Oberkasseler Abenteuertage

Kinder bauen das Haus des Minotaurus

Oberkassel. Mehr als 360 Kinder und 80 Helfer ziehen bei den 20. Oberkasseler Abenteuertagen an einem Strang. Der Bau der Buden und Hütten rankt sich in diesem Jahr um die Welt der Mythen.

Auch die 20. Oberkasseler Abenteuertage hatten bereits mit ersten Helfertreffen im Frühjahr begonnen, um den reibungslosen Ablauf der traditionell in der ersten Sommerferienwoche stattfindenden Aktionstage zu garantieren. „Da hat sich auch in den letzten 20 Jahren wenig verändert“, sagte Johannes Heckmann, der zusammen mit Hans-Peter Bürkner mit entspannter Aufmerksamkeit auf dem Friedensplatz steht und routiniert das geschäftige Treiben lenkt. Bevor am frühen Montagmorgen zwei Sattelschlepper vom Sägewerk in Sankt Augustin vorfuhren und „just in time“ etwa 600 Quadratmeter Holz und 500 laufende Meter Balken und Kanthölzer anlieferten, hatten die rund 80 Junghelfer schon fünf Abende für die Vorbereitung der Abenteuertage zusammengesessen.

Einer der wichtigsten Programmpunkte ist wie in jedem Jahr das Finden eines Themas, aus dem heraus sich dann die Ideen für die Holzhütten ableiten, die von den rund 360 Kindern im Alter von sieben bis zwölf Jahren unter Aufsicht und Anleitung der Helfer gebaut werden.

Wer bis zur demokratischen Abstimmung der Themenvorschläge geglaubt hatte, dass sich Kinder und Jugendliche eher weniger für Bildung begeistern ließen, konnte sich durch die Wahl der Oberkassler Schülerinnen und Schüler eines Besseren belehren lassen. Mit knapper Mehrheit entschied man sich für das Thema „Mythen“, was sich mit nur einer Stimme Vorsprung gegenüber dem Vorschlag „Oberkassel – damals, heute und morgen“ durchsetzen konnte.

„Ich finde es wichtig, den meisten Kindern damit auch erste Erfahrungen mit Demokratie zu vermitteln“, so Heckmann. Er selber hätte lieber das heimatnahe Oberkasseler Thema umgesetzt, freut sich jedoch darüber, mit welcher Selbstverständlichkeit die Mehrheitsentscheidung angenommen und letztlich auch auf dem Bauplatz umgesetzt wird.

Wo am Montag erst einmal nur Paletten und Balkengerüste die Grundrisse der Holzbauten markierten, werden bis zum Donnerstag Buden und Hütten mit so altphilologisch wohlklingenden Namen wie dem „Haus des Minotaurus“, des „Hades“ oder „Hermes“, bis hin zum Haus des Feuergottes, der „Hephaistos-Hütte“ und dem „Tempel der Athene“ entstehen. Alle Bauten werden sich um ein Trojanisches Pferd herum anordnen, das von Größe und Aufwand her den Mittelpunkt der ambitionierten Ferienaktion darstellen wird. Es wird nicht nur allseits zu erklettern sein, sondern – wie in jedem Jahr - auch die Möglichkeit bieten, sich über wassergefüllte Pools zu hangeln oder auch auf direktem Weg in das dann hoffentlich erfrischende Nass zu springen.

Bei zutreffender Wettervorhersage dürften zwischen dem Baubeginn und dem Finale am Freitag weit mehr als zehn Grad Temperaturunterschied liegen. „Auch wenn es heute noch ein wenig kühl ist, haben wir für den Start die richtige Temperatur“, war sich Heckmann sicher. Das fand auch Justus (21), der sich als in Hamburg studierender Zeitsoldat Urlaub genommen hat, um zusammen mit seinen „Oberkassler Kumpels“ ein paar gemeinsame Tage als Helfer in den begehrten blauen T-Shirts zu verbringen.

„Das Schöne ist halt, dass man sich kennt“, sagte er und bestätigt damit auch das, was kurz zuvor Brückner als den besonderen Wert der Abenteuertage beschrieben hatte: „Wir können in der Organisation von Anfang an darauf bauen, dass sich die meisten Kinder kennen und gut miteinander umgehen.“ Einzig die Tatsache, dass die meisten Eltern heute darauf angewiesen seien, ihren Nachwuchs über Mittag betreut zu wissen, habe sich in den letzten 20 Jahren verändert. Von daher ist Brückner froh, dass die nahe OGS der Gottfried-Kinkel-Schule rund 150 Kinder über Mittag beaufsichtigt. Denn von 13 bis 15 Uhr ist Ruhe auf dem Abenteuerplatz.