst noch zeigen. „Möglicherweise können wir im Sommer wieder länger öffnen“, hofft er. Dann sei der Platz ja auch abends noch belebt und es gebe viele Feste.

Erst am Freitag meldete die Polizei die Festnahme von einem mutmaßlichen Supermarkt-Räuber, der mit drei weiteren – bereits festgenommenen – Männern für insgesamt neun Überfälle auf Supermärkte in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis verantwortlich sein soll. Darunter die Edeka-Märkte in Königswinter und Bonn-Hochkreuz, die vor etwa zwei Wochen zu Tatorten wurden. Die Hintergründe des Überfalls auf einen weiteren Edeka-Markt in Lengsdorf vor einer Woche sind hingegen noch ungeklärt.

Neben Supermärkten schlugen diese Täter offenbar auch in Tankstellen zu. Aber auch Betriebe in anderen Geschäftszweigen müssen Raubüberfälle fürchten. So versuchte etwa ein Unbekannter im Februar, ein Hotel in Bad Godesberg zu überfallen.