Adelheidisschule in Vilich

Kinder-Theaterstück in bönnscher Mundart

Bönnsche Pänz: Joe Tillmann (r.) hat für die OGS-Kinder eine Theaterversion von Karl Berbuers Campingleed verfasst.

Bönnsche Pänz: Joe Tillmann (r.) hat für die OGS-Kinder eine Theaterversion von Karl Berbuers Campingleed verfasst.

Vilich. In der OGS-Ferienbetreuung der Vilicher Adelheidisschule üben die Kinder das Theaterstück „Campingleed“ ein - in bönnscher Mundart. Joe Tillmann liefert die "Übersetzung" und führt Regie.

„Nä nä, dä Sprit is och add widder düerer jewode“ – Helen, Viertklässlerin an der Adelheidisschule, muss noch viel üben, bis sie diesen Satz flüssig und mit der nötigen Vehemenz aufsagen kann. Und es ist nur der erste von vielen anderen Sätzen auf Bönnsch, die sie bis nächste Woche Freitag auswendig lernen muss. Dann endet die OGS-Freizeit an der Vilicher Grundschule mit einer Mundart-Theateraufführung nach dem beliebten Campingleed von Karl Berbuer.

Dessen Text hat Joe Tillmann in ein Regiebuch umgesetzt. Der Bonner Musiker, bekannt von den Bönnsche Pänz, ist in den ersten beiden Ferienwochen an der Grundschule und arbeitet mit den Kindern, die dort in der offenen Ganztagsschule betreut werden. Eine schöne Kooperation, die allen sichtlich Spaß macht. Das merkt man schon daran, dass sich gleich acht Kinder für die Hauptrollen gemeldet haben. Eigentlich hat Tillmann nur sechs in seinem Skript, aber er ist flexibel und schrieb einfach noch zwei Rollen hinein.

Denn ob die Familie Schmitz, um deren missglückten Campingurlaub mit viel Regen, Mücken, Ameisen und anderem es in dem 1954 geschriebenen Lied geht, nun vier oder sechs Kinder hat, ist ja egal. Richtig, eigentlich kommt im Lied nur ein Kind vor, nämlich die Nies, Bönnsch für Agnes. Aber Tillmann wollte möglichst vielen Kindern die Möglichkeit geben, eine Rolle zu spielen, also gibt es im Stück neben Mam, Bap und Nies noch die Töchter Mariesche, Tring (Katrin) und Ziss (Franziska), außerdem wurden der Jupp und die Dröck (Gertrud) dazu erfunden. Weitere Kinder spielen Mücken, Käfer, einen Frosch und andere Krabbeltiere, oder sie kümmern sich um die Kulisse, die zwischendurch umgebaut werden muss.

Aus „das“ wird „dat“

Tillmann begann am Montag aber, wie man es aus seinem Bönnsch-Unterricht für den Festausschuss Bonner Karneval kennt, mit den Grundlagen der hiesigen Mundart. Aus „das“ wird „dat“, aus „einer“ „eene“ und aus „Rhein“ „Rhing“. Und natürlich ging es um das „jecke G“ mit seinen unterschiedlichen Aussprachemöglichkeiten: Aus dem „Segelflugzeug“ zum Beispiel macht die Bönnsche Sprache „Sejelfluchzeusch“. Natürlich musste auch geklärt werden, was ein „Höppekrat“, ein „Kammerpott“ und ein „Kanaljemöschtijall“ ist – ein Frosch, ein Nachttopf und ein Kanarienvogel. Denn all das kommt auch in dem Lied vor.

Nachdem all das und mehr geübt worden war, waren die Kinder ab Dienstag bereit für das Theaterstück, das sie in den nächsten Tagen immer wieder üben werden – Text lernen daheim gehört dazu. Tillmann bemühte sich auch, den Kindern die Scheu vor dem Auftritt vor Mitschülern und Eltern zu nehmen. „Das Wichtigste ist, sich nie anmerken zu lassen, dass man etwas falsch gesagt hat.“

Wer zum Theaterspielen keine Lust hat, kann sich auch anderweitig beschäftigen. Zum Beispiel bemalen die Kinder „Bönnsche Shirts“, also T-Shirts mit Bonner Motiven wie Münster, Sterntor und Beethoven darauf. Daneben bietet die OGS, die unter der Trägerschaft des Schwarzrheindorfer Hauses Michael steht, Ausflüge und anderes an.